Reußenköge : Jazz trifft Literatur

In Aktion: Das Duo „Zweigang“ mit Martin Sanders (li.), Gerd Beliaeff (re.) und dem Bredstedter Peter Froese.
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In Aktion: Das Duo „Zweigang“ mit Martin Sanders (li.), Gerd Beliaeff (re.) und dem Bredstedter Peter Froese.

Mehr als 100 Gäste genießen einen besonderen literarisch-musikalischen Abend im Amsinck-Haus.

shz.de von
06. September 2018, 16:56 Uhr

„Es war alles stimmig. Jazz und Literatur passen hervorragend zusammen.“ So lautete nicht nur das Resümee von Urlaubsgast Ingo Wöhlck aus Hamburg. Beschwingt und heiter verließen die 100 Gäste nach einem ganz besonderen literarisch-musikalischen Abend den ansonsten unspektakulären Ort des Geschehens, den ausgeräumten Fahrradschuppen des Amsinck-Hauses. Doch er wurde für mehr als zwei Stunden lang zu einem Konzertsaal, in dem auch die Akkustik stimmte.

Einmal mehr hatte das ehrenamtliche Team des Hauses unter der Leitung von Hannelore Rabe und Anke Dethlefsen mit ihrem kulturellen Angebot, diesmal unter dem Motto „Literatur trifft Jazz“, ins Schwarze getroffen. Keine geringeren als der Schauspieler, Regisseur, Sprecher und Professor für Schauspiel, Hans-Peter Bögel, sowie das Jazz-Duo Zweigang, das in Fachkreisen als „kleinste Bigband der Welt“ gehandelt wird, mit den bekannten Husumer Musikern Gerd Beliaeff (Posaune, Saxophon) und Martin Sanders (Gitarre), waren zu Gast. Die wiederum hatten als Verstärkung Peter Froese mit Mundharmonika und unverkennbarer Reibeisen-Stimme mitgebracht.

„Jazz ist Weltmusik, und so gehe ich mit Ihnen auf eine literarische Reise, frei nach Arthur Schnitzlers Worten: Es ist ein Spiel, was sollt’es anders sein?“, kündigte Bögel an. Zuvor hatte das Duo mit der Eigenkomposition „City Night“ auf das was kommen sollte eingestimmt. Die für ihre musikalische Intuition und lebendige Improvisation bekannten Vollblutmusiker gingen völlig darin auf. Diesmal spielten sie vorwiegend „meditativen Jazz“ – alle Stücke aus eigener Feder. Sie hätten nicht passender sein können zu den Beiträgen des hochkarätigen Sprechers. Bei „Running and Hiding“ und „Blue Water“, die sie zusammen mit Froese spielten, wandelten sie sich kurzfristig in eine Blues-Band. Egal, ob Gesprochenes aus heiteren oder besinnlichen Geschichten, Gedichten der Prosa oder Lyrik: Wäre eine Stecknadel zu Boden gefallen, jeder hätte sie gehört: Alle lauschten wie gebannt den Beiträgen und geizten nicht mit Applaus.

Auch Hans-Peter Bögel war in seinem Element. Er schlug mit seiner sonoren Stimme und mit Bedacht gewählten Betonungen einen großen literarischen Bogen mit Ausschnitten aus Werken von Christian Morgenstern, Stefan Zweig, Erich Kästner, Heinrich Heine oder Mascha Kaléko bis hin zu Theodor Storm. Die zum Nachdenken anregende Anekdote von Heinrich Böll mit dem Titel „Senkung der Arbeitsmoral“ machte deutlich, dass der Mensch auch ohne große Karriere und einem prall gefüllten Bankkonto glücklich und zufrieden leben kann. Zu einem „Nordfriesland-Überflug“ lud er ein, als er Ausschnitte aus dem gleichnamigen Buch des auf Eiderstedt lebenden Autors Uwe Herms las, der es verstand, die Sicht eines Sportflugzeugpiloten auf die schöne Landschaft sehr bildhaft zu beschreiben.

Überhaupt lag an diesem Abend eine besondere Stimmung in der Luft. Sehr nahe an der Natur konnten die Besucher die Darbietungen genießen. Manchmal blökte ein Schaf vom nahen Deich herüber. Der laue Sommerabend, ein wenig aber schon herbstlich angehaucht, die würzige Luft und die kulinarischen Appetithäppchen, die Freiwillige zubereitet hatten, sorgte für ein Rundum-Wohlfühl-Ambiente. Am Ende bestaunte wohl jeder den freien Blick auf den Sternenhimmel. „Ich habe den Abend sehr genossen“, erklärte Manuela Hansen aus Bredstedt.

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