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Husumer Stadtbibliothek : Jahrzehnte zwischen Büchern

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Leben voller Veränderungen im Beruf: Die langjährige Leiterin der Husumer Stadtbibliothek, Auguste Carstensen-Lenz, geht in den Ruhestand.

32 Jahre lang leitete Auguste Carstensen-Lenz die Stadtbibliothek. Davor lebte und arbeitete die heute 64-Jährige bereits als Bibliothekarin in Göttingen. Bücher waren und sind ihr Leben. Doch nun sagt die gebürtige Haselunderin Tschüss – nicht ohne Wehmut und voller Tatendrang.

Waren Sie schon als Kind eine Leseratte?

Carstensen-Lenz: Ja, natürlich. In meiner Volksschule gab es eine Bücherei. Da waren alle wesentlichen Kinder- und Jugendbücher zu finden – von den unvermeidlichen Indianer-Geschichten bis hin zu Astrid Lindgren. Und ich habe sie natürlich alle gelesen.

Aber muss man das Hobby gleich zum Beruf machen?

Na, ganz so war es ja auch nicht. Nach der Schule habe ich zunächst eine Gärtnerlehre gemacht. Aber dann bin ich doch wieder zur Schule und schließlich in Mölln aufs Wirtschaftsgymnasium gegangen. Dort habe ich mich in der Bibliothek mit Büchern eingedeckt. Da war ein sehr engagierter Bibliothekar, der auf alle einzugehen verstand. Das wollte ich auch gern machen. Also nahm ich in Göttingen mein Studium zur Bibliothekarin auf. Das war über weite Strecken viel trockener, als ich mir das vorgestellt hatte, weil wir mit Katalogkunde und Bibliographieren zu tun hatten.

Und heute? Würden Sie sich heute noch einmal für den Beruf entscheiden?

Ja, gerade auch wegen der vielen Veränderungen. Dieser Beruf bleibt immer interessant.

Was hat sich verändert, seit Sie angefangen haben? Was waren die wichtigsten Herausforderungen?

Ganz sicher die Digitalisierung. Die Einführung der EDV 1997 und später dann der Online-Datenbanken. Bis 1980 passten unsere Jahresberichte auf ein Blatt Papier. Heute wäre es ausgedruckt ein Stapel von zwei Zentimetern. Aber früher haben wir die Ausleihkarten eben auch noch von Hand abgerissen und dann nach Sachgebieten sortiert.

Und der Umzug von der Berufsschule ins Nissenhaus?

Das war absolut der richtige Schritt. Es gab ja noch andere Varianten, aber das Nissenhaus war die Goldrandlösung. Wir hatten vor allem Platzprobleme. Und die wurden gelöst. Hier konnten wir ab 2005 Lesungen veranstalten und Schulklassen einladen. So etwas war davor immer mit Riesenaufstand verbunden.

Was lesen Sie am liebsten?

Historisches und moderne Literatur. Wenn ich mich entspannen möchte, greife ich zu Arto Paasilinna und Wladimir Kaminer. Das ist übrigens ein eigentümliches Phänomen: Wenn auf einem Buch Humor draufsteht, wird es gern genommen, wenn Satire drauf steht, nicht. Max Goldt lese ich ebenfalls gern, aber auch Sachbücher, besonders, wenn sie unterhaltsam geschrieben sind.

Wie hat sich das Konsumverhalten der Bibliotheksbesucher verändert?

Inzwischen besteht gut ein Fünftel unseres Bestandes nicht mehr aus gedruckten Medien. Als ich anfing, gab es nur Bücher und Zeitschriften. Das verändert sich massiv. Bis zum vergangenen Jahr haben wir noch viele DVDs und Musik-CDs verliehen. Das ist heute nicht mehr so. Heute holt man sich das aus dem Netz oder aus unserer Onleihe.

Würden Sie sagen, dass das Buch noch immer einen Zukunftschance hat?

Auf jeden Fall. Das Angebot ist bei der Belletristik ja eher größer geworden. Verlierer der Digitalisierung sind vor allem Buchhandlungen und Leser.

Also eine echte Zukunft – nicht nur Nostalgie?

Nein, es gibt heute tolle Angebote auch und gerade für Kinder. Und klasse Autoren, die Kinder sehr ernst nehmen. Aber auch viele Angebote, die der Vermittlung und Förderung der Lesekultur dienen – von den Kinder- und Jugendbuchwochen bis hin zum Ferienleseclub.

Auch die Bücherei hat inzwischen einen Förderverein. Geht es nicht mehr ohne?

Ich fürchte, ja. Man braucht Unterstützer, die helfen, neue Projekte zu testen und den Grundgedanken der Bibliothek hinaus zu tragen.

Und was kommt nun – nach dem aktiven Berufsleben?

Ich bleibe in Husum, möchte aber gern reisen und mir Zeit für all die Dinge nehmen, die zu kurz kamen.

Ist Ihre Nachfolge geregelt?

Das wird Susanne Luther-Feddersen übernehmen. Sie hat hier in den 1990er Jahren schon mal gearbeitet und ist seit fünf Jahren wieder bei uns. Susanne ist übrigens wie ich Nordfriesin.

Gibt es etwas, dass sie vermissen werden, wenn Sie nicht mehr jeden Tag herkommen?

Sicher die vielen Kontakte, die ich dann nicht mehr automatisch haben werde. Wir waren und sind ja immer auch Anlaufstelle für Menschen, die nach Husum ziehen – und natürlich die spannenden fachlichen Begegnungen. Solche Anregungen braucht man, um sie weitergeben zu können.

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erstellt am 04.Dez.2016 | 12:00 Uhr

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