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Appell aus dem Gesundheitsamt : Impf-Überdruss birgt Gefahren

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Risiken von Masern sollten nicht ignoriert werden, heißt es aus dem Kreis-Gesundheitsamt Nordfriesland – verbunden mit dem Rat, sich impfen zu lassen.

Bundesweit häufen sich die Maserninfektionen. In Berlin ist bereits ein Kleinkind verstorben. Auch in Schleswig-Holstein nimmt die Krankheitshäufigkeit zu. Wer als Kind Masern hatte, verfügt über einen lebenslangen Schutz gegen die Krankheit. „Alle Menschen, die weder Masern hatten noch dagegen geimpft sind, sollten die Impfung unverzüglich nachholen“, rät Dr. Antje Petersen, die Leiterin des Fachdienstes Gesundheit des Kreises Nordfriesland.

Das betreffe insbesondere Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene könnten erkranken, warnt Antje Petersen. Vollständige Sicherheit bestehe nach mindestens zwei Impfungen mit Masern-Einzel-Impfstoff oder Masern-Mumps-(Röteln)-Kombinationsimpfstoff. Auch wer bisher nur eine Impfung hatte, sollte seinen Schutz jetzt beim Haus- oder Kinderarzt vervollständigen lassen.

Die Amtsärzte bemerken von Zeit zu Zeit einen „gewissen Impf-Überdruss“, der teilweise aus der Überzeugung resultiert, früher seien die Menschen auch nicht gegen die Masern geimpft gewesen. „Das stimmt zwar, aber für viele ist es auch böse ausgegangen. Die Masern sind eine hochfieberhafte Allgemeinerkrankung, die insbesondere bei sehr kleinen Kindern und älteren Menschen das Herz-Kreislaufsystem massiv belastet und häufig zu Lungenentzündungen führt. Was viele ebenfalls nicht wissen: Es kann zu einer Hirnhautentzündung mit bleibenden Hirnschädigungen kommen“, warnt Dr. Susanne Ehlert vom Kinder- und Jugendärztlichen Dienst des Kreises.

Häufig führen Masern zu derart starken Mittelohrentzündungen, dass es zur Ertaubung kommt. „In der sogenannten guten alten Zeit waren viele Kinder durch die Masern lebenslang mit Gehörlosigkeit geschlagen. Doch heute erinnert sich kaum noch jemand daran“, stellen die Ärztinnen fest.

Kein Verständnis haben sie für Menschen, die das Nichtimpfen von Kindern bagatellisieren oder gar romantisieren, indem argumentiert werde, dass durch die Krankheit selbst ja viele Antikörper gebildet würden. „Wer die Masern gehabt hat und gar unter Komplikationen leiden musste oder muss, würde dieser Haltung sicher heftig widersprechen“, ist Dr. Antje Petersen überzeugt. Antikörper habe man auch nach einer gezielten Impfung.

Wenn in einer Kindergartengruppe von zehn Kindern acht geimpft sind und zwei nicht, besteht ein gewisser Schutz für die beiden Nichtgeimpften, weil die geimpften Kinder sie ja nicht anstecken können. „Doch hundertprozentig sicher ist das nicht“, weiß Dr. Susanne Ehlert. Verantwortungsvoller sei es, wenn alle Eltern ihre Kinder impfen ließen. Nur so sei es möglich, die Masern langfristig auszurotten. Die beiden Fachfrauen weisen darauf hin, dass dies zu den erklärten Zielen der Weltgesundheitsorganisation gehört. Bei anderen Erkrankungen, etwa der Kinderlähmung, den Pocken und der Pest, sei dies in Europa inzwischen gelungen.

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erstellt am 04.Mär.2015 | 15:00 Uhr

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