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Isgaard im Interview : Intensive Musik ohne Maske und Verkleidung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Sängerin Isgaard ist in Nordfriesland geboren, aufgewachsen und kehrt immer wieder in ihre Heimat zurück – jetzt ist ihre neue CD erschienen.

In Husum geboren, in Niebüll zur Schule gegangen, in Langenhorn aufgewachsen und jetzt immer wieder bei ihren Eltern in St.Peter-Ording – die Sängerin Isgaard ist zwar gleich nach dem Abitur nach München gezogen und einige Jahre später nach Hamburg, um Gesang zu studieren, findet aber immer wieder den Weg in ihre Heimat.

Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Ich habe in meiner Kindheit oft Nachmittage lang nur in meinem Zimmer gesessen und Musik gehört. Ich konnte eigentlich jede meiner Platten auswendig. Als ich das erste Mal Kate Bush im Radio hörte, deren Stimme ich eins zu eins imitieren konnte, war für mich klar, dass ich Sängerin werden wollte. Mit 13 oder 14 Jahren bin ich dann in einen kleinen Chor gegangen, geleitet von unserem Dorforganisten – damals für mich die einzige Möglichkeit in der Öffentlichkeit zu singen. Bands, Musiker waren in meiner Jugend in Langenhorn eher rar. Weiterhin haben mich die Musical-Platten (My fair Lady oder West-Side-Story) meiner Eltern inspiriert, denn auch hier habe ich mich stimmlich wiedererkannt.

Haben Sie musikalische Vorbilder? Wer und was hat Sie geprägt?

Am stärksten geprägt haben mich sicherlich Kate Bush und Maria Callas, aber auch heute wird meine Musik noch durch andere Künstler, die mich begeistern, geprägt. Beispiele dafür sind Tori Amos, Peter Gabriel, Loreena McKennitt oder Björk.

Für wen machen Sie Musik?

Für die Antwort muss ich ein bisschen zurückgehen, denn der Wunsch, Musik zu machen entspringt bei den meisten ernsthaften Musikern ja der Begeisterung für andere Künstler und andere Musik und man hat keine Vision davon, für wen man das tut. Man macht also quasi Musik für sich selbst, von innen heraus und irgendwann kann man feststellen, man macht Musik für seine Fans, aber das ist ein Sekundäreffekt.

Ihre Stimme ist einzigartig, ihre Musik besonders. Wann haben Sie Ihren Stil für sich entdeckt oder gab es einen Entdecker?

Oh, vielen Dank für die Blumen. Ich arbeite schon seit dem Jahr 2001 mit meinem Produzenten und Musiker Jens Lueck zusammen. Mit meinem dritten Album „Wooden Houses“ (2008) hat quasi der „rote Faden", der sich bis heute durch meine Alben zieht, begonnen. Es ist uns beiden sehr wichtig, zu experimentieren, verschiedene Einflüsse zu integrieren und musikalische Geschichten zu erzählen.

Wie entstehen Ihre Songs? Die Basis der meisten Songs kommt von Jens Lueck. Er komponiert eigentlich überall, wo er seine Ruhe hat – auch unter der Dusche oder beim Autofahren. Es kommt aber auch vor, dass er morgens um 6 Uhr als erstes zum Computer stürzt, um eine Idee festzuhalten, mit der er aufgewacht ist. Ich komponiere am liebsten beim Autofahren und singe die Ideen direkt auf mein Diktiergerät und seit geraumer Zeit auf mein Handy. Ausgearbeitet wird dann alles im Studio.

Heutzutage melden sich Gesangstalente ja nicht selten bei Casting-Shows an und hoffen auf den Durchbruch. Was halten sie davon?

Gar nichts! Das macht die Musiklandschaft kaputt und vermittelt Jugendlichen wie Konsumenten ein völlig falsches Bild. Musiker sein bedeutet scheinbar nur das Singen irgendwelcher Cover-Versionen, aber wo sind die Bands dahinter, die Instrumentalisten, wo ist ein eigener Song? Meine damaligen Vorbilder sind ganz andere Wege gegangen, standen in dunklen Übungsräumen und haben sich die Finger wundgeübt.

