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Preis für Husumer Kino-Center : „Ins Kino gehen – das ist etwas anderes“

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Husumer Kino-Center hat abermals den Kinopreis des Landes bekommen. Kulturministerin Anke Spoorendonk übergab die Auszeichnung. Zuletzt hatte Husum zweimal nacheinander den Hauptpreis erhalten.

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erstellt am 14.Jun.2017 | 16:00 Uhr

„Für den Hattrick hat es nicht ganz gereicht“, sagt Stephan Hartung schmunzelnd. Aber freuen können sich er und seine Frau Sylvia Marksteiner-Hartung auch über einen zweiten Platz. Und überhaupt: Seit der Kinopreis Schleswig-Holstein erstmals verliehen wurde, stehen die beiden Kino-Betreiber jedes Mal mit auf dem Treppchen. So auch 2016, für das jetzt die Preise verliehen wurden. Besonderheit diesmal: Hartungs konnten die Auszeichnung im eigenen Haus entgegennehmen. Es war die möglicherweise letzte Amtshandlung der scheidenden Kulturministerin Anke Spoorendonk. 3000 Euro gab es in der Kategorie der gewerblichen Lichtspielhäuser – und das nicht etwa für Ausstattung oder Besucherzahlen, sondern für den Inhalt, die Programmgestaltung im vergangenen Jahr. Insgesamt wurden 42.500 Euro an 22 Kinos vergeben – „als Beitrag des Landes für den Erhalt einer lebendigen Kinolandschaft und als Dankeschön für eine kulturell wertvolle Arbeit“, so Spoorendonk.

Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Hartung: Geld können wir immer gebrauchen, aber noch wichtiger ist die Wertschätzung für unsere inhaltliche Arbeit. Das gilt für die kleinen Häuser wahrscheinlich noch mehr. Hier zusammenzukommen und die Wertschätzung des Landes zu erfahren, das tut schon gut.

Marksteiner-Hartung: Und wir wissen ja: Wenn ein Kino erst einmal zumacht, dann kommt keines mehr.

Wissen Sie noch, wie oft Sie die Förderung schon erhalten haben?

Hartung: Seit seiner Einführung 2009 jedes Mal. Und zuletzt sogar zweimal den Hauptpreis.

Hat die Gründung der Filmklubs die Preiswürdigkeit des Kino-Centers noch einmal gesteigert?

Hartung: Von Begründungen ist man inzwischen abgerückt. Bei früheren Preisverleihungen hat das den Abend doch arg in die Länge gezogen. Aber es ist schon so, dass der Hauptpreis 2014 mit der Gründung des Filmklubs zusammenfiel.

Marksteiner-Hartung: Der Filmklub spielt ganz sicher eine Rolle, aber natürlich geht es auch im Gesamtprogramm um die Schwerpunkte: deutscher und europäischer Film, aber auch gesellschaftskritische Themenschwerpunkte. Auf diesem Gebiet sind wir schon sehr lange aktiv und arbeiten intensiv mit – ja – eigentlich allen bestehenden Einrichtungen in Husum und auf Kreisebene zusammen. Im Kino-Center werden ja nicht nur Filme gezeigt. Hier tauschen sich Menschen aus und diskutieren über die unterschiedlichsten Themen.

Was wird mit dem Preisgeld geschehen?

Hartung: (lacht) Ein Teil ist schon in die Veranstaltung zur Preisverleihung geflossen. Nein, im Ernst: Hier gibt es immer etwas zu tun. Hinten liegt eine neue Leinwand, in einem anderen Kino tauschen wir die Stühle aus, und auch die Toiletten sind mal wieder dran. Unmittelbar für Programmgestaltung wird das Geld nicht eingesetzt.

Wie wichtig sind solche Auszeichnungen in Zeiten des Streamings und Herunterladens aus dem Internet, die ja nicht ohne Auswirkung auf den Kino-Betrieb bleiben?

Hartung: Na, ich denke, die Leute, die sowieso nur vor ihren Computern hocken, werden davon nicht viel mitbekommen ...

Marksteiner-Hartung: In den kleinen Orten kommt die Botschaft aber schon noch an. Dennoch gilt: Sich aufzuraffen, um ins Kino zu gehen, ist etwas anderes, als bei Youtube reinzuschauen. Da verändert sich etwas.

Hartung: Und wenn sie doch ins Kino kommen, sitzen sie bis zum Vorstellungsbeginn nebeneinander und nesteln an ihren Smartphones herum.

Marksteiner-Hartung: Die Kommunikation wird ärmer. Aber ich bin mir sicher, dass es etwas anderes ist, einen Film in Gesellschaft anzuschauen, als allein vor dem Fernseher, im Smartphone oder Tablet. Auch dieses gemeinschaftliche Erleben ist ja Teil des Preises.

Hartung:  ...und an eines glauben wir fest: Es wird auch in Zukunft Kino geben.

Was halten Sie vom Vorschlag der Grünen, die Förderung auf neue Füße zu stellen, um sicherzustellen, dass auch die kleinen Betriebe im ländlichen Raum in den Genuss einer dann wirtschaftlichen Unterstützung kommen?

Hartung: Na, das können die ja jetzt selbst anleiern, wenn sie in der neuen Regierung sitzen...

Marksteiner-Hartung: Es ist schon schade, dass es in Tönning und Bredstedt keine Kinos mehr gibt. Und diejenigen, die solche kleinen Häuser noch betreiben, arbeiten mit großem Enthusiasmus sieben Tage die Woche, bekommen aber viele Filme gar nicht mehr, und einen Nachfolger gibt es meist auch nicht.

Tragen die gewerblichen Betriebe vor diesem Hintergrund besondere Verantwortung, ihr Angebot nicht nur an der Nachfrage zu orientieren?

Hartung: Wir können das machen, weil der Mainstream das nötige Geld einspielt, aber auch weil wir den Anspruch haben, alles anzubieten und auch alle Themenbereiche abzudecken.

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