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Leidenschaft für die Nordsee : Inspiriert von der Weite der Landschaft

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Berliner Autor und Filmemacher Berndt Günther List hat Eiderstedt zu seiner zweiten Heimat auserkoren. Hier arbeitet er an seinen Romanen. Er liebt die Nordsee, den Wechsel der Gezeiten und den Wind von Kindesbeinen an.

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erstellt am 07.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Die Halbinsel Eiderstedt lockt seit jeher Künstler und Schriftsteller an. Die eigentümliche, unendlich weite Landschaft und das Meer inspirieren. Die große Sehnsucht nach Weite – die ist es auch, die den Schriftsteller Berndt Günther List nach Eiderstedt geführt hat. Der gebürtige Hamburger liebt die Weite der Landschaft, des Meeres und des Himmels. „Hier senkt sich Ruhe in die Seele“, sagt er. Und so hat er eine Bleibe in der Marsch gesucht und mitten auf Eiderstedt gefunden. Aus den Räumen kann er den Blick in die Ferne schweifen lassen.

Seine Liebe zur Nordsee und zur rauen Küstenlandschaft entwickelte sich in seiner Kindheit. Da er sehr krank war, wurde er zur Erholung nach Wyk auf Föhr geschickt. Dann verlebte List ein Jahr als Schüler im Internat auf der ostfriesischen Insel Spiekeroog. Als Erwachsener fuhr er immer wieder gern nach St. Peter-Ording. Und es muss die Nordsee sein: denn „ich liebe die Gezeiten, das Watt und den Wind“.

Seit einigen Jahren lebt der Autor und Filmemacher auf der Halbinsel. Als Kontrast zu der Ruhe und Abgeschiedenheit an der Nordsee genießt er bisweilen das Leben in Berlin mit dem großen kulturellen Angebot. Sein Hauptquartier ist aber Eiderstedt. „Entweder mittendrin in der Großstadt oder mitten im Nirgendwo.“ An der Halbinsel reizt Berndt Günther List die bunte Mischung aus Einheimischen und Zugezogenen.

Diesen Gegensatz nutzt er auch für seine Arbeit als Schriftsteller. Die Ideen für seine Bücher sammelt er in Berlin und auf seinen Reisen. Auf Eiderstedt arbeitet List dann an den Geschichten. „Hier habe ich die Ruhe, sie weiterzuentwickeln.“ Der dritte Roman „Der Vertrag“ ist mittlerweile erschienen. Im Mittelpunkt steht ein völlig normaler Mensch, der Finanzbeamte Thomas Kroll, dem schier Unglaubliches widerfährt. Er will einen alten Horch kaufen und unterschreibt dafür einen seltsamen Kaufvertrag. Statt Geld muss er zwei Jahre Erinnerungen für das Auto geben. Fortan ist alles anders, seine Ehefrau ist verschwunden, als er nach Hause kommt, seine Umgebung verändert sich. Nichts ist mehr, wie es war. „Ich weiß nicht mehr, woher ich die Idee zu diesem Buch hatte. Eines Tages fand ich unter meinen Notizen etwas, was ich irgendwann einmal aufgeschrieben hatte: Händler der verlorenen Zeit.“ List ist davon fasziniert und sinniert darüber: Wer ist der Händler? Was ist verlorene Zeit? Was passiert mit dem Menschen, der Zeit abgibt? Lists Ausgangspunkt ist die Theorie des Physikers Stephen Hawking über die unendliche Zahl von Paralleluniversen. Das Thema kommt an. List hat schon – wie auch für seine beiden anderen Werke – etliche gute Kritiken erhalten.

Zu seinem ersten Roman „Der Goldmacher“ hat ihn ein Besuch in Dresden kurz nach der Wende inspiriert. Dabei stieß er auf die faszinierende Lebensgeschichte des Alchemisten Johann Friedrich Böttger (1682-1719). Der knapp 20-Jährige behauptete, Gold machen zu können. Das wurde ihm zum Verhängnis. Sachsens König August der Starke nahm ihm beim Wort und sperrte ihn für den Rest seines Lebens ein. Um dem Galgen zu entkommen, entdeckt Böttger als erster Europäer das Geheimnis der Porzellanherstellung. Und zum zweitem Buch „Das Gold von Gotland“ regte List der Freibeuter Klaus Störtebecker an. „Dahinter muss doch mehr stecken als ein Saufkopf, dachte ich.“ Im Mittelpunkt steht aber ein junger Spanier, der einen Goldschatz sucht und es mit Störtebecker und seinen Vitalienbrüdern zu tun bekommt.

Mit der Gestaltung spannender Geschichten kennt sich List bestens aus. Er hat von 1967 bis 1970 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin studiert. Anschließend hat er viele Jahre für NDR und SFB Kinder- und Jugendfilme für den Bildungsbereich gedreht und seit Anfang der 1990er Jahre auch Filme für die Industrie. Er ist mit dem Bundesfilmpreis für Wirtschaftsfilme ausgezeichnet worden. Mit dem Bücher schreiben hat List 2002 angefangen. „Weil ich endlich etwas von Anfang bis Ende nach meinen Vorstellungen gestalten wollte, etwas, das auch so bleibt. Bei Drehbüchern reden immer viele andere mit.“ Darüber hinaus veröffentlicht er Artikel in der Zeitung „Die Welt“ – unter anderem über Andalusien, Zypern – und auch über Eiderstedt und seine Welt-Bürger beispielsweise.

Ob Eiderstedt einmal eine Rolle in seinen Büchern spielen wird? Das will List noch nicht verraten. Auf jeden Fall genießt er es, in der Weite der Landschaft seine Gedanken schweifen zu lassen.

 

 

 

 

 

 

 

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