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„Husum Wind“: Zwischen Skepsis und neuen Konzepten : Innovationskraft ungebrochen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

„Husum Wind“ eröffnet: Aussteller diskutieren aktuelle Probleme – und wollen erneut mit Erfindergeist Schwierigkeiten überwinden.

shz.de von
erstellt am 12.Sep.2017 | 20:00 Uhr

Sebastian fegt über das Land und treibt die Windenergieanlagen im Norden zu Höchstleistung an – pünktlich zur Eröffnung der „Husum Wind“ Dienstagmittag. Die Eigner bestehender Anlagen an Land (onshore) und auf dem Meer (offshore) wird es freuen, doch was die Zukunft betrifft, bläst allen der Wind zur Zeit ins Gesicht. Die Ursachen sind vielfältig und bieten bei der 15. Auflage der Leitmesse der Branche hinreichend Diskussionsstoff unter den 700 Ausstellern und den 18.000 erwarteten Besuchern.

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), der mit Messe-Chef Peter Becker den Startschuss gegeben hatte, musste bei den meisten Ausstellern Rede und Antwort stehen. Sie wollten wissen, wie der gehemmte Ausbau Fahrt aufnehmen kann.

Für die Stagnation gibt es zwei Gründe. Erstens hat das neue Aussschreibungsverfahren Mängel, wie Peter Becker erläuterte. Geplant ist, dass nur noch Investoren mit dem niedrigsten Förderbedarf zum Zuge kommen – die Abkehr von festen Öko-Zuschlägen. Doch Bürgerwindparks werden überdurchschnittlich privilegiert, haben 54 statt 36 Monate Zeit, ihre Vorhaben zu verwirklichen und sie beteiligten sich mit Projekten, für die noch gar keine Genehmigungen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz vorlagen. Zu allem Überfluss verbargen sich hinter den im Verfahren bevorzugten Bietern oft größere Investoren, was zumindest den Ansprüchen, die Nordfriesen an ihre Bürgerwindparks anlegen, widerspricht. Peter Becker weiß, dass allein durch die Fehler im Auktions-System 2,8 Gigawatt Leistung auf Eis liegen.

Zweitens gibt es gegen die bestehenden Regionalpläne in Schleswig-Holstein 6500 Einwände, wie Daniel Günther offenbarte. In der Mehrheit der Kritikpunkte geht es darum, dass Bürger mit den Abständen zu Anlagen unzufrieden sind. Auch wenn der Ministerpräsident Windenergie selbst „cool“ findet, wie er im Smalltalk betonte, muss sich die Regierung nun durch jeden Einspruch durcharbeiten. Das werde weit ins nächste Jahr dauern. Und danach käme die zweite Runde mit den neuen Regionalplänen.

„Wir wollen die Energiewende mit den Menschen im Land zum Erfolg führen“, betonte Günther und fügte hinzu: „Eine Grundvoraussetzung dafür ist aber, dass Energie bezahlbar bleiben muss. Immer weiter steigende Stromkosten schaden der Akzeptanz und damit dem Projekt.“

Einsprüche und Probleme mit den Ausschreibungen – beides beschäftigt auch die Vertreter des diesjährigen Partnerlandes Nordrhein-Westfalen. Zeitgleich zur Eröffnung der Windmesse in Husum wollte das Kabinett in Düsseldorf die Abstände von Wohnbebauung auf 1500 Meter erweitern.

Bezüglich der Stromkosten, die auf dem Umweg über die EEG-Umlage die Endverbraucher strapazieren, zeichnen sich überraschende Entspannungen ab. So unterstrich Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie, dass die Branche „weg von Subventionen und hin zu Marktpreisen will.“ Offenbar funktioniert das schon gut. Erste Projektierer von Offshore-Anlagen mit ihren neu entwickelten Kraftwerkstypen und den nur schwer zu kalkulierenden Risiken auf hoher See unter anderem durch das Salzwasser haben entschieden, dass sie ganz auf Zuschläge verzichten. Erste Anzeichen also dafür, dass die Branche selbst sich nicht länger subventionieren lassen will.

Das passt auch zu optimistischen Thesen, die Matthias Zelinger, energiepolitischer Sprecher des Verbandes der Maschinen- und Anlagenbauer verbreitete. Bald werde nicht mehr von Stromüberschüssen an Standorten gesprochen, „sondern die Nachfrage wird das Angebot übertreffen.“ Wie das geht, zeigt die „Husum Wind“ ebenfalls: wie Strom erfolgreich beispielsweise als Wasserstoff gespeichert und wie er für Wärmekonzepte in Kommunen und für die Erweiterung der E-Mobilität verwendet wird. Und Hermann Albers sieht schon, wie Wind- und Auto-Industrie als „tragende Säulen“ gemeinsam den Straßenverkehr CO2-ärmer machen.

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