Nordfriesland : Internet für alle – nur eine Vision?

Flickenteppich:  Die Karte zeigt den tatsächlichen Anschlussgrad in Nordfriesland, doch das schnelle Glasfaserkabel liegt bereits in deutlich mehr Gemeinden. Die Bürger verweigern sich dort aber dem weiteren Ausbau und behindern damit auch gewerbliche Nutzer.
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Flickenteppich: Die Karte zeigt den tatsächlichen Anschlussgrad in Nordfriesland, doch das schnelle Glasfaserkabel liegt bereits in deutlich mehr Gemeinden. Die Bürger verweigern sich dort aber dem weiteren Ausbau und behindern damit auch gewerbliche Nutzer.

In weiten Teilen Nordfrieslands lahmt das Internet noch immer. Teilweise sind die Probleme aber hausgemacht, warnen Experten.

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05. Februar 2018, 12:00 Uhr

Die Marktferne ist und bleibt eines der bedeutendsten Dilemma der nordfriesischen Wirtschaft. Während die geografische Lage hingenommen werden muss, kritisieren die Unternehmer aber, dass die zwei wichtigsten Verbindungen zur Außenwelt einfach nicht in die Lage versetzt werden, den für ihre Geschäfte notwendigen Verkehr aufzunehmen: die B 5 und das Internet. Die spannende Frage ist, wo sich die Staus schneller auflösen werden. Etliche Firmen haben sich für ihre Projekte schnelle Anschlüsse zur Datenautobahn legen lassen. Andere beklagen, dass das in ihren Regionen nach wie vor gar nicht möglich ist.

Als Mindeststandard gilt zurzeit eine Übertragungsgeschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). Doch Thomas Holst von der IT-Firma BT Nord in Husum warnt: Jeder aktuelle Standard sei bei seiner erfolgreichen Installation bereits wieder überholt. Er erinnert sich, dass vor vielen Jahren auf der Computermesse Cebit in Hannover bereits Anwendungen etwa in der Telemedizin präsentiert wurden, über die jetzt erst debattiert werde und mit dem jetzigen Netzausbau gar nicht bewältigt werden könnten. Die Technik werde also auf Dauer hinter den notwendigen Erfordernissen hinterherhinken. Thomas Holst hat sich für sein Unternehmen 100 Mbit/s sichern können, unter anderem, weil es im sehr gut versorgten Husumer Gewerbegebiet Ost angesiedelt ist. Als Mitglied im Aufsichtsrat der Bürgerbreitbandgesellschaft hat er aber auch einen Blick für die Versorgung aller anderen Unternehmen und der Bürger in ihren Gemeinden. Aus jener Perspektive betrachtet, wundert er sich über zwei Punkte: Erstens versteht Thomas Holst nicht, warum das Interesse in manchen Gemeinden nicht groß genug ist, um einen Baubeginn auch rentabel werden zu lassen. Jedes Nein eines Anwohners behindert aus seiner Sicht die Verbesserung der Infrastruktur und damit den Fortschritt in den Firmen am Ort. Thomas Holst befürchtet überdies, dass in manchen Gemeinden letztlich aus einem Konflikt der Generationen heraus der Weiterbau blockiert werde. Senioren würden aus ihrer persönlichen Sicht in ihrem Leben das Internet nicht mehr für nötig halten, übersehen aber, dass sie nicht einmal mehr mit ihren Enkeln in anderen Teilen der Republik sich per Videotelefonie (Skype oder andere Anwendungen) unterhalten können. Und sie müssten in Kauf nehmen, dass ihre Immobilie von der nächsten Generation nicht mehr nachgefragt werde. Die verlange nämlich dann „mit Sicherheit nach einem Haus mit Glasfaseranschluss.“

Zweitens wundert er sich immer wieder, wie Wettbewerber, die sich öffentlich dem Ausbau im ländlichen Raum widersetzen, prompt zur Stelle sind, wenn die Bürgerbreitbandgesellschaft in Dörfern mit der Vermarktung beginnt.

Im Gewerbegebiet Ost müssten die sich fast über die Füße gelaufen sein. Dabei böten Wettbewerber ihr unter Fachleuten umstrittenes Vectoring (Aufpeppen) ihres Kupferkabelnetzes an. Ole Singelmann als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Bürgerbreitbandgesellschaft in Husum fällt da ein klares Urteil zu Gunsten des Glasfasernetzes: „Nur damit ist nahezu ausgeschlossen, dass es zu Leistungseinbußen durch verstärkte Nutzung kommt.“

Er und IT-Experte Thomas Holst warnen davor, sich als Alternative auf das aktuelle Mobilfunknetz LTE zu verlassen. Mit jedem neu auf der Antenne angemeldeten Nutzer sinke für alle die Übertragungsgeschwindigkeit.

Fazit: Der Wettbewerb zwischen Anbietern verzögert den Ausbau ebenso wie das Desinteresse in manchen Gemeinden – oft zu Lasten von Nachbardörfern und Firmen.

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