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Neue Begegnungsstätte für Sozialraum : Inklusives Leben im neuen „Eckhus“

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Einmalig im Land: Einrichtungen für Benachteiligte betreiben gemeinsam eine Begegnungsstätte – und öffnen sie für die Bevölkerung.

Immer enger rücken in Nordfriesland jene Einrichtungen zusammen, die Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen begleiten. Bereits seit 2012 kooperieren sie in verschiedenen Regionen im Kreisgebiet, die offiziell Sozialräume genannt werden, unter anderem dann, wenn es um die Entwicklung von Hilfeplänen für die Betroffenen und damit um die Verteilung der Eingliederungshilfe geht. Gestern eröffneten sie an der Ecke Neustadt/Schlossstraße in Husum mit einem mehrstündigen Fest sogar eine gemeinsame Begegnungsstätte, die all ihren Klienten und der Bevölkerung offen stehen soll. Sie tauften es „Eckhus“. Beteiligt sind die Arbeiterwohlfahrt Bredstedt, die Arche Unterstütztes Wohnen, Brücke SH, Husumer Horizonte, Insel, Werkstätten und Land in Sicht.

Taike Claußen, Projektkoordinatorin im Sozialraum Süd, die den Aufbau der Begegnungsstätte koordiniert hat, beschrieb plastisch deren augenfälligen Vorteile, Betroffene nutzen bislang nur die Betreuungsangebote ihrer offiziell für sie zuständigen Einrichtung. Im „Eckhus“ soll es nun idealerweise zu einem bunten Mix der Angebote aller kommen, womit es den Nutzern leichter fallen wird, auch mal die Programme anderer sich genauer anzuschauen. Damit, so die Hoffnung aller Beteiligten, könne die Hilfe für jeden Einzelnen in Zukunft noch individueller zugeschnitten werden.

Als Sprecherin aller Nutzer brachte es Sarah Parplies auf den Punkt: „Im Eckhus verschwimmen die Grenzen zwischen den Anbietern.“ Und durch die Öffnung für die Bevölkerung biete es die Chance, dass damit auch Schranken zwischen Gesunden und Kranken fallen.

Sarah Parplies saß in einer Talkrunde, die von Taike Claußen moderiert wurde. Alle drückten ihr Lob für das Konzept aus, das mit dem Modellprojekt der Sozialraumorientierung verfolgt werde. Christine Hesser vom Sozialministerium fragte rhetorisch, warum das nicht auch andere machen? „Es gibt keinen anderen, der diesen Sonderweg geht.“

Carsten F. Sörensen, Vorsitzender des Arbeits- und Sozialausschusses des Kreises, sagte, die Situation zuvor und jetzt unterscheide sich „wie Tag und Nacht“ voneinander. Anfangs habe es durchaus in den Gesprächen zwischen dem Kreis als Träger, den Anbietern und den Leistungsberechtigten Distanz und Misstrauen gegeben. „Manche Dreiecksverhältnisse sind halt schwierig“, fügte er augenzwinkernd hinzu. Mit Blick zu Christine Hesser sagte er: „Ich hoffe, dass auch die neue Regierung das Projekt fortsetzt.“

Dirk Mitzloff, Stellvertreter des Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung, stellte die Einzigartigkeit der von den vielen Partnern gemeinsam getragenen Begegnungsstätte im Land heraus und hob besonders hervor, wie intensiv die Nutzer einbezogen werden.

Peter Knöfler, stellvertretender Bürgervorsteher der Stadt, versprach, weiter intensiv an der Barrierefreiheit in der Stadt zu arbeiten. Konkret sei geplant, beispielsweise die Norderstraße für alle Nutzer auf das selbe bauliche Niveau zu bringen.

Die Begegnungsstätte zog in die Räume der früheren Schloss-Apotheke in Husum ein, die Ulf und Gabriele Marke vorerst für fünf Jahre an die Kooperationspartner vermietet haben. Insgesamt fallen jährlich 30.000 Euro für den Betrieb des Eckhuses an. Von den Partnern eingebracht werden darüber hinaus nun Angebote, die von niederschwelliger Beratung über kreatives Gestalten bis zur Vermietung der Räume für Veranstaltungen der Nutzer reichen.

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erstellt am 08.Jul.2017 | 08:00 Uhr

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