Apropos Entdecker. Das Telefon klingelt. Am anderen Ende ist Dieter Bohlen. Er fragt Sie, ob Sie neben ihm in der Jury für Deutschland-sucht-den-Superstar sitzen würden. Was sagen Sie ihm?
Ich würde ablehnen, es sei denn, man würde das Konzept völlig umkrempeln. So, wie DSDS oder ähnliche Formate heute sind, werden junge Menschen „verheizt". Sie werden finanziell ausgebeutet, machen ein oder zwei Alben und bekommen danach kein Bein an Land. Aber das erzählt ihnen vorher keiner.

Vor etwas mehr als zehn Jahren veröffentlichten Sie Ihr Debüt-Album „Golden Key“ und nahmen mit der gleichnamigen Single-Auskopplung an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest teil. In den vergangenen Tagen ist mit „Naked“ ihr fünftes Album. Worin unterscheiden sich die Alben?

,Golden Key‘ war noch stark vom Einfluss meiner damaligen Plattenfirma geprägt. Danach sind wir eigene Wege gegangen und hatten jede nur erdenkliche künstlerische Freiheit. ,Naked‘ ist ein Album, hinter dem ich voll und ganz stehe. Ohne jeden Kompromiss.

Wieso der Titel „Naked“?

Es gibt zwei grundlegende Komponenten. Die eine ist das „Sich-schutzlos-Fühlen“ und die Machtlosigkeit in Situationen, in denen man denkt: Wie konnte es so weit kommen? Damit meine ich vor allem globale Dinge, wie die Skrupellosigkeit mancher Machthaber, die Unterdrückung vieler Menschen, aber auch das ohnmächtige Zusehen, wie profitorientierte Unternehmen unsere Welt zerstören. Die Andere ist die psychologische Ebene in der Beziehung zwischen Menschen: Wenn du wirklich jemanden erreichen möchtest, jemanden berühren, mit jemandem intensiv kommunizieren möchtest, dann geht das nur, wenn du alle ,Masken‘ und ,Verkleidungen‘ fallen lässt, wenn du quasi ,nackt‘ bist.

Worin liegt die Stärke ihrer neuen CD?

Das Album lebt von einer großen stilistischen Bandbreite und klingt trotzdem wie eine Einheit. Pop, Weltmusik-Elemente, rockige Gitarren-Passagen und klassische Streicher verbinden sich zu einem sehr emotionalen Klanggeflecht.

Haben Sie ein Lieblingslied?

Mein derzeitiger Lieblingssong ist „Choni“, ein Stück über die Kinder in Bhutan. Das kann aber in einem halben Jahr schon wieder ganz anders aussehen.

Wie sehen die nächsten Wochen aus? Ist eine Tour geplant?

Ich bin mit dem Promoten des Albums beschäftigt. Eine Tour wird es leider nicht geben, weil es finanziell zu aufwendig ist, dieses Projekt auf der Bühne zu realisieren. Eine Rockband passt perfekt in einen Club und gibt auf einer Bühne einfach Gas. Für mein Projekt muss eine Umsetzung her, die die Emotionen der Musik transportiert. Man müsste mit einem technisch hochwertigen Einsatz von Licht und Bühnenbild arbeiten. Es ist ja keine Musik zum Tanzen und Party-Machen.

Ihre nächsten Projekte?

Wir planen für den Winter 2014/2015 wieder eine Tour mit der Island-/Isgaard Film-/Music-Show, mit der wir schon mehrere Jahre unterwegs sind. Weiterhin arbeiten wir auch an einer neuen Livepräsentation, die dann noch etwas Isgaard-lastiger wäre als die Island-Show.

Schaut man auf Homepage so ist dort ein Hinweis auf den Westküstenpark zu finden, der von Ihren Eltern geführt wird? Sind Sie oft dort?

Ich bin relativ häufig im Westküstenpark, da ich meinen Eltern oft helfe, zum Beispiel wenn Parkevents anstehen oder es um werbetechnische Geschichten geht.

Gibt es jemanden mit dem Sie gerne mal zusammenarbeiten möchten?

Ich würde gerne mal eine Nummer mit Bono, dem Frontmann von U2, aufnehmen. Mit meinem Produzenten bin ich eigentlich ganz zufrieden (lacht). Ich bin sehr verwöhnt, wenn es um strukturiertes, schnelles und effizientes Arbeiten im Studio geht – das habe ich mit anderen Produzenten leider auch des Öfteren anders erlebt. Die Zusammenarbeit mit einem Trevor Horn oder Daniel Lanois würde ich natürlich nicht unbedingt ablehnen (lacht).

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erstellt am 27.Mai.2014 | 18:00 Uhr

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