zur Navigation springen

Mobile Beratung für Flüchtlinge : Integration durch Arbeit

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein mobiles Beratungsteam der Arbeitsagentur machte Station in Husum. Im Rathaus wurden erste Profile von Flüchtlingen aufgenommen.

Sie sind als Arbeitskräfte für übermorgen gefragt: Asylsuchende. Arbeitgeber zeigen sich offen, Flüchtlingen eine Chance in ihrem Betrieb zu geben, auch wenn diese vielleicht länger eingearbeitet werden müssen. Dies ist die Erfahrung von André Teubler von der Arbeitsagentur in Husum. Lutz Martensen, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Nordfriesland-Süd, bestätigt diese Haltung: Viele Handwerker seien bereit, Plätze für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. „Wir beschäftigen uns sehr mit diesem Thema. Mit Vertretern einiger Mitgliedsbetriebe haben wir Deutschklassen für Asylsuchende in der Beruflichen Schule besucht. Wir versuchen von Anfang an mit im Boot zu sein.“

Damit sich Arbeitnehmer und ihre neuen Chefs überhaupt finden können, schickt die Agentur für Arbeit tageweise mobile Teams in einzelne Orte, um dort Informationsveranstaltungen für Flüchtlinge mit einer guten Bleibeperspektive anzubieten. Im Fokus stehen dabei Syrer, Iraker, Iraner und Eritraer. Christian Groborsch, Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Flensburg, erklärte, dass sich die fünf Kolleginnen und Kollegen auch durch Sprachkenntnisse, unter anderem in Englisch, Arabisch, Persisch, Kurdisch und Französisch auszeichnen.

Jetzt stand Husum im Terminkalender der Beraterinnen und Berater. Von 9 Uhr an gab es im Ratssaal für rund 40, über das Sozialzentrum eingeladene Asylsuchende auf Englisch und Arabisch zunächst allgemeine Informationen zur Arbeitsvermittlung in der neuen Heimat. Rund 80 Prozent der Flüchtlinge im Saal waren Männer zwischen 25 und 30 Jahren. Da sie unter das Sozialgesetzbuch II fallen, sind für sie in Nordfriesland die Jobcenter in den Sozialzentren zuständig. Für Husum und Umland ist dort eine neue Stelle geschaffen worden: Hilke Holthuis wird sich künftig darum kümmern, dass Asylsuchende eine Arbeit finden.

In anschließenden Einzelgesprächen ging es darum, ein erstes Profil zu erstellen. Antworten auf folgende Fragen wurden erbeten: Welche Schul- und Berufsausbildung und welche berufliche Erfahrung liegen vor? Sind Zeugnisse vorhanden, die dies belegen? Sind diese gültig oder müssen sie erst anerkannt werden? Gibt es deutsche Sprachkenntnisse? Diese Informationen wurden in einen englischen oder arabischen Fragebogen und in das Agentur-System eingepflegt.

André Teubler erläuterte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Integrationsarbeit der regionalen Arbeitsagenturen und Jobcenter auf diesen Profilen aufbauen könne. Steht dann fest, in welchen Bereichen Bildungsdefizite vorhanden sind, werden in Zusammenarbeit mit den Jobcentern Lehrgänge unter der Überschrift „Perspektive für Flüchtlinge“ gesucht oder organisiert. „Den Großteil machen Spracheinstiegskurse aus.“

Im Kreis Nordfriesland gibt es rund 300 Plätze für eine berufsbezogene Sprachförderung, von denen etwa 100 belegt sind. Bildungsträger sind unter anderem die Wirtschaftsakademie und Volkshochschulen.

Christian Groborsch unterstrich auf Nachfrage, dass die sogenannte Vorrangprüfung nicht aufgehoben sei. In der Praxis bedeutet dies, dass ermittelt werden muss, ob nicht deutsche oder europäische Bewerberinnen und Bewerber für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

Auch der Pressesprecher weiß von einer großen Nachfrage der Arbeitgeber, „denn Flüchtlinge sind grundsätzlich sehr motiviert“. Das berufliche Spektrum sei breit aufgestellt und reiche vom Handwerker – Bäcker, Maurer, Maler – über Gastronomie- und Hotelkräfte bis zum Akademiker und Ingenieur.

Teubler informierte, dass Asylsuchende mit einer entsprechenden Erlaubnis nach drei Monaten arbeiten dürften. Er stellte klar, dass auch für sie der Mindestlohn und tarifliche Bedingungen gelten. „Man muss sich darauf einlassen“, rät Teubler künftigen Arbeitgebern von Flüchtlingen zum Beispiel mit Blick auf sprachliche Barrieren zu Geduld. Und das Frauenbild sei in einigen Kulturen auch ein anderes – doch da gelte es wohl auf beiden Seiten dazuzulernen. „Alles in allem ist es spannend.“

zur Startseite

von
erstellt am 07.Dez.2015 | 17:56 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert