Alarmierende Zahlen : Immer weniger Brutvögel

Die Salzwiesen benötigen mehr Wasser, waren sich die Vortragenden einig.
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Die Salzwiesen benötigen mehr Wasser, waren sich die Vortragenden einig.

Zwei Mitarbeiter des Landesamt für Küstenschutz informierten in Westerhever über die Situation im westlichen Eiderstedt. Die Vögel leiden unter der schlechten Nahrungsgrundlage und dem Klimawandel. Neu angesiedelt hat sich die Heringsmöwe.

shz.de von
16. Juni 2014, 18:00 Uhr

Es waren erschreckende Zahlen, die Bernd Hälterlein in Westerhever vortrug. Auf Einladung der Gemeindevertretung legte er einen ausführlichen Bericht zum Thema Brutvögeltrends im westlichen Eiderstedt vor. Seit 1990 würden die Brutvögel in diesem Gebiet systematisch beobachtet und erfasst. Im gleichen Zeitraum seien 35 Arten der Küstenvögel an der Nord- und Ostsee beobachtet worden. „Bei der Erfassung der Brutvögel haben wir zehn Arten ausgewählt“, so der Biologe vom Landesamt für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN). Aufgrund der Langzeitanalyse konnte festgestellt werden, dass beispielsweise die Schwarzkopfmöve sowie der Kormoran und der Löffler zunehmen. Als Neuansiedler gilt die Heringsmöve.

Doch damit war schon Schluss mit den positiven Nachrichten. „Absoluter Verlierer sind die Flussseeschwalbe, Silbermöve, Säbelschnäbler sowie die Kornweihe“, so Hälterlein. Zum Ergebnis der Langzeitanalyse zähle auch die Tatsache, dass der Kampfläufer und Alpenstrandläufer dauerhaft aus der Region verschwunden ist. „Auch die Bekassine ist als Brutvögel fast verschwunden.“

Die Ursachenforschung sei äußerst schwierig, es gebe unzählige Faktoren für diesen Negativtrend. Dazu zählen die immer schlechter werdende Nahrungsgrundlage sowie der Klimawandel. Was den Bereich Westerhever betrifft, so zeigte sich der Referent entsetzt: „Der Schlüpferfolg in den vergangenen zehn Jahren ist deprimierend.“ So seien in einem Jahr 129 Eier gezählt worden, aus denen nur 29 Küken geschlüpft seien. Der Verlust sei zum großen Teil durch Landraubtiere verursacht. Seitdem die Flächen nicht mehr bewirtschaftet werden dürften, würde sich beispielsweise der Fuchs ungehindert vermehren und stelle für viele Brutvögel eine Bedrohung dar.

Habe es in den 1990er Jahren in der Tümlauer Bucht und Westerhever mehr als 900 Paare der Fluss- und Küstenseeschwalbe gegeben, so sei davon heute nichts mehr da. Hälterlein stellte aber auch klar, dass der Rückgang auch in anderen Bereiche und Gebieten festzustellen sei, unabhängig von der Nichtbeweidung. „Wir müssen die Juwelen, die wir haben, bewahren und die Situation verbessern.“ „Die Versteppung der Vorländerreihen sei der größte Fehler gewesen“, schimpfte ein Zuhörer mit Blick auf die Nichtbeweidung vieler Areale.

Dr. Martin Stock (LKN) ging dann auf die Salzwiesen im Nationalpark ein. Sie seien als Lebensraum äußerst wichtig. „Wir müssen jedoch Wege finden, um den verschiedenen Ansprüche beispielsweise aus dem Küsten- und Naturschutz, Landwirtschaft und Tourismus gerecht zu werden.“ Vorrang habe dabei der ungestörte Ablauf der Naturvorgänge, so der Biologe. Alle fünf Jahre macht er Luftbilder der Flächen, um die Veränderung in der Vegetation festzustellen. „Sehr überraschend war für uns die Erkenntnis, dass die Flächen kontinuierlich wachsen.“ Das Wasser entscheide, wo sich was verändert. Ohne Beweidung würden sich mehr Grassorten entwickeln. So habe man im Bereich der Tümlauer Bucht und Westerhever 15 verschiedene Vegetationstypen entdeckt. Wie sein Vorredner sprach auch er sich für eine Wiedervernässung der Salzwiese aus. „Damit könnten die ausgedehnten Dominanzbestände reduziert und die Vielfalt gefördert werden.“ Wegen der Länge der Vorträge wurde der dritte über die Wildganspopulation in Westerhever von der Tagesordnung genommen. Er wird nachgeholt.

Außerdem ging es um den Brandschutz, der auf die Gemeinde Osterhever übertragen werden soll. Dafür sprach sich die Gemeindevertretung aus. Hintergrund ist die Vorgabe, dass das Amt Eiderstedt diese und andere Aufgaben an die Kommunen abgeben muss. „Wir standen vor der Wahl, einen Zweckverband zu gründen oder die Kommune mit den Aufgaben zu betrauen“, so Bürgermeister Olaf Dircks. Westerhever wird sich an den Kosten beteiligen. Die vorgesehene Straßensanierung im Siedlungsweg sorgt bei den Anwohnern für viel Ärger. So wurden die für Mai angesetzten Arbeiten in den September verschoben. „Die gesamten Baumaßnahmen sollen sich über drei Jahren hinziehen, das entspricht nicht dem Kaufvertrag“, schimpfte ein Betroffener. So seien die Anwohner nicht ausreichend und rechtzeitig über die Lage informiert worden, lautete ein weiterer Vorwurf. Bürgermeister Olaf Dircks versprach, dass alle Anwohner schriftlich über den derzeitigen Stand unterrichtet würden.

Zum Schluss ging es um die 900-Jahrfeier. Am 16. Juli soll es ein umfangreiches Rahmenprogramm mit einem Gottesdienst geben. Und am Abend zuvor ist für alle Volljährigen, die ihren ersten Wohnsitz in Westerhever haben, ein Kinobesuch in St. Peter-Ording geplant. Einzelheiten würden noch ausgearbeitet, so Olaf Dircks.

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