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Husumer Nachrichten

23. November 2017 | 16:13 Uhr

Niebüll : Innovations-Center erfindet sich neu

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Kreis Nordfriesland und Stadt Niebüll wollen das nordfriesische Existenzgründungszentrum mit viel Geld zukunftsfähig machen.

von
erstellt am 12.Sep.2017 | 08:00 Uhr

Das Nordfriesische Innovations-Center (NIC) in Niebüll bietet Existenzgründern und jungen Unternehmern ein günstiges Umfeld für ihren Start in die Selbstständigkeit. Auch nach fast einem Vierteljahrhundert ist Deutschlands nördlichstes Gründerzentrum in der Schmiedestraße 11 eine gefragte Anlaufstelle und gute Adresse für Start-up-Unternehmen. Dennoch: Das Existenzgründerzentrum ist inzwischen in die Jahre gekommen. Deshalb soll nun kräftig investiert werden, um das NIC zukunftsfähig aufzustellen. Vor allem soll es konzeptionell stärker auf Unternehmen der digitalen Wirtschaft und ihre Bedürfnisse ausgerichtet werden. Dabei soll das Zentrum weiterhin offen bleiben für Existenzgründer aus anderen Branchen. Die Investitionskosten für das neue Raum-, Marketing- und Veranstaltungskonzept werden sich nach jetzigem Stand bei rund einer Million Euro bewegen.

Gemeinsam getragen wird das 1993 eingerichtete und 2001 um den zweiten Bauabschnitt erweiterte Innovations-Center vom Kreis Nordfriesland und der Stadt Niebüll. In ihrer NIC-GmbH sind beide zu 50 Prozent Eigentümer und Gesellschafter. Sie teilen sich denn auch den jährlichen Zuschussbedarf der Einrichtung von zurzeit 120  000 Euro.

Die Gremien der Stadt und des Kreises werden sich in nächster Zeit intensiv mit der Modernisierung und Neuausrichtung des Zentrums befassen. Angesichts einer erhofften Förderquote in Höhe von 60 Prozent müssen sich die beiden Gesellschafter Kreis und Stadt wohl mit jeweils 175  000 Euro in das Gesamtprojekt einbringen, so die Kalkulation des Aufsichtsrates der NIC-Gesellschaft. Die Grundlage dafür bildet ein Gutachten, das dieser in Auftrag gegeben hatte. Im Hinblick auf ein moderneres Raumkonzept sind eine Reihe baulicher Veränderungen nötig, was den Löwenanteil der Investitionskosten verschlingt sowie darüber hinaus die Modernisierung der betagten Heizungsanlage und der Einbau eines Aufzuges. Die baulichen Maßnahmen sollen über die Eigentümer laufen, die Kosten für die Umsetzung des Marketing- und Veranstaltungs-Konzepts sowie das Mobiliar will die NIC-GmbH selbst schultern. Der Zuschussbedarf soll von 2018 an etwas gesenkt werden, da dann die Kfz-Zulassung und ein Schilderpräger ins NIC einziehen.

Die Neuausrichtung des Existenzgründerzentums in Niebüll fällt in eine Zeit vergleichsweise geringer Auslastung. Diese sei mit rund 55 Prozent und derzeit rund zwei Dutzend Mietern – von sozialen Berufen über Handelsplattformen, Web- und Kunstdesignern bis zu einer Versicherungsagentur und einer Jiu-Juitsu-Schule – „nicht mehr zufriedenstellend“, heißt es dazu in der Vorlage für den heute tagenden Wirtschaftsausschuss des Kreises.

Alarmierend ist dieser Wert nach Aussagen von NIC-Geschäftsführer Dr. Matthias Hüppauff allerdings nicht. „Im langfristigen Schnitt hatten wir immer mehr als 80 Prozent“, erläuterte er auf Anfrage. Dabei sei es durchaus normal, dass das Haus Zeiten geringerer Auslastung erlebe und es eine Art Generationswechsel gebe. Denn die Fördervorschriften sähen vor. dass Existenzgründer das Zentrum jeweils nach acht Jahren verlassen müssen. Dadurch soll nach Aussagen von Hüppauff sichergestellt werden, dass Unternehmen „nicht auf alle Ewigkeit staatlich subventioniert werden“. Im Übrigen seien fünf bis zehn Prozent Leerstand ohnehin gewollt, um neuen Gründern aus dem Stand eine Chance geben zu können.

In der Vergangenheit ist das Rezept offenkundig aufgegangen: „Die Bilanz ist nicht schlecht“, sagt Hüppauff. Seit 1993 seien annähernd 130 Firmen aus dem NIC ausgegründet worden – etliche mit einer erklecklichen Anzahl an Mitarbeitern. Sein klares Ziel: „Die Erfolgsstory soll nicht abbrechen, dafür machen wir das.“

Mit der Neuausrichtung des NIC auf die digitale Wirtschaft – „dafür nutzen wir die flaue Zeit“ – setzen die Beteiligten nach Aussagen von Matthias Hüppauff gezielt auf eine Wachstumsbranche. Niebüll biete dafür mit seiner Lage vor Sylt, günstiger Kostenstruktur und dem familiären Gepräge ein ideales Umfeld. „Wir setzen große Hoffnungen auf das neue Konzept“, so der Geschäftsführer. Bestätigt sieht er sich durch eine Umfrage bei 260 Betrieben, bei der speziell Niebüll als eines von 16 Innovationszentren in Schleswig-Holstein recht gut abgeschnitten hatte.

Abgesehen davon, dass die Förderbindung für den Erweiterungsbau im Jahr 2001 erst 2025 ausläuft, hält auch die Kreisverwaltung die geplanten Investitionen in Niebüll für wichtig, damit das NIC weiterhin erfolgreich betrieben werden kann: „Diese Maßnahme steht im Kontext zum Aufbau, der Förderung und Unterstützung der digitalen Wirtschaft als eine entscheidende Zukunftsbranche.“

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