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Trauerschwalben auf Eiderstedt : Immer weniger Brutpaare

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Diplom-Biologe warnt: Die Zahl der vom Aussterben bedrohten Trauerseeschwalben auf Eiderstedt nimmt weiter ab. Nur noch 18 Brutpaare konnten in diesem Jahr gezählt werden.

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erstellt am 10.Dez.2015 | 17:40 Uhr

Die Zahl der Trauerseeschwalben auf Eiderstedt hat weiter abgenommen. Brüteten 2014 noch 19 Paare (2013 waren es 20) waren es in diesem Jahr nur 18, wie Diplom-Biologe Frank Hofeditz aus Husum auf Anfrage berichtet. Er ist für die Betreuung und Zählung des vom Aussterben bedrohten Vogels auf der Halbinsel zuständig. Die Zahl der ausgebrüteten Küken nahm dramatisch ab: Statt 37 wie im Vorjahr waren es in dieser Saison nur 23. Die Zahl der Eier belief sich auf 57. Von den Küken wurden letztlich nur zehn flügge, 2014 waren es elf, 2013 zwölf. 103 Nisthilfen hatten Ehrenamtler des Nabu Kiel, Hofeditz und seine Kollegin Sabine Langhans im Frühjahr auf neun Tränkekuhlen ausgebracht. Auf zwei in Westerhever und Poppenbüll brüteten insgesamt 15 Paare. Im Kirchspiel Garding waren drei Kuhlen mit je einem Paar besetzt. „Die Lage ist sehr kritisch“, sagte Hofeditz. „Bei dieser niedrigen Zahl könnte der Bruterfolg in einem Jahr auch ganz ausfallen, wenn die Umstände widrig sind.“

Und widrig waren sie einmal mehr auch in diesem Jahr. Während der Schlupf-Phase der Küken im Juni sei das Wetter sehr schlecht gewesen – es war kalt, windig und regnerisch. Und dadurch seien auch die Jagdbedingungen für die Elternvögel schlecht gewesen, so Hofeditz weiter. Wenn die Wasseroberfläche in den Gräben durch Wind gekräuselt ist, können die Trauerseeschwalben die Fische nur schwer erkennen. Es fehlte insgesamt an genügend offenen Wasserflächen und Gräben mit ausreichend Wasser darin. Für Nahrungsfische war zwar wieder gesorgt worden. Doch besteht das Problem, dass die Stichlinge, ein bevorzugter Nahrungsfisch der Trauerseeschwalben, Schwierigkeiten haben, im Spätwinter von der Nordsee zum Laichen in die Sielzüge und Gräben einzuwandern. „Da gibt es viele Hindernisse wie Sieltore und Staue“, so Hofeditz. Er begrüßt daher, dass Pilotprojekt in Tetenbüllspieker. Der zuständige Sielverband hatte vor drei Jahren vertraglich zugesichert, während der Brutzeit für Mindestwasserstände zu sorgen. „Das ist ein positiver Ansatz, dem hoffentlich bald noch andere Sielverbände folgen werden“, sagte Hofeditz. Auch auf die Arbeit der im September gegründeten Stiftung Eiderstedter Natur setzt der Biologe Hoffnung. Denn: „Die Zeit drängt.“

Nachgebessert werden müsse beim Vertragsnaturschutz. So habe Ende Juni ein Trauerseeschwalben-Paar seine Brut aufgegeben, weil in seiner Nähe Gras gemäht wurde. „Den Landwirt trifft dabei überhaupt keine Schuld. Er hat sogar noch eine Woche gewartet und großzügig um die Tränkekuhle herumgemäht. Aber offensichtlich sind die Trauerseeschwalben empfindlich.“ Zudem sei ihnen die Deckung genommen worden. Hofeditz schlägt vor, in solchen Fällen dem betroffenen Landwirt mit Geld oder Futter für seine Tiere zu entschädigen, so dass in der Nähe von Nestern nicht gemäht werden muss, bis die Brutsaison ganz zu Ende ist. Außerdem wäre es gut, wenn größere zusammenhängende Gebiete mit einem Grabensystem geschaffen würden, so dass dort Nahrungsfische ungehindert ziehen können. Denn, wie gesagt: Die Zeit drängt.

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