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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2017 | 10:47 Uhr

„Jeder hat einen Hang zum Messie“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bildungsreferentin des Landfrauen-Landesverbands beleuchtete und Formen der Sammelkrankheit

von
erstellt am 06.Feb.2015 | 19:51 Uhr

Wer an Messies denkt, der hat meist verdreckte Wohnungen vor Augen – Wohnungen, in denen Menschen auf dem Boden schlafen, weil ihr Bett mit Müll übersät ist. Doch so simpel ist das nicht. Dass Menschen nicht von null auf hundert zu Messies werden, machte Ninette Lüneberg in einem spannenden und launigen Vortrag deutlich. Eingeladen hatte der Vorstand des Landfrauenvereins Nordstrand. Gut 40 Damen kamen in das Feuerwehrgerätehaus. Das Thema der Referentin, die seit drei Jahren für den Landfrauen-Landesverband als Bildungsreferentin arbeitet, hieß „Messies und andere Müllbewohner“. Die aus Südkorea stammende Frau machte zu Beginn klar, dass sie keine strenge wissenschaftliche Abhandlung vorstellen werde, sondern alles durchaus mit einem Augenzwinkern betrachte, dabei aber nicht den Ernst der Sache vergesse. Der Begriff Messie, erläuterte sie, leite sich vom englischen Begriff „mess“ ab, was für Unordnung oder Chaos stehe.

Allein in Deutschland gebe es rund zwei Millionen Messies, die in regionalen Selbsthilfegruppen Unterstützung erhalten. Doch das sind nur die offiziellen Zahlen. Die Dunkelziffer dürfte, so Lüneberg, bei zehn Millionen liegen. In den USA sind es sogar 33 Millionen Messies, also zwölf Prozent der Bevölkerung. Fast alle Messies hätten eine lange Leidenszeit hinter sich, bevor sie sich offenbaren. Zum Krankheitsbild gehöre, dass die Betroffenen nur sehr ungern Besucher in ihre Wohnung ließen. Wer glaube, einen Messie am schlampigen Äußeren erkennen zu können, der liege meist falsch. Sie seien häufig sehr kreativ, beruflich erfolgreich. Es sei keine Frage des Alters und auch nicht einer bestimmten sozialen Schicht festzumachen. Zudem werde die Krankheit unterschieden zwischen angeboren oder durch ein kritisches Ereignis – wie Tod, Geburt oder Trennung – erzeugt. Eigentlich aber habe fast jeder einen Hang zum Messie, so Lüneberg schmunzelnd, wie etwa ausgeprägte Sammelleidenschaften. Wer alles aufbewahrt, ein schlechtes Zeitgefühl hat oder ein zwanghaftes Kaufverhalten, zeigt bereits Strukturen.

Frauen sind eine Risikogruppe. Dabei denke sie an ausufernde Schuh- oder Handtaschen-Sammlungen oder volle Kleiderschränke, von deren Inhalten man tatsächlich höchstens 20 Prozent nutze. Unterscheiden müsse man auch zwischen Sammlern und Aufbewahrern. Briefmarken, Fotoalben oder Handtaschen messen Sammler einen großen Wert bei. Sie würden sich alles regelmäßig anschauen oder es nutzen. Aufbewahrer hingegen lagerten die Dinge nur. „Wer sich jetzt angesprochen fühlt, sollte sich noch heute an das Entrümpeln machen und es nicht verschieben. Weniger ist eben mehr“, so der Aufruf der Referentin. Rigoroses Wegwerfen bringe zudem einen tollen Nebeneffekt mit sich: „Dabei wird das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet. Man fühlt sich richtig gut“, so die Referentin. Es werde ja auch noch Zeit gespart, weil anschließend weniger gesucht werden müsse und es gebe mehr Raum.

Befreiter leben: „Vielleicht gibt es ja sogar Menschen, die sich über alte Zeitungen und verstaubte Teddys freuen. Geben Sie einfach alles weiter oder verkaufen sie es auf dem Flohmarkt“, so Ninette Lüneberg. In der anschließenden gemütlichen Kaffeerunde gab es reichlich Gesprächsstoff. „Der Vortrag hat mich richtig motiviert, und zum Entrümpeln ist ja nun die beste Zeit, wo es auf das Frühjahr zugeht“, so das Fazit der Vereins-Vorsitzenden, Brigitte Nadolny.











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