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Kriminalpolizei Husum : In die Rolle des Einbrechers schlüpfen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Marina Hansen steht ihren Kollegen von der Kriminalpolizei jetzt auch als Spurensicherungskraft zur Seite – und schreibt als Hobby weiter Krimis.

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erstellt am 21.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Die Frau hat Humor: „Da ich hier nun schon seit 32 Jahren arbeite, bin ich theoretisch bestens auf das vorbereitet, was ich von jetzt an praktisch machen werde“, sagt Marina Hansen schmunzelnd. Bislang hütete die 59-Jährige das Geschäftszimmer der Husumer Kriminalpolizeistelle. Doch künftig wird sie den Kollegen noch „handfester“ unter die Arme greifen: Nach sechswöchiger Schulung an der Polizeidirektion für Aus- und Weiterbildung der Landespolizei Schleswig-Holstein in Eutin darf sich die Wahl-Rosendahlerin ab sofort Spurensicherungskraft nennen und – wie der Name schon sagt – Tatort-Spuren sicherstellen.

„Andere Bundesländer wie zum Beispiel Hamburg haben den ermittelnden Beamten schon vor Jahren solche anstellten Kräfte zur Seite gestellt“, erläutert der stellvertretende Leiter der Dienststelle, Kriminalhauptkommissar Torsten Schneider-Pauly. Nicht so Schleswig-Holstein. Doch seit die Zahl der Wohnungseinbrüche auch hier sprunghaft angestiegen ist, stehen die Verantwortlichen unter Zugzwang. So hat die Landespolizei ein Programm auflegt, das die Ermittlungsarbeit bündeln und „Kapazitäten freisetzen soll“. Aus diesem Anlass wurden landesweit 28 Frauen und Männer zu Spurensicherungskräften ausgebildet. Ungefähr die Hälfte von ihnen arbeitete – wie Marina Hansen – schon vorher für die Polizei, der Rest kam von außen hinzu.

Aber was heißt das konkret: „Kapazitäten freisetzen“? Letztlich läuft es auf Spezialisierung und Konzentration hinaus. Bisher machten die Beamten beides: Spuren sichern, aber auch mit den Geschädigten sprechen und das Umfeld befragen. Teil eins übernimmt fortan Marina Hansen. „So verlieren wir keine Zeit“, sagt Schneider-Pauly. Und Zeit ist wichtig, wenn Ermittlungserfolge erzielt werden sollen, denn die Aufklärungsrate bei Wohnungseinbruchsdiebstählen ist mit rund zehn Prozent – sagen wir mal – nicht gerade überwältigend. Jetzt aber kann der Kripo-Beamte sofort damit beginnen, Nachbarn zu befragen, während Marina Hansen Spuren sichert.

Auch dafür gibt es ein Procedere: So verschafft sich Hansen am Tatort zunächst einmal einen Überblick. „Das ist ein bisschen wie Profiling“, sagt Schneider-Pauly. „Man versucht sich in die Rolle des Einbrechers hineinzuversetzen“, fügt Hansen hinzu. Wie ist er ins Innere der Wohnung oder des Hauses gelangt? Und wie ist er danach weiter vorgegangen? Spurensuche im doppelten Wortsinn sozusagen.

Gelernt hat Marina Hansen all das an fingierten Tatorten und danach jeden Schritt der Spurensicherung „schulmäßig abgearbeitet“. Beweissicherheit spielt dabei die entscheidende Rolle, denn vor Gericht und auf hoher See ist man bekanntlich in Gottes Hand. Oder anders ausgedrückt: Da helfen nur Fakten. Und manchmal nicht einmal die.

In Husum ist Marina Hansen die einzige Spurensicherungskraft. Flensburg hat derer drei. Und wenn sie mal nicht da sein sollte, greift Plan B, was bedeutet, dass dann alles wie vor ihrer Ausbildung läuft.

Übrigens: Auch für ihr Hobby ist die neue Tätigkeit befruchtend. In ihrer Freizeit schreibt Marina Hansen nämlich Krimis und hat dafür 2013 sogar einen Preis beim Nord-Mord-Award eingeheimst (wir berichteten). Die Handlungen entspringen zwar allein ihrer Fantasie, aber auch die ist ja nicht frei von Fakten. So schließt sich ein weiterer Kreis.

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