Kein Auftaktkonzert im TSBW : Jazz-Baltica künftig ohne Husum

Das Bild vom Auftaktkonzert des Jazz-Baltica-Ensembles im TSBW gehört der Vergangenheit an.
Das Bild vom Auftaktkonzert des Jazz-Baltica-Ensembles im TSBW gehört der Vergangenheit an.

Nils Landgren ist enttäuscht: Der Leiter des Theodor-Schäfer-Berufbildungswerks will im Freizeithaus andere Schwerpunkte setzen - das Auftaktkonzert findet nicht mehr in Husum statt.

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21. März 2017, 14:00 Uhr

Mehr als 13.000 Besucher folgten im vergangenen Jahr dem Ruf „Komm mit ans Meer“ – und feierten die fünfte Ausgabe von Jazz-Baltica in Timmendorfer Strand-Niendorf. Längst hat sich der Schwerpunkt des Festivals in den Ostseeraum verschoben. Doch an einer Tradition wurde festgehalten, seit das Festival vor 26 Jahren an den Start ging: Das Auftaktkonzert fand – nicht zuletzt auf besonderen Wunsch des Kieler Kultusministeriums – immer an der Westküste statt: im Freizeithaus des Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerks (TSBW). Doch damit soll jetzt Schluss sein – und ob es jemals wieder ein Jazz-Baltica-Konzert im TSBW geben wird, ist ungewiss.

Eine überraschende Entscheidung – auch für die Festival-Organisatoren Christian Kuhnt, Jazz-Baltica-Vorstandsvorsitzender und Intendant des Schleswig-Holstein Musikfestivals, sowie den künstlerischen Leiter des Festivals, Nils Landgren. Dessen ungeachtet warb Einrichtungsleiter Hans-Jürgen Vollrath-Naumann auch bei ihnen um Verständnis: „Wir hätten das niemals machen dürfen“, wiederholt der TSBW-Chef seine Argumente gegenüber unserer Zeitung. „Solche Konzerte gehören nicht zu unserem Kerngeschäft. Wir sind kein Privat-Unternehmen und erhalten Beiträge von der Bundesagentur für Arbeit.“ Deshalb sei es nur recht und billig, mit diesem Geld nicht Jazz-Konzerte, sondern Essen, Trinken, Ferienfreizeiten und neue Maschinen zu finanzieren. Vor diesem Hintergrund werde das Freizeithaus gerade vom Kopf auf die Füße gestellt. „Wir werden hier künftig Dinge machen, die weniger das Zahnarzt-Ehepaar als junge Leute ansprechen – unsere jungen Leute“, sagt Vollrath-Naumann. Der Zeitpunkt scheint günstig, weil der langjährige Leiter des Freizeithauses, Helmut Haack, in den Ruhestand geht. Das Haus bleibe offen, verspricht der TSBW-Chef, aber „vor allem für junge Leute und nicht mehr so sehr für die kulturelle Elite“.

Diese Entscheidung solle vergangene Schwerpunktsetzungen keineswegs schmälern, bekräftigt Vollrath-Naumann. „Aber alles hat seine Zeit.“ Und in den 1970er Jahren, als das TSBW mit seiner Kulturarbeit begann und die Dixiland-Hall zum Türöffner der Einrichtung für die Öffentlichkeit wurde, „war das auch alles richtig. Heute müsse man allerdings niemanden mehr davon überzeugen, dass auch Rollstuhlfahrer nette Kerle und leistungsfähige Menschen seien. „Und wer weiß schon, was in weiteren zehn Jahren ist“, sinniert Vollrath-Naumann. „Vielleicht wird das Freizeithaus gar nicht mehr gebraucht, weil junge Leute dann nur noch in den sozialen Netzwerken unterwegs sind.“

„Wir sind dankbar für die vielen einzigartigen Konzerte und die tolle Partnerschaft, die wir mit Jazz-Baltica in Husum erleben durften“, kommentiert Intendant Christian Kuhnt den Ausstieg des TSBW. Er bedauere, dass diese Tradition nicht mehr fortgeführt werde, habe aber Verständnis für Vollrath-Naumanns Entscheidung. „Mit dem ,Upptakt‘ in Timmendorfer Strand ist eine fantastische Alternative gefunden worden, auf die wir uns sehr freuen“, so Kuhnt.

Auch Nils Langren bedauert die Entscheidung. „Sehr sogar“, sagt der künstlerische Leiter des Festivals. „Ich habe mich jedes Jahr auf Husum gefreut, aber wenn Schluss ist, dann ist eben Schluss.“ Überlegungen für eine alternative Spielstätte in Husum gebe es derzeit nicht, so Landgren. Dessen ungeachtet würdigte er das Jahrzehnte lange Engagement von Christian Stöhrmann und Helmut Haack: „Was diese beiden für den Jazz und für Husum geleistet haben, wird man wohl leider erst verstehen, wenn es vorbei ist.“


Am Freitag, 24. März, ab 11 Uhr wird Nils Landgren im Maritim-Seehotel Timmendorfer Strand das Programm der diesjährigen Folk-Baltica vorstellen.

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