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Kulinarische Weihnachts-Geschichten : In den Topf geguckt – Kochen auf Friesisch

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Was kochen echte Friesen eigentlich zu Weihnachten? Ingrid Friedrichsen aus Risum-Lindholm weiß Rat und lädt zur Küchenparty ein – mit Wiensupp, Schink und Förtchen.

Ingrid Friedrichsen öffnet strahlend die Haustür. „Kommen Sie rein und schauen Sie mal – ich hab schon was vorbereitet. Wie in den Kochsendungen“, sagt sie schmunzelnd und deutet auf die kleinen Schälchen mit Rosinen, Graupen und Backpflaumen, die in der Küche parat stehen. Weinsuppe mit Schinken und Futjes soll es heute geben. Ein typisch friesisches Feiertagsessen. „Aber gemach – erstmal trinken wir eine Tasse Kaffee.“

Die Risum-Lindholmerin stellt eine Schüssel mit Marzipantalern, Betmännchen, Pfeffernüssen und Butterkringeln auf den Wohnzimmer-Tisch. „Greifen Sie zu, ist alles selbstgebacken.

„Hallo Liewe! Hü gungt et de?“ (Hallo Liebes! Wie geht es dir?), ruft Ehemann Hauke, der gerade nach Hause gekommen ist. Die Friedrichsens sprechen nur Friesisch miteinander. Warum? „Ich habe mich einfach in diese Sprache verliebt“, antwortet Ingrid Friedrichsen. „Dabei wurde bei uns zu Hause nur Platt gesprochen. Friesisch habe ich das erste Mal so richtig bei meinen Schwiegereltern gehört und dachte mir: ‚Das will ich auch können‘“, erklärt sie.

Plötzlich springt die 58-Jährige auf. „Die Suppe muss angesetzt werden“, sagt sie und verschwindet in der Küche. „Die Graupen habe ich vorher eingeweicht, dann reduziert sich die Kochzeit um die Hälfte.“ Zusammen mit Wasser, Zimt, Zucker, Zitrone und Vanille werden die Graupen in den Topf gegeben und auf kleiner Flamme gekocht. Erst später kommen Korinthen, Rosinen und Pflaumen hinzu. Die kräftige Farbe verleihen der Suppe am Ende Wein und Johannisbeersaft.

„Ah, Wiensupp“, ruft Hauke Friedrichsen. „Die gab es bei unserer standesamtlichen Trauung, weil man die so gut vorbereiten kann“, erinnern sich die beiden. Wiensupp ist ein typisch nordfriesisches Gericht, das traditionell bei festlichen religiösen Anlässen wie Taufen, Konfirmationen und Hochzeiten gereicht wird. Dazu gibt es Schinkenbrot – als geschmacklichen Gegenpart. „Auch für Heiligabend ist das Gericht ideal. Statt Würstchen mit Kartoffelsalat“, sagt Ingrid Friedrichsen. Hauke nickt und nimmt sich ein paar Kekse als Wegzehrung mit. Er hat noch eine Verabredung. „Wir restaurieren meinen alten Traktor“, erklärt er stolz und eilt zur Tür hinaus.

Während die Suppe vor sich hinköchelt, nutzt Ingrid Friedrichsen die Zeit, um den Teig für den Nachtisch vorzubereiten. Bei der Zubereitung von Förtchen oder Futjes scheiden sich die Geister. Die einen verbinden damit gebackene Bällchen aus einem Rührteig mit Hefe und Rosinen, die unter anderem auf den Weihnachtsmärkten angeboten werden. Ingrid Friedrichsen jedoch schwört auf Buttermilch als Hauptzutat. „Ganz wichtig: Die Futjes müssen am Ende schön locker sein“, murmelt sie und schlägt das Eiweiß auf, um es vorsichtig unter die Masse aus Eigelb, Mehl, Buttermilch, Backpulver und Vanillezucker zu heben. Jetzt kommt die altbewährte Förtchenpfanne ins Spiel. „Diese ist noch von meiner Mutter und bestimmt 50 Jahre alt“, erzählt die 58-Jährige. Sie füllt großzügig Öl in die Ausformungen. Dann hält sie einen Holzlöffel ins Fett. Bilden sich Bläschen, ist das Öl heiß genug und der Teig kann ein-gefüllt werden.

Mittlerweile hat sich Sohn Tade in die Küche gesellt und schaut skeptisch in den Suppentopf. „Ik toochte deer wus flåsch bane?“ (Ich dachte, da wäre Fleisch drin?), sagt er. „Dåt sån plöäme än sinken“ (Das sind Pflaumen und Rosinen), antwortet seine Mutter. „Weinsuppe haben wir schon lange nicht mehr gegessen“, sagt sie achselzuckend und lässt Tade probieren. „Da smååge gödj“, erklärt dieser überrascht. Auch die Futjes sind jetzt goldbraun. „Nun aber ran an den Speck!“, ruft die Küchenchefin, greift nach einem duftenden Bällchen und wälzt es in Zucker. „Förtchen müssen heiß gegessen werden!“

Nordfriisk Wiensupp un Schink

(Weinsuppe mit Schinken, 5 Personen)

Zutaten: 2 l Wasser, 4 EL Zucker, 1/2 Vanillezucker, 1 Zimtstange, Schale und Saft von 1/2 Zitrone, 125g Graupen, 125g Korinthen, 125g Rosinen, 125g Pflaumen, 1/8l Rotwein, 1/8l roten Johannisbeersaft

Zubereitung: Wasser, Zucker, Vanillezucker, Zimtstange sowie Zitronensaft- und schale aufkochen. Graupen hinzugeben und auf kleiner Flamme zirka 80 Minuten weiterkochen. Dann Korinthen, Rosinen und Pflaumen zugeben und noch eine Stunde weiterkochen lassen. Zuletzt Rotwein und Johannisbeersaft hinzugeben.

Dazu reicht man frisches gebuttertes Weißbrot belegt mit gekochtem Schinken.

Förtchen „Futjes“

Zutaten: 3 Tassen Buttermilch, 3 Eigelb, 3 Tassen Mehl, 1 Packung Backpulver, 1 Vanillezucker, 3 Eischnee, Zucker

Zubereitung: Aus den Zutaten einen Rührteig herstellen und den Eischnee unterheben. Mit einem Esslöffel die Futjes aus der Teigmasse abstechen und in der großzügig mit Öl eingefetteten Futjespfanne ausbacken. In Zucker wälzen und warm aus der Hand genießen.

Mehr Rezepte gibt es im „Landfrauen-Kochbuch“, herausgegeben vom Landfrauenverein Niebüll, Mussack, 2007.

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erstellt am 26.Dez.2016 | 11:30 Uhr

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