Unfall bei Immenstedt : Jetzt ist der Gutachter am Zug

An der Unfallstelle: Trauernde haben für die Opfer Kerzen aufgestellt.
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An der Unfallstelle: Trauernde haben für die Opfer Kerzen aufgestellt.

Nach dem tödlichen Verkehrsunfall auf der B 200 forscht die Polizei nach den Ursachen.

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10. Januar 2018, 07:00 Uhr

Es war einer der schwersten Unfälle der vergangenen Jahre. Doch was die genaue Ursache angeht, da tappen die Ermittler noch weitestgehend im Dunkeln: Am Montagabend prallte auf der Bundesstraße 200 zwischen Husum und Viöl ein Auto frontal mit einem Bücherbus zusammen. Dabei starben zwei Menschen, zwei weitere wurden schwer verletzt. Mehr als 80 Feuerwehrleute, Polizisten und Sanitäter waren im Einsatz. Die Rettungs- und Bergungsarbeiten dauerten mehrere Stunden an (wir berichteten).

Das Unglück ereignete sich gegen 18.10 Uhr. Zwei Männer fuhren in einem BMW von Husum in Richtung Viöl. In Höhe Immenstedt-Bahnhof geriet der Wagen in den Gegenverkehr und kollidierte dort mit dem entgegenkommenden Bücherbus. Der 29 Jahre alte Fahrer des Pkw und sein 30-jähriger Beifahrer wurden bei dem Unfall getötet. Die beiden 55 und 60 Jahre alten Männer aus dem Bus wurden schwer verletzt und in Krankenhäuser eingeliefert. „Ihre Verletzungen sind nach unseren Informationen aber nicht lebensbedrohlich“, erklärte Christian Kartheus von der Polizeidirektion Flensburg auf Anfrage unserer Zeitung.

Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft sei zur Klärung der Unfallursache ein Sachverständiger hinzugezogen worden. „Es gibt noch keine neuen Erkenntnisse, und es dauert in der Regel auch eine Weile bis man etwas genaues sagen kann“, so Kartheus. Der BMW sei vermutlich in einer langgezogenen Rechtskurve auf die Gegenfahrbahn und ungebremst unter den Bus geraten. Der Wagen sei nach dem Aufprall rund 50 Meter unter dem Bus verkeilt vorwärts geschoben worden, berichtete der Sachverständige Hark Brockstedt am Montagabend.

Über die Gründe, warum der BMW auf die Gegenfahrbahn geriet, möchte auch Kreiswehrführer Christian Albertsen nicht spekulieren. Er war ebenfalls vor Ort und musste nach dem Einsatz, der gegen 22.15 Uhr endete, noch einen leicht verletzten Feuerwehr-Kollegen ins Krankenhaus fahren.

Den Rettungskräften bot sich an der Unfallstelle ein grauenvolles Bild. Überall lagen Trümmerteile „und wir wussten schon sehr schnell, dass wir es mit Toten zu tun haben“, macht der Kreiswehrführer deutlich. So war auch bald nach der Alarmierung Notfall-Seelsorger Jens Augustin zur Stelle. „Das sind Bilder, die sich in dein Gehirn einbrennen können“, erklärt Albertsen. „Bei uns gilt das Motto: Wenn nach drei Tagen etwas nicht verarbeitet ist und die Bilder ständig vor deinen Augen wieder auftauchen, brauchst du professionelle Hilfe.“ Der 51-Jährige, seit 16 Jahren Kreiswehrführer und seit 1985 aktiver Feuerwehrmann, kann sich noch gut daran erinnern, wie er zu seinem ersten schweren Unfall gerufen wurde. Er sei damals 21 Jahre alt gewesen, als ein VW-Bus der Bundeswehr mit einem Meierei-Tankwagen zusammenstieß. Auch hier gab es zwei Tote. „Meine Mutter sagte noch lange danach, immer wenn die Sirene ertönte: ‚Hoffentlich ist es kein Unfall‘.“ Als Albertsen sie dann fragte, warum, habe sie geantwortet: „Ich werde deinen Gesichtsausdruck nie vergessen, mit dem du noch Tage nach dem Einsatz herumgelaufen bist.“


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