Tönninger Ostereiermarkt : Jedes Ei ein Unikat

Auf den Spuren ihrer nordrumänischen Vorfahren: Meriel (re.) und Sonia werden von ihrer Mutter in die Kunst einer aufwendigen Batik- und Wachs-Technik eingeweiht.
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Auf den Spuren ihrer nordrumänischen Vorfahren: Meriel (re.) und Sonia werden von ihrer Mutter in die Kunst einer aufwendigen Batik- und Wachs-Technik eingeweiht.

Beim Ostereiermarkt in Tönning bieten mehr als 50 Aussteller kleine Kunstwerke auf zerbrechlicher Schale an.

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31. März 2017, 07:00 Uhr

Wenn die Liebhaber österlicher Eierkunst am 1. und 2. April zum Ostereiermarkt ins Tönninger Packhaus kommen, dürfen sie auf zwei neue und noch sehr junge Gesichter gespannt sein. Meriel (9) und Sonia (7) aus Sollwitt möchten den Besuchern zeigen, was sie erst seit kurzem von ihrer Mutter lernen: Maria Popescu-Thomsen, eine langjährige und erfahrene Ausstellerin, weiht ihre Töchter derzeit in die Kunst jener aufwendigen Batik- und Wachs-Technik ein, die in ihrer nordrumänischen Heimat traditionell von Generation zu Generation weitergegeben wird. Dabei werden die fragilen Eierschalen mit heißem Wachs verziert und mit Hilfe mehrerer Arbeitsschritte und diverser Farbbäder in edle Kunstwerke verwandelt.

Zu gerne hätten die Mädchen das sogenannte „Eier-Beschreiben“ schon viel früher gelernt. Doch sie mussten erst alt genug sein, um konzentriert und mit ruhigen Händen arbeiten zu können – ohne sich ständig die Finger zu verbrennen. Nun endlich gab die Mama ihrem Drängen nach. Schritt für Schritt zeigt sie den Mädchen, was ihr selbst einst Mutter und Großmutter beigebracht haben. Zuhause üben sie seit einigen Tagen, das flüssige Wachs mit einer feinen Spitze aufzunehmen und tröpfchenweise oder in feinen Linien auf die Schale zu bringen. Noch dürfen die Mädchen dabei ihrer Fantasie freien Lauf lassen, doch schon bald möchte Maria sie auch mit den traditionellen Mustern ihrer Vorfahren vertraut machen, die häufig einen Bezug zur orthodoxen Kirche haben. Da die Formen und Farben über Jahrzehnte hinweg immer wieder abgewandelt, ergänzt und verfeinert werden, ist nach wie vor jedes Ei ein echtes Unikat.

Ob die Kinder das Talent ihrer Mutter geerbt haben? „Das wird sich zeigen“, meint Maria Popescu-Thomsen und staunt nicht schlecht, als ihre jüngere Tochter schon nach den ersten Versuchen ganz professionell feine Linien aufeinander zulaufen lässt, die ein interessantes Muster ergeben. „Toll machst Du das“, lobt sie, während Meriel gezeigt haben möchte, wie sie ihr verstopftes „Schreibgerät“ mit einem Draht vom überschüssigen Wachs befreien kann. Dass es auch darauf ankommt, die Utensilien pfleglich zu behandeln und sie niemals einfach so aus der Hand zu legen, nur weil gerade etwas anderes lockt, ist etwas, was ihre Töchter noch verinnerlichen müssen.

Noch sind die kindlichen Kunstwerke nur bedingt verkaufsfähig, deshalb haben die Mädchen für den Ostereiermarkt zusätzlich ein paar andere schöne Dinge gebastelt. Die möchten sie im Packhaus verkaufen, um ihr Taschengeld ein wenig aufzubessern. Ihre Mutter fände es schön, wenn Meriel oder Sonia oder vielleicht auch beide eines Tages in ihre künstlerischen Fußstapfen treten möchten – wobei man mit diesem Begriff gerade bei der Ei-Kunst wohl etwas vorsichtig sein sollte.

Der Ostereiermarkt ist am ersten Aprilwochenende (an beiden Tagen von 10 bis 17 Uhr) geöffnet. Mehr als 50 Aussteller bieten ungewöhnliche und erlesene Kostbarkeiten auf zerbrechlicher Schale an. Die beliebte Hasenschule wird ebenso zu sehen sein wie alte und neue Techniken, ausgefräste und gelöcherte Eier, Scherenschnitte und vieles mehr. Während der Rundgänge können es sich die Besucher bei Kaffee und Kuchen gut gehen lassen, denn die Frauen vom „Runden Tisch“ bieten wieder leckere Torten an. Vorher oder nachher lohnt sich ein Spaziergang durch das Hafenstädtchen – alleine der historische Brunnen auf dem Marktplatz, den Tönninger Kinder mit 2100 bemalten Eiern reich verziert haben, ist eine echte Sehenswürdigkeit.

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