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Bredstedt : „Jeder Geflüchtete hat sein Schicksal“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

40 Besucher tauschen sich beim Begegnungsfest in Bredstedt aus und erzählen ihre Erlebnisse.

Zwei Stunden durchatmen und abschalten in der Gemeinschaft – das kann der Syrer Hani im Moment gut. Er fühlt sich wohl, wie alle anderen auch, in der Runde der gut 40 Geflüchteten. Sie haben sich auf Einladung der hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter vom Team Integration beim Amt Mittleres Nordfriesland sowie der Pastoren Wiltraud und Peter Schuchardt zum vierten Begegnungsfest im Gemeindehaus der Kirchengemeinde St. Nikolai eingefunden. Mit von der Partie sind auch die diesjährigen Konfirmanden. Sie reichen die mitgebrachten Speisen und Getränke herum und packen mit an, wo Hilfe nötig ist.

Jeder der erschienenen Migranten hat seine eigene Geschichte zu erzählen. Hani wünscht sich nichts sehnlicher, als seine Frau und drei Kinder wieder in die Arme zu schließen. Täglich schaut er sich die Fotos auf seinem Smartphone an. Seit Monaten sitzen sie in Venezuela fest. Dort herrscht Bürgerkrieg. Ungültige Papiere sollen Schuld sein an dem Ausreisestopp. Diverse Versuche der Familienzusammenführung seitens der Ausländerbehörde sind bisher fehlgeschlagen.

„Ja, jeder Geflüchtete hat sein Schicksal“, weiß Derya Schaarschmidt, Flüchtlingsbetreuerin beim Amt Mittleres Nordfriesland. Wo von Seiten des Amtes geholfen werden könne, werde es getan. Doch in manchen Fällen seien leider die Hände gebunden. Froh ist sie, dass sich gut 50 Ehrenamtler um die derzeit etwa 380 Menschen in und rund um Bredstedt, vorwiegend aus Syrien und Afghanistan kommend, kümmern. Zu den Helfern gehört auch Barbara Ingwersen. Einmal mehr hat sie Kaffee gekocht und für das stimmige Drumherum gesorgt. Es mache ihr Spaß, mit den Menschen umzugehen. „Sie brauchen Zuwendung und ein gutes Wort“, erklärt die Ehrenamtlerin, die die Spendenkammer leitet und auch im vor wenigen Wochen gegründeten Café „Mittendrin“ ihre Aufgaben hat. Sieben Mitstreiter, so berichtet Ulla Biber, pensionierte Realschullehrerin, würden sich um Deutschunterricht kümmern, denn das sei die Basis überhaupt. Die meisten würden schnell lernen, die Kinder sowieso und wenn sie in Schule und Kindergarten integriert sind, würden auch bald die ersten Kontakte zu deutschen Kindern und Familien geknüpft. „Die Menschen wollen lernen, und es macht Spaß mit ihnen zu arbeiten“, sagt Biber.

Auch die Freiwilligen Ingrid Paulsen und Petra Volquardsen haben sich unter’s Volk gemischt. Für beide ist Flüchtlingshilfe längst zur Herzenssache geworden. Man brauche sich nur noch einmal an die Not der Nachkriegszeit und die vielen in die Region geflüchteten Menschen aus dem Osten Deutschlands erinnern. Daher gelte für sie: Niemand fliehe einfach so. Nächstenliebe sei mehr als Pflichtprogramm und Integration eine Chance für alle. Schon einige Familien hätten sie begleitet und unterstützt. Von viel Leid hätten sie erfahren.

„Das Schlimmste ist immer, wenn Kinder und Frauen unter den Kriegen leiden müssen. Viele kommen hier in Deutschland traumatisiert und manchmal auch verletzt an“, so Petra Volquardsen. Sie habe aber noch nie erlebt, dass irgendjemand „den Kopf in den Sand stecke“. Jeder lasse sich gern auf seine Weise helfen.

Einer in der Runde ist Zakir Ahmadi aus Afghanistan. Der 23-jährige Junggeselle flüchtete vor den Kriegsereignissen und hat sich durchgebissen. „Ich habe mich über die Türkei, Griechenland, Italien nach Deutschland durchgeschlagen. Zeitweise war ich mit vielen anderen auf einem Schlauchboot zusammengepfercht. Wir hatten Glück, sind in Italien gelandet und irgendwann in Deutschland“, erzählt er in lupenreinem Deutsch, das er sich hauptsächlich autodidaktisch beigebracht hat sowie in Kursen. Gerade vor wenigen Tagen hat er seine Gesellenprüfung als Maler und Lackierer im Bredstedter Malerbetrieb Asmussen bei Wolfgang Denß abgeschlossen – und das als Innungsbester in diesem Jahr. „Ich bin auch übernommen worden“, freut sich Zakir. Anfangs sei die Lehre hart gewesen, und er habe sogar abbrechen wollen. Aber nun mache ihm der Job Spaß. Froh ist er, dass es seiner Familie in der fernen Heimat gut geht. Zurück will er nicht mehr. Er fühle sich wohl in Bredstedt. Vielen Mitstreitern habe er durch Dolmetschen helfen können.

Schnell sind zwei Stunden Begegnung miteinander vorbeigegangen. „Diese Feste sind wichtig für uns alle. Sie dienen dem Gedankenaustausch, aber auch der Stärkung. Hier wird Nächstenliebe von Jesus vorgelebt, praktisch sichtbar“, so Pastorin Wiltraud Schuchardt dazu. Diese tatkräftig auszuüben und damit den Migranten eine Hilfe zu sein, ist auch der Tenor im vorangegangenen Gottesdienst gewesen.



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