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Zuhause in der Theaterwelt : „Jeder Mensch ist ein Schauspieler“

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Anne-Dore Jensen und Manfred Knizia teilen eine Leidenschaft: das Theaterspiel. Sie gehört seit 40 und er seit 25 Jahren zur Niederdeutschen Bühne in Husum.

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erstellt am 28.Jan.2016 | 14:00 Uhr

Sie sind ein eingespieltes Paar, wenn es um eine große Leidenschaft geht: das Theaterspiel in ihrer Lieblingssprache Plattdeutsch. Anne-Dore Jensen (73) und Manfred Knizia (74) halten seit Jahrzehnten dem Ensemble der Niederdeutschen Bühne die Treue – sie seit 40 und er seit 25 Jahren.

Während Anne-Dore Jensen nach wie vor begeistert als Laienspielerin Rollen einstudiert, hatte sich Manfred Knizia vor zehn Jahren entschieden, die Arbeit vor mit der hinter den Kulissen zu tauschen: Er ist seitdem der Regisseur der in Husum und im Umland bekannten und überaus beliebten Laienspielgruppe. Für seinen neuen Job besuchte der Husumer sogar spezielle Lehrgänge in Regie beim Niederdeutschen Bühnenbund.

Aufgewachsen in Ostenfeld lernte Manfred Knizia Plattdeutsch in seinem Heimatdorf und bei der Verwandschaft auf Nordstrand. Zur Bühne ist er durch einen Bekannten gekommen. Als Beamter der Bundesstelle musste der Nordfriese früher im Schichtdienst arbeiten, sodass er in den Anfängen mit zu denen gehörte, die nicht immer mitspielen konnten. Die gelernte Friseurin Anne-Dore Jensen stammt ursprünglich aus Großenwiehe – ihren Wohnort Husum liebt sie, wie sie sagt. „Das Platt in Großenwiehe ist anders als das Husumer. Aber das ist kein Problem.“ In ihrer Kinderzeit war es der Vater, der mit der Tochter Plattdeutsch sprach – mit der Mutter wurde Hochdeutsch kommuniziert.

Rund 20 Mitglieder – darunter drei Bühnenbauer – gehören zur Niederdeutschen Bühne Husum. Nein, Schwierigkeiten, Nachwuchs zu gewinnen, habe man nicht, erklärt Manfred Knizia. Deshalb sind verschiedene Generationen in der Gruppe vertreten, was für ihn bei der Auswahl neuer Stücke durchaus hilfreich ist. Zwei Verlage gibt es, bei denen er fündig werden kann. Im Gegensatz zum Profi-Theater muss bei einer Laienspielgruppe aber auch das richtige Leben – konkret die Berufstätigkeit von Darstellern – berücksichtigt werden. Deshalb hat der Regisseur zuallererst zu wissen: „Wer will und kann mitspielen?“

Neue Laienspielerinnen und -spieler muss der Regisseur am Anfang jedoch öfter vertrösten. „Nicht jeder kommt bei uns sofort auf die Bühne.“ Bei diesem Hobby dürfte aber schon das Beobachten der „alten Hasen“ ein guter Einstieg sein – Talent und Lust bringen ohnehin alle mit. „Jeder Mensch ist ein Schauspieler“, findet Anne-Dore Jensen. Doch genauso wichtig sei Disziplin, betont sie. „Jeder muss zu den Proben seinen Text beherrschen und wissen, wie er sich bewegen soll. Wir wollen doch gut sein.“ Da es bei den Proben und auch bei der Generalprobe immer nochmal den einen oder anderen Hänger gibt, ist für alle ein ruhiger und entspannter Regisseur wie Manfred Knizia Gold wert. Eines ist dem 74-Jährigen ganz wichtig: „Keine scharfe Kritik vor versammelter Mannschaft.“ Fester Proben-Sitz der Niederdeutschen Bühne ist ein Haus beim Porrenkoog.

Anne-Dore Jensen gehört zu den Ausnahmen – sie musste nicht abwarten: Denn als sich die damals 33-Jährige bei der Niederdeutschen Bühne vorstellte, bekam sie gleich die Hauptrolle in „Mudder steiht ehr’n Mann“. Schmunzelnd meint die Husumerin beim Rückblick auf ihre Rollen: „Ich war noch nie ein junges Mädchen – und einen Liebhaber habe ich auch nicht gehabt.“

Die erste Rolle, die Manfred Knizia vor 25 Jahren übernahm, war die eines Reporters. Als er noch auf der Bühne mitwirkte, lernte er seine Texte überall auswendig – „sogar beim Fernsehen“. „Ich habe im Geiste die Szenen durchgespielt.“ Anne-Dore Jensen hat das Glück, dass sie ein fotografisches Gedächtnis besitzt. Sie spricht sich ihre Passagen oft vor – selbst bei Fahrradtouren, die sie gern und oft unternimmt. „Die Leute denken bestimmt, was führt die denn für Selbstgespräche.  .  .“

Für Kostüme und Bühnenausstattung haben die Niederdeutschen mittlerweile einen Fundus – wenn etwas fehlt, wird natürlich auch Zuhause gesucht oder bei Angehörigen und Freunden nachgefragt. Ist etwas Wichtiges partout nicht aufzutreiben, geht es auf Einkaufstour. Schließlich soll alles authentisch sein.  .  .

Bleibt noch das Thema „Lampenfieber“ – und dass dies eines ist, bestätigt Anne-Dore Jensen: „Am Tag einer Vorstellung ist mit mir vorher nicht viel anzufangen – ich schaue immer wieder ins Textbuch.“

Das aktuelle Stück ist eine Komödie in drei Akten von Hans Gnat (Plattdeutsch von Arthur Speck) mit dem Titel „Politik un Föhrerschien“. Anne-Dore Jensen spielt die Schwiegermutter des Bürgermeisters Krischan Bruns, der kurz vor dem Wahlkampf als Alkoholsünder am Steuer erwischt wird.  .  . Weiter auf der Bühne sind zu erleben: Roswitha Hansen, Peter Fock, Stefanie Bleeck, Reiner Rathmann, Dirk Carstensen, Marion Starken, Klaus Heinrich Deckmann und Hans Joachim Kellner. Zu den unsichtbaren guten Geistern zählen die Souffleuse Maren Peters sowie die Bühnenbauer Manfred Petersen, Karl-Heinz Knorn und Hans Reimer Petersen. „Wir leben in einer so schwierigen Zeit, da tut es gut, zu lachen“, meinen Anne-Dore Jensen und Manfred Knizia. Solange es geht, werden sie ihrer Bühne die Treue halten. Versprochen!

Vorstellungen im Husumhus

Die Niederdeutsche Bühne präsentiert „Politik un Föhrerschien“ im Husumhus: am Sonnabend, 13. Februar, von 20 Uhr an, am Sonntag 14. Februar, von 15 Uhr an, am Sonnabend, 27. Februar, von 15 Uhr an, am Sonntag, 28. Februar, von 15 Uhr an und (letzte Vorstellung) am Sonntag, 6. März, von 20 Uhr an – mit Ehrung von Anne-Dore Jensen und Manfred Knizia. Für alle Vorstellungen gibt es Karten in der „Schloßbuchhandlung“ im Schlossgang 10 oder an der Abendkasse.

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