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Aufbruchstimmung an der Eider-Treene-Schule : Jetzt geht es an die Feinplanung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Gemeinschaftsschule in Tönning bereitet sich auf ihre Oberstufe vor. Mindestens 50 Schüler müssen sich für den ersten Jahrgang anmelden. Der Schulverband Eiderstedt, Träger des Gymnasiums in St. Peter-Ording, denkt dagegen über eine Klage nach.

Telse Schreiber strahlt. Die Direktorin der Tönninger Gemeinschaftsschule ist hocherfreut über die Nachricht, dass in ihrem Haus vom kommenden Schuljahr an eine Oberstufe eingerichtet werden darf. „Immer wieder haben mich die Kinder gefragt, wann sie denn das Abitur in Tönning machen können.“ In neun Jahren werden die Kinder in Tönning demnächst zur Hochschulreife geführt, genau wie am Nordseegymnasium in St. Peter-Ording. Dessen Verantwortliche sind über die Entwicklung nicht glücklich und denken über eine Klage nach.

Am Mittwoch hatte das Bildungsministerium die Genehmigung erteilt (wir berichteten). Die Stadt als Schulträger hatte dies im vergangenen Jahr beantragt. Es hatte in der Stadtvertretung eine knappe Mehrheit von einer Stimme von SPD, SSW und einem AWT-Vertreter gegeben. Die CDU hatte sich mit Hinweis auf Kosten und die Zukunft des Nordseegymnasiums in St. Peter-Ording dagegen ausgesprochen. Das ganze soll nun drei Jahre getestet werden. „Sie ist damit die erste Gemeinschaftsschule in Nordfriesland und Dithmarschen, die das Abitur anbietet, und die 40. in ganz Schleswig-Holstein“, sagte Telse Schreiber im Pressegespräch.

Auch Bürgermeister Frank Haß und Bürgervorsteher Stefan Runge sind sehr zufrieden. Als SPD-Stadtvertreter hatte Runge den Antrag maßgeblich vorangetrieben. „Die Motivation, Abitur zu machen, ist doch jetzt viel größer für viele Schüler, als wenn sie wechseln müssten“, sagte Haß. Bei vielen scheiterte der Wechsel auch, weil die Eltern das Geld für die Schülerbeförderung nicht aufbringen können. Auch sei der Zeitaufwand nicht unerheblich: Auf eine Stunde im Zug pro Tag kämen die Schüler, egal, ob sie in St. Peter-Ording oder in Husum das Gymnasium besuchten. Das bleibe ihnen nun erspart. „Das Abitur darf kein Privileg sein, darf nicht von Herkunft und Geldbeutel abhängen“, beschrieb Runge als SPD-Vertreter die Motivation für das Projekt. Das habe sich die SPD auf die Fahnen geschrieben. Er sei stolz, dass das Regierungsprogramm nun in Tönning umgesetzt werde. Für die Stadt bedeute es eine Attraktivitäts-Steigerung, ergänzte Haß. Das sei wichtig in Zeiten des demografischen Wandels, um neue Bürger und damit auch Kaufkraft zu binden.

Nun geht es in die heiße Phase der Planungen. 50 Schüler sind pro Jahrgang Oberstufe vorgeschrieben. Die Schule ist zuversichtlich, diese zu gewinnen – aus Eiderstedt, Friedrichstadt und dem nördlichen Dithmarschen. Bis Ende Februar können sie sich anmelden. Es werde ein sprachliches und ein naturwissenschaftliches Profil geben, so Telse Schreiber. Zusätzliche Lehrkräfte seien selbstverständlich. Da die Gemeinschaftsschule frisch modernisiert ist, gibt es genügend Räume, wie Haß versichert. Es müsse während der dreijährigen Testphase nicht investiert werden. „Außerdem haben wir mit dem Grundstück des ehemaligen Altenheims in der Wolliner Straße noch eine Ausbaureserve, wenn wir dann die endgültige Genehmigung erhalten.“ An der Schulbusbeförderung von Friedrichstadt und Norderdithmarschen werde gearbeitet.

Dass die Eider-Treene-Schule nun eine Konkurrenz für das Nordseegymnasium bedeutet und dieses sogar gefährden könnte, sehen die Verantwortlichen in der Eider-Stadt nicht. In all den Jahren sei nur eine Handvoll Schüler nach St. Peter-Ording abgegeben worden. Der Schulverband Eiderstedt sieht das anders. 120 Kinder aus Tönning, Kotzenbüll und Kating besuchen das Nordseegymnasium, das derzeit 537 Schüler hat. „Aufgrund der vorliegenden Schülerzahlen, der Entwicklung und den klaren Stellungnahmen des Schulverbandes Eiderstedt und des Kreises Nordfriesland waren wir, gelinde gesagt, überrascht über die Entscheidung des Ministeriums“, sagt Verbandsvorsteher Rainer Balsmeier. „Wir können sie in keinster Weise nachvollziehen.“ Nordseegymnasium und -Internat würden ihre sehr gute Arbeit fortsetzen, hätten aber große Bedenken, dass sich die erteilte Genehmigung mittelfristig negativ auswirkt. Das vorhandene komplette Bildungsangebot in St. Peter-Ording sei bis heute ein Entscheidungsmerkmal für die Niederlassung von Fachkräften gewesen. „Ich werde als Schulverbandsvorsteher die Erfolgsaussichten einer Klage gegen die erteilte Genehmigung prüfen und dann mit den Gremien das weitere Vorgehen beraten“, kündigt Balsmeier an.

 

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erstellt am 31.Jan.2014 | 07:00 Uhr

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