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Husumer Nachrichten

19. August 2017 | 00:10 Uhr

Verschluss-Sache : In Treue fest verbunden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zahlreiche Vorhängeschlösser zieren das Gitter am Rathausturm – von Paaren als Liebesbeweis aufgehängt. Doch woher kommt der Brauch? Die Ursprünge finden sich in Italien.

Es ist eine bunte und symbolträchtige Wand, die sich da am Fuße des Rathausturms ständig vergrößert. Hier treffen sich heimlich oder auch in aller Öffentlichkeit Paare, um ihre Zuneigung und Liebe zueinander mit einem Vorhängeschloss zu besiegeln. „Wir werden demnächst zusammenziehen und bringen aus diesem Anlass hier dieses Schloss an“, verkündet Cris Ebeling stolz. Neben ihm steht seine Angebetete Shannon Mölk. „Wir lassen unsere Namen aufgravieren und verschließen es dann am Gitter“, sagt die 18-Jährige freudestrahlend, und der 24-Jährige fügt hinzu: „Der Brauch sieht vor, dass wir anschließend beide Schlüssel in den Hafen werfen.“ Das sei ein Zeichen ewiger Liebe und Treue. Und im kommenden Jahr soll dann das Fest der Feste gefeiert werden, kündigen die beiden Heiratswilligen an.

Woher dieser Brauch stammt, ist Cris und Shannon allerdings unbekannt. Und der ursprüngliche Anlass hatte mit Liebe auch gar nichts zu tun. Denn vermutlich waren es Absolventen der Sanitätsakademie San Giorgio in Florenz, die die Vorhängeschlösser ihrer Spinde nach Beendigung ihrer Ausbildungszeit an den Gittern der Akademie befestigten. Und diese Idee übernahmen die Verliebten. Bekannt wurde der Brauch dann durch die Verfilmung der italienischen Bestseller-Romane „Drei Meter über dem Himmel“ und dessen Fortsetzung „Ich steh auf dich“. In dieser Geschichte schwören sich die beiden Protagonisten ewige Liebe, befestigen das Schloss an der zentralen Brückenlaterne und werfen beide Schlüssel in den Tiber.

Was sich wunderschön und romantisch anhört, kommt allerdings nicht überall gut an. In manchen Städten ist das Anbringen der schweren Liebesschlösser an Laternen, Gittern und Brücken sogar untersagt worden. In Berlin beispielsweise wird dieser Brauch als Ordnungswidrigkeit angesehen. Doch es gibt auch Städte, die die symbolhafte Liebesbeteuerung unterstützen. So zum Beispiel Lübeck und Köln. Die Befestigung an der Hohenzollernbrücke zu verbieten, hatte die Deutsche Bahn sogar abgelehnt.

Im Husumer Rathaus sieht man das Treiben gelassen. Schon während der Sanierungsarbeiten am Turm sei das Thema in der Baubesprechung zur Sprache gekommen, sagt Thomas Borowski: „Um das Gitter ebenfalls zu behandeln, hatten wir die Schlösser abgeklebt – das hat sehr gut geklappt.“ Und unter bestimmten Bedingungen dulde die Stadt das Brauchtum auch weiterhin. „Die Schlösser dürfen nur links und rechts des Schaufensters angebracht werden“, so Borowski. Der Turm selbst dürfe dafür aber nicht genutzt werden. „Da würden wir dann allerdings einschreiten.“

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erstellt am 19.Sep.2014 | 18:00 Uhr

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