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Vorzeige-Projekt in Sachen Inklusion : Integration im doppelten Sinne

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Gewinn für alle: Die Evangelische Kindertagesstätte St. Peter-Ording beschäftigt auch eine Mitarbeiterin mit körperlicher Beeinträchtigung.

Für Sandra Rubbel erfüllte sich vor etwas mehr als zwei Jahren ein Herzenswunsch: Sie fand einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz – bei der Evangelischen Kindertagesstätte St. Peter-Ording. Für sie ein Glücksfall. Denn seit ihrer Kindheit lebt die heute 27-Jährige mit mehrfacher Beeinträchtigung, ist auf den Rollstuhl angewiesen. In Niebüll aufgewachsen, leistete sie – mit dem Realschulabschluss in der Tasche – 2007 im Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk in Husum ein Berufsvorbereitendes Jahr ab. Nach zwei anschließenden Jahren an der Berufsfachschule in Niebüll, mit Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin, gab es 2010 für sie keinen entsprechenden Arbeitsplatz – aufgrund ihrer körperlichen Beeinträchtigungen. So strebte sie, darauf aufbauend, die Erzieherausbildung an.

Mit Hilfe von Enke Jappsen vom Integrationsfachdienst Flensburg und Nordfriesland (IFD) – die Diplom-Sozialarbeiterin und -pädagogin ist für den IFD Südtondern in Niebüll tätig – konnte 2013 endlich mit dem Kirchenkreis Nordfriesland ein Arbeitgeber gefunden werden, der bei der Besetzung einer sozialversicherungspflichtigen Stelle körperliche Beeinträchtigungen nicht als Ausschlusskriterium heranzieht. Zum Kirchenkreis gehört das Evangelische Kindertagesstättenwerk, in dem Inklusion an der Tagesordnung ist. Dessen Geschäftsführer Christian Kohnke nahm die Sache in die Hand – und dafür zuständigkeitshalber die Kita in St. Peter-Ording in den Fokus. In der größten Einrichtung dieser Art auf dem nordfriesischen Festland werden U    3-, Kindergarten- und Hortkinder in Halbtags-, aber auch in Ganztagesgruppen betreut. Der Hort ist heute in einem Trakt der ehemaligen Realschule in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kindergarten untergebracht. Die Schule ist zwischen 1998 und 2005 von der Gemeinde umfangreich renoviert und behindertengerecht mit Toiletten – auch für Lehrkräfte – und einem Fahrstuhl ausgestattet worden. Nur an einer Stelle gibt es eine Barriere: dort, wo es vom Fahrstuhl-Flur zum Hort geht. Doch das konnte eigentlich kein Hinderungsgrund sein – dazu kannte Kohnke den Geist, der in der von Brigitte Ranft-Ziniel geleiteten Kita in Sachen Inklusion herrscht, zu gut.

Mittlerweile konnte Sandra Rubbel am 1. März bereits auf zwei Jahre sozialversicherungspflichtige Tätigkeit in ihrem Beruf als sozialpädagogische Assistentin im Hort der evangelischen Kita der Gemeinden St. Peter-Ording, Tating und Tümlauer Koog zurückblicken – und zwar höchst zufrieden. „Dieser Arbeitgeber war anders davor“, erinnert sich Enke Jappsen. „Er hat Möglichkeiten gesehen für das, was geht – und das hat sich für alle Seiten ausgesprochen positiv entwickelt.“ Sandra Rubbel selbst drückt es so aus: „Ich freue mich jeden Tag, hier zu sein. Ich werde begrüßt, umarmt und die Kinder mögen mich.“

Kein Wunder, denn sie ist für die Kleinen da, und das spüren sie. Sie bastelt und malt mit ihnen, schart sie drinnen zu Gesellschaftsspielen um sich und ist mit ihnen auch draußen, wie zum Beispiel im Westküstenpark. Zu ihrem umfassenden Tätigkeitsfeld gehört auch, die Kinder bei den Hausaufgaben zu begleiten – mit dem Ziel, sie zu einer eigenständigen und eigenverantwortlichen Arbeitshaltung zu befähigen.

„Frau Rubbel ist im Hort voll akzeptiert“, stellt Brigitte Ranft-Ziniel fest: „Sie ist ganz normal präsent wie jede andere Mitarbeiterin oder jeder andere Mitarbeiter bei uns.“ Alle, wie sie da sind, empfinden der Kita-Leiterin zufolge auch ein bisschen Stolz, „dass wir zusammen geschafft haben, unsere Arbeit in Richtung Inklusion auch für Mitarbeiter zu öffnen und zu leben“.

Weil alle wollten, hat auch alles gepasst. Sandra Rubbel wurde übergangsmäßig in Ording ein ebenerdiges Appartement zur Verfügung gestellt, die notwendige Rampe umgehend geschaffen. Heute lebt sie in Garding in einer Zwei-Zimmer-Wohnung und pendelt mit dem eigenen Auto zu ihrem Arbeitsplatz. Mit Gehhilfen kann sie aus dem Wagen aussteigen und sich in ihren Rollstuhl setzen. Über den Fahrstuhl gelangt sie dann ins Obergeschoss der Kita und bewegt sich problemlos weiter in ihren Arbeitsraum. Sandra Rubbel ist mobil. Die scheinbaren Hürden von einst sind keine mehr.

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