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Zehn-Jahres-Tiefstand : Immer weniger Straftaten in Nordfriesland

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Polizeidirektion Flensburg legt die aktuelle Kriminalstatistik für den Kreis Nordfriesland vor: Danach ist die Zahl der Einbrüche deutlich gestiegen – entgegen dem allgemeinen Trend.

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erstellt am 07.Mai.2016 | 12:00 Uhr

Anfang November in einer Westerländer Flüchtlingsunterkunft: Ein Somalier (26) sticht nach einem Streit einen fünf Jahre jüngeren Mann nieder – der psychisch kranke Täter und das tödlich verletzte Opfer waren als Asylbewerber in anderen Bundesländern untergebracht und zu Besuch auf Sylt. Knapp zehn Monate vorher schnappt die Polizei auf derselben Insel einen 35-Jährigen nach einem Raubüberfall auf einen Juwelier. Zwei Wochen nach diesem schnellen Fahndungserfolg in Westerland melden auch die Kollegen in der Kreisstadt eine prompte Festnahme: Ein 25-Jähriger hat, wie er bei der Vernehmung als Motiv angibt, aus Langeweile in den Husumer Werkstätten einen Brand gelegt. Ende Juli dauert es ebenfalls nicht lange, und der Raubüberfall auf eine Prostituierte in der Husumer Wilhelmstraße kann einem 25-Jährigen zugeordnet werden.

Vier umgehend aufgeklärte Fälle in Nordfriesland, die in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) der Polizeidirektion Flensburg für 2015 als „herausragende Ereignisse“ vermerkt sind. Wobei populistische Stammtisch-Redner, die aus extremen Zuwanderungsbewegungen wie im Vorjahr ebenso leichtfertig wie ungeprüft größere kriminalstatistische Ausschläge nach oben ableiten, vom eingangs genannten Messerstecher-Beispiel tunlichst die Finger lassen sollten. Ein derartiger Zusammenhang lässt sich nämlich einfach nicht belegen, wie der Leiter der Polizeidirektion Flensburg, Dirk Czarnetzki, jetzt im Husumer Kreishaus verdeutlichte. „Es gibt Straftaten in allen Ausprägungen, die von Flüchtlingen begangen werden, aber es sind nicht auffällig viele“, sagte der Leitende Kriminaldirektor in der jüngsten Sitzung des Kreis-Hauptausschusses, der eigens kurzfristig in seiner Eigenschaft als Polizeibeirat tagte, um sich Czarnetzkis Bericht anzuhören.

Dessen Behörde betreut rund 442.000 Einwohner auf einer Fläche von 4176 Quadratkilometern zwischen Nord- und Ostsee, von Eiderstedt bis zur Schlei – sie ist zuständig für die Stadt Flensburg, die Kreise Schleswig-Flensburg und Nordfriesland sowie Teile der Autobahn 7 von der dänischen Grenze bis zum Rendsburger Kreuz.

Was den Kreis Nordfriesland angeht, so wartet die PKS mit einer „erfreulichen Tendenz, die sich fortsetzt“ (Czarnetzki) auf. „Das Aufkommen an registrierten Straftaten ist weiter rückläufig“, so der Leitende Kriminaldirektor. Konkret sank die Zahl der aktenkundig gewordenen Fälle – also die im sogenannten Hellfeld – auf 8938 (252 weniger als 2014). Dabei gehen insbesondere in den Rubriken Diebstahl, Rohheitsdelikt und Sachbeschädigung die Werte auffallend zurück. Bei den Straftaten nimmt die Jahresbilanz fachsprachlich auch die Unterteilung in „gegen das Leben“ (vier; drei weniger als im Jahr zuvor) und „gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ (98; plus zwölf) vor. Außerdem wurden 960 (minus 117) Körperverletzungen und 44 (plus zwei) Raubtaten angezeigt. Ein Blick in die Einbruchsstatistik: Werkstätten und Büros waren in 336 (plus 100), Gaststätten in 75 (plus zwei) und Wohnräume in 312 (plus 48) Fällen betroffen. Damit sind die Zahlen der Einbrüche in Gebäude mit Ausnahme der Kneipen deutlich angestiegen. In die komplett andere Richtung geht die Entwicklung bei den Fahrraddiebstählen: Davon stehen 693 und damit 149 weniger als 2014 zu Buche. Fast unverändert geblieben ist dagegen die Zahl der Autoaufbrüche (165; plus acht). Während das Aufkommen an Sachbeschädigungen ebenfalls deutlich zurückging (1023; minus 261), wurden – nach einem im Vorjahr im Vergleich zu 2013 registrierten Rückgang – wieder mehr Betrugsdelikte angezeigt (879; plus 89). 115 (plus 80) Verstöße gegen das Ausländergesetz vervollständigen die Liste.

Unter dem Strich bewegt sich die Anzahl der registrierten Straftaten im Kreis seit zehn Jahren auf einem abfallenden Niveau – und dem bisher niedrigsten. Die Aufklärungsquote liegt in Nordfriesland bei 51 Prozent. Der gesamte Wirkungsbereich der Polizeidirektion Flensburg kommt in dieser Kategorie auf rund 20 Prozent, wie Czarnetzki auf Anfrage von Ausschussmitglied Jörg Tessin erläuterte – „mehr als anderswo im Land, aber nichts zum Angeben!“

Auch auf die „redaktionell noch nicht vollständig zusammengestellte“ Verkehrs-Sicherheitslage warf der Gast aus Flensburg einen groben Blick. So habe es im Vergleich zu 2014 im nördlichsten Landkreis zwar etwa 400 Verkehrsunfälle mehr gegeben (plus acht Prozent), aber dabei gleichzeitig weniger Tote und Verletzte. „Dafür kam es häufiger zu Sachschäden“, so Czarnetzki.

Als Schwerpunkt hat sich nach Angaben des Direktionsleiters im vergangenen Jahr die deutlich gestiegene Zahl von Wohnungseinbrüchen herauskristallisiert. Dabei beschäftigen neben Langfingern, die – wie zuletzt auf Eiderstedt – für größere Serien verantwortlich sind, auch international agierende Banden verstärkt die Polizei. Czarnetzki: „Vielfach fahren die Täter mit hohem Aufwand von Hamburg nach Niebüll.“ Und wenn die Beute dann bereits Minuten nach dem Bruch die Besitzer wechsle, mache das die Beweisführung besonders schwierig.

Ein zweites prägendes Thema ergab sich für die hiesige Polizei aus der Flüchtlingswelle. Die habe sehr, sehr viel Arbeit verursacht, sagte Czarnetzki. „Mit Unterstützung des Landes haben wir hohen Aufwand betrieben. Nach wie vor sind wir präsent und aktiv.“ Von Anfang an sei man dabei dem Ansatz gefolgt, in die entsprechenden Aufnahme-Einrichtungen zu gehen – Motto: „Was dort unterbleibt, brauchen die Kollegen draußen nicht aufzuklären.“ Der Kontakt zu den Asylbewerbern bereichere im Übrigen die eigene Arbeit – „das ist meine Wahrnehmung und berichten mir auch Kollegen“. Mit der Seether Flüchtlingsunterkunft habe Nordfriesland eine Vorzeige-Einrichtung.

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