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Fundsachen-Versteigerung : In der Kurve vom Autodach gerutscht

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Laufe des Jahres füllt sich der Keller des Husumer Rathauses mit Fundsachen aller Art. Viele haben zum Teil kuriose Geschichten zu erzählen. Ein wertvolles Stickbild etwa fiel in der Kurve vom Dach eines Autos.

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erstellt am 09.Nov.2015 | 12:00 Uhr

Was sich im Lauf der Zeit so alles im Keller des Fundbüros ansammelt, verschlägt Anne Maaß vom Einwohnermeldeamt, bisweilen die Sprache. Nur einen kleinen Teil davon bekamen interessierte Bürger während der Versteigerung im Foyer des Husumer Rathauses zu sehen. Harro Jacobs, der „die Ware“ auch diesmal wieder auf seine ganz eigene Weise und mit gehöriger Prise Humor unters Volk brachte, hatte dennoch wieder alle Hände voll zu tun. Und wie nicht anders zu erwarten, bildeten Fahrräder einmal mehr den Löwenanteil dessen, was da unter den Hammer kam.

Schon Tage zuvor hatte sich Jacobs einen Überblick über jene Fundsachen verschafft, die zur Versteigerung anstanden und staunte nicht schlecht, als er aus einem Korb mit Stoffwaren eine seltsame Jacke herausholte. „Das ist eine Hunde-Regenjacke“, erklärte ihm Maaß. „Aber eigentlich hätte Herrchen oder Frauchen doch auffallen müssen, dass ihr kleiner Schatz plötzlich nackicht herumläuft“, sagt der Auktionator schmunzelnd.

Die Kisten und Körbe im Keller des Rathauses enthalten aber noch ganz andere Überraschungen. Nagelneue Schlittschuhe in Originalverpackung zum Beispiel. Die wurden nach der Eishallen-Saison in der Messehalle abgegeben. Und was Jacobs zwischen diversen Bekleidungsartikeln herausfischt, lässt ihn stutzig werden. „Das muss doch jemand vermissen“, sagt er und reckt ein aufwändig hergestelltes Stickbild in die Höhe. Dessen Finder wusste dann auch eine alles andere als alltägliche Geschichte zu erzählen. Er hatte beobachtet, wie ein Auto vom Kuhsteig in die Süderstraße einbog. „Dabei soll das Bild, das auf dem Dach befestigt war, heruntergefallen sein“, so Maaß. „Der Rahmen lässt auf ein beträchtliches Alter schließen, und die Handarbeit ist beeindruckend“, findet sie. Doch offensichtlich wird das Bild bisher von niemandem vermisst. Schon im vergangenem Jahr habe es zur Versteigerung gestanden, aber keinen Abnehmer gefunden.

Vorsichtig öffnet Jacobs ein längliches Mäppchen. Der Inhalt erinnert im ersten Moment an einen Kugelschreiber oder Füllfederhalter. Tatsächlich jedoch handelt es sich ein Diabetiker-Besteck. Dass es im Fundbüro gelandet ist, kann Anne Maaß nicht nachvollziehen. „Das muss der Besitzer doch vermisst haben“, wundert sie sich und sinniert: „Wenn das Kinder finden und damit Doktor spielen, kann das fatale Folgen haben.“ Doch wie alle Artikel, die am vergangenen Sonnabend zur Versteigerung zugelassen wurden, lag auch das Besteck bereits ein halbes Jahr im Keller – ebenso eine Motorradjacke sowie ein Werkzeugkoffer mit Akku-Bohrmaschine und Schraubenzieher.

„Ich bin immer wieder erstaunt, was hier alles abgegeben wird“, sagt Maaß. Aber noch größer ist ihre Verwunderung darüber, dass all diese Dinge nicht abgeholt werden und schließlich in der Versteigerung landen. So auch ein wertvolles Handy, das jetzt ebenfalls unter den Hammer kam. „Grundsätzlich dürfen wir keine Handys zur Versteigerung geben“, erläutert Maaß unter Hinweis auf Datenschutz und Persönlichkeitsrechte. Hochwertige Handys würden jedoch eingeschickt, um die Daten sicher löschen zu lassen. In diesem Fall hatte der Finder Anspruch auf das Gerät erhoben, wenn die gesetzlich vorgegebene Lagerfrist verstrichen ist. Dazu musste er sich allerdings bereit erklären, die anfallenden Kosten für die Datenvernichtung zu übernehmen.

Es gibt aber auch Fundsachen, die selbst nach halbjährlicher Lagerfrist nicht versteigert werden. In ihrem Büro im Erdgeschoss des Hauses, verweist Maaß auf eine große Tafel mit Schlüsseln. „Das Angebot reicht von Fahrrad- und Haustürschlüsseln bis hin zum Auto- oder Tresorschlüssel“, verrät sie. Harro Jacobs und Anne Maaß schütteln gemeinsam den Kopf: „Wenn ich vor meinem Auto stehe der Schlüssel ist weg, müssen doch alle Alarmglocken schrillen“, sagen sie.

Für Harro Jacobs, der nun schon seit fast 35 Jahren Fundsachen versteigert, zählt am Ende aber nur eines: „Ich möchte möglichst alle Artikel unter den Hammer bringen.“ Übrigens: Wer meint, mit dieser Aktion verdiene sich die Stadt ein hübsches Zubrot, der irrt sich gewaltig. „Die Verwaltungskosten sind um einiges höher als die Erlöse“, macht Maaß deutlich. Jeder Artikel werde dokumentiert und fotografiert.

Tatsächlich ist von dem großen Angebot nach gut zwei Stunden nichts mehr übrig. Selbst die 35 Fahrräder bekommen allesamt neue Besitzer. Und auch das kunstvoll gestickte Rahmenbild geht für drei Euro an einen glücklichen Sammler.

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