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Flüchtlinge und der Arbeitsmarkt : Integration funktioniert über einen Job

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Stadt Husum hat eine Stelle geschaffen, um Flüchtlingen die ersten Schritte auf den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Ein umfassendes Informationsangebot wird aufgebaut.

Hilke Holthuis betritt im Auftrag der Stadt Neuland. Die Diplompädagogin hat zum Jahresbeginn die wichtige Aufgabe übernommen, ein umfassendes Informationsangebot für Flüchtlinge hinsichtlich des deutschen Arbeitsmarktes und bestehender Integrationsmaßnahmen aufzubauen. Finanziert wird diese Stelle aus den Geldern der sogenannten Integrationspauschale des Landes – von März an soll diese pro Flüchtling von 1000 auf 2000 Euro erhöht werden.

„Es ist mir wichtig, die Flüchtlinge frühzeitig kennenzulernen und mit ihnen die ersten Schritte zu erörtern“, erläutert Hilke Holthuis ihren Arbeitsauftrag. „Viele sind nur angelernte Kräfte – sie haben in ihrer Heimat in einem Geschäft oder einer Werkstatt gearbeitet“, weiß sie bereits. Hauptsächlich wird sie mit Männern zu tun haben, denn sie stellen die Mehrheit unter den Flüchtlingen.

Die Frage nach der Sprachkompetenz steht auf Platz eins – vor der nach beruflichen oder universitären Abschlüssen. Deren Anerkennung läuft über das IQ- (Integration durch Qualifizierung)-Netzwerk Schleswig-Holstein, das regelmäßig Beratungstermine beim Kreis Nordfriesland anbietet. Ein Nadelöhr bei der beruflichen Integration sei weiterhin die zu geringe Anzahl von Sprachkursen, erklärt Holthuis.

Neben den vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge angebotenen Integrationskursen mit 900 Unterrichtsstunden gibt es noch die „STAFF-Kurse“ (Starter-Paket für Flüchtlinge) des Landes mit 100 sowie die von der Bundesagentur für Arbeit angebotenen Grund-Schulungen mit 320 Unterrichtsstunden. Bis auf „STAFF“ stehen diese Sprachkurse aber nicht allen Flüchtlingen zur Verfügung: Während des Asylverfahrens sind beispielsweise nur diejenigen mit guter Bleibeperspektive, wie Syrer, Eritrer, Iraner und Iraker, für eine Teilnahme überhaupt berechtigt. Hilke Holthuis: „Es ist schade, dass viele keinen Sprachkursus bekommen. So gibt es zwei Klassen von Flüchtlingen.“

Die Fachfrau hilft auch ganz praktisch, indem sie Asylbewerberinnen und Asylbewerber zu potenziellen Arbeitgebern oder zur Arbeitsagentur begleitet. Zudem bietet Hilke Holthuis bereits eine regelmäßige Sprechstunde für ihre Klientel an – zu den Öffnungszeiten des Sozialzentrums (SZ) Husum und Umland mit Jobcenter. Denn sie verstärkt das SZ-Asyl-Team, zu dem inzwischen zehn Mitarbeitende gehören.

Hilke Holthuis ist bereits seit 2009 ihre Kollegin, denn sie war zuvor im Jobcenter für das Projekt „50 plus“ verantwortlich. Erfahrungen im Bereich Arbeitsvermittlung hat die Pädagogin auch in Hamburg gesammelt, wo sie zudem einige Zeit in einem Frauenkulturzentrum tätig gewesen war.

„Die beste Integration ist die über Arbeit“, betont Kirsten Hartmann, stellvertretende Leiterin des Sozialzentrums Husum und Umland. Grundsätzlich zuständig für die Beratung und Förderung von Flüchtlingen während des Asylverfahrens sei die Bundesagentur für Arbeit. „Doch wir offerieren ein zusätzliches Angebot. Denn viele wechseln nach positivem Abschluss des Asylverfahrens in den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters, das ebenfalls im Rathaus seine Räumlichkeiten hat. Die von Hilke Holthuis gewonnenen Daten können so an die zuständigen Arbeitsvermittlerinnen und Arbeitsvermittler im Jobcenter weitergegeben werden. So verlieren wir keine wertvolle Zeit im Integrationsprozess.“

Als Fortschritt bewerten sowohl Hartmann als auch Holthuis die „erleichterten Möglichkeiten der beruflichen Integration für Flüchtlinge durch gesetzliche Änderungen vom November 2014“.

Hiervon profitieren insbesondere Hochschulabsolventinnen und -absolventen in Berufen, in denen es einen Engpass gibt – und ebenso Fachkräfte, die eine anerkannte Ausbildung für einen solchen Job besitzen, beziehungsweise an einer Maßnahme für die Berufsanerkennung teilnehmen. Um welche „Engpass-Berufe“ es im Einzelnen geht, ist auf einer umfangreichen „Positivliste“ der Bundesagentur für Arbeit zusammengestellt.

Als „große Hürde“ bezeichnen die beiden Fachfrauen die sogenannte Vorrang-Prüfung der Bundesagentur für Arbeit – „bevorrechtigte“ Arbeitslose wie Deutsche oder Ausländer mit unbeschränkter Erlaubnis zur Erwerbstätigkeit müssen sich danach zuerst bewerben. Dies erschwere eine „unkomplizierte und frühzeitige Integration“ für Flüchtlinge in den ersten Monaten ihres Aufenthalts weiterhin. Gleiches gelte für die eingeschränkten Möglichkeiten für Langzeitpraktika. „Hier gibt es noch erheblichen gesetzlichen Änderungsbedarf.“

Hinter den etwa 400 Asylbewerber-Fällen, die über das Sozialzentrum Husum und Umland (Ämter Nordsee-Treene und Viöl) betreut werden, verbergen sich rund 700 Menschen. Kirsten Hartmann: „Da nach positivem Abschluss ihres Verfahrens viele Flüchtlinge auf Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II angewiesen sind, erwarten wir in 2016 einen Anstieg der Fallzahlen im Jobcenter. Zwar haben die Erfahrungen gezeigt, dass einige auch zu Verwandten in andere Bundesländer ziehen. Aber insbesondere Familien sehen ihre Chancen in Husum und dem umliegenden ländlichen Raum. Umso wichtiger ist es, dass wir ihnen frühzeitig berufliche Perspektiven bieten. Hierfür ist die Arbeit von Hilke Holthuis ein unerlässlicher Baustein.“

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erstellt am 12.Feb.2016 | 07:00 Uhr

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