Sommer in St. Peter-Ording : Johannes Mahnsen – Der Herr der Strände

Immer alles im Blick: Hannes Mahnsen kennt die Strände wie seine eigene Westentasche.
Immer alles im Blick: Hannes Mahnsen kennt die Strände wie seine eigene Westentasche.

„Gegen den Wind“, ein blauer Jeep und die zwölf Kilometer lange Sandbank – seit 30 Jahren wacht Mahnsen über die Strände.

shz.de von
30. Juni 2018, 15:00 Uhr

St. Peter-Ording | Er kennt die Sandbank von St. Peter-Ording wie seine eigene Westentasche, ist mit Ralf Bauer („Gegen den Wind“) per Du und darf mit seinem großen, blauen Jeep über den gesamten Strand fahren. Seit 30 Jahren wacht Johannes „Hannes“ Mahnsen über de Strände in St. Peter-Ording.

Im Mai 1988 trat der gelernte Kfz-Mechaniker und Meister für Badebetriebe seinen Dienst an. „Eigentlich wollte ich zum Bundesgrenzschutz“, erzählt Mahnsen. 1978 absolvierte der gebürtige Dithmarscher, der bis heute in Hillgroven nahe Eidersperrwerk lebt, seinen Wehrdienst. Dort machte er eine Sanitäterausbildung und war als solcher tätig. In seinem anschließenden Beruf als Strandleitung kommen ihm diese Erfahrungen zu Gute. „Die meisten von uns haben mindestens zwei Berufe“, so Mahnsen über sein mit ihm achtköpfiges Team, das hauptamtlich für alles rund um den Strand zuständig ist. So ergänze man sich wunderbar. Es gebe immer Dinge zu reparieren, bauen oder planen.

In den 30 Jahren, in denen Hannes Mahnsen schon am Strand arbeitet, hat er einiges erlebt. „Ein Highlight war natürlich der Dreh der Serie Gegen den Wind. Nachdem der Pilotfilm ausgestrahlt worden ist, haben sich plötzlich nur noch Rettungsschwimmerinnen beworben“, erinnert sich Mahnsen und lacht. „Das geht natürlich nicht, aber die Frauen flogen damals total auf Ralf Bauer und Hardy Krüger.“

Neben allen technischen Fragen ist der 61-Jährige auch für die Saisonkräfte zuständig, die zusätzlich zu den Festangestellten im Sommer dazu kommen. Rettungsschwimmer, Strandkorbvermieter, Kassierer – sie alle müssen bei Mahnsen vorstellig werden, wenn sie den Job wollen. Kein Wunder, dass bei dem Strandmeister pausenlos das Handy klingelt. Doch das wichtigste, so Mahnesen, sei sein Funkgerät. „Ohne das fühle ich mich nackt.“

Aber auch die diversen Erste-Hilfe-Fälle, die Mahnsen in seiner langen Dienstzeit erlebt hat, haben ihn geprägt. „Man freut sich unglaublich, wenn man die Person in der Brandung findet und sie noch am Leben ist.“ Besonders schlimm sei es, wenn Kinder verloren gehen. Mahnsen, selbst Vater einer 21-jährigen Tochter, hat bisher aber jedes Kind wiedergefunden. „Zum Glück, aber bei solchen Fällen habe ich immer ein ganz mulmiges Gefühl“.

Einmal, da sei sogar ein Flugzeug in die Nordsee abgestürzt. „Die hatten zu wenig Sprit“. Dann seien sie mit Booten raus, um die Insassen zu suchen. „Man konnte nichts sehen bei der Brandung, aber am Ende konnten alle gerettet werden“.

Während Hannes Mahnsen seine Geschichten erzählt, schaukelt der blaue Jeep über den Sandstrand, sein Revier. „Moin Otto“, ruft er dem Kassierer an der Strandübefahrt zu. Mahnsen kennt hier jeden seiner Leute. In der Saison sind jedes Jahr rund 20 Leute im Einsatz.

Und wie lange will er das alles noch machen? „Ich war noch nicht bei der Rentenberatung, aber meine 45 Jahre habe ich schon voll“, verrät er. So lange die Arbeit noch Spaß macht, sehe er keinen Grund, aufzuhören.

Doch eine Sache, die kann der Strandchef an „seinem Strand“ nicht genießen: seine Freizeit. „Zum Baden fahre ich woanders hin, hier kann ich nicht abschalten, bin sofort in Alarmstellung.“

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