Nordfriesland : Immer öfter Lohnprellerei auf dem Bau

Der Zoll kommt – und hat oft etwas zu bemängeln.
Der Zoll kommt – und hat oft etwas zu bemängeln.

Schwarzarbeit nimmt auch auf Baustellen in Nordfriesland zu: Doch für Kontrollen gibt es zu wenig Beamte.

shz.de von
13. April 2018, 10:00 Uhr

Ein Großteil der „schwarzen Schafe“ kommt ungeschoren davon, weil engmaschige Kontrollen fehlen: Die Rede ist von Schwarzarbeit und Lohnprellerei auf Baustellen auch in Nordfriesland und einem Fazit der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Schleswig-Holstein Nord.

Danach hatten Beamte im vergangenen Jahr im Bereich des Hauptzollamtes Itzehoe 140 Baufirmen unangemeldet besucht. Das seien etwa 48 Prozent weniger Kontrollen als im Vorjahr, kritisieren die Gewerkschafter. Die Zöllner hätten fünf Ermittlungsverfahren wegen nicht gezahlter Mindestlöhne eingeleitet. Den Schaden wegen hinterzogener Steuern und Sozialabgaben gab die IG BAU mit etwa 1,35 Millionen Euro an und nennt diese Zahl „alarmierend“.

„In der Baubranche ist von einer erheblichen Dunkelziffer auszugehen. Viele Dumping-Firmen gehen nicht ins Netz des Zolls, weil die Beamten mit den Kontrollen nicht hinterherkommen“, weiß der IG-BAU-Bezirksvorsitzende Arno Carstensen.

Angesichts des aktuellen Bau-Booms geht er davon aus, dass auch die illegale Beschäftigung stark zugenommen hat. „Das Ausmaß krimineller Machenschaften in der Branche ist enorm. Deshalb müssen die Behörden auch im Kreis Nordfriesland noch viel stärker kontrollieren“, fordert er. Hierfür benötige der Zoll jedoch deutlich mehr Personal – auch beim zuständigen Hauptzollamt Itzehoe. „Für eine effektive Ermittlung brauchen wir Manpower.“

Die IG BAU fordert bundesweit mindestens 10.000 Beamte für den Bereich Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS). Zuletzt waren lediglich gut 6400 FKS-Planstellen besetzt. Die Zollbilanz geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Beate Müller-Gemmeke hervor.

Um mehr Möglichkeiten im Kampf gegen Schwarzarbeit zu haben, schlägt die IG BAU die Schaffung von Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften in allen Bundesländern vor. Die Gewerkschaften könnten an beteiligt werden. „Die Schweiz hat damit gute Erfahrungen gemacht“, erklärt Arno Carstensen. Nach dem „Genfer Modell“ würden dort Gewerkschafter und Arbeitgeber gemeinsam auf dem Bau kontrollieren.

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