50 Jahre Café und Restaurant C. J. Schmidt : Immer die Region auf dem Teller

Unter den Augen der Gäste bereitet Sternekoch Erik Brack Lammfrikadellen mit Bratkartoffeln zu.
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Unter den Augen der Gäste bereitet Sternekoch Erik Brack Lammfrikadellen mit Bratkartoffeln zu.

Traditionelle Spezialitäten und heimische Küche: Seit 50 Jahren besteht das Café und Restaurant im Dachgeschoss des Modehauses C. J. Schmidt. Die Begründer erinnern sich an die Anfangszeit und besondere Begebenheiten.

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29. Mai 2015, 11:00 Uhr

Es war aus Sicht der Händler und Gastronomen ein „kleiner gesellschaftlicher Erdrutsch“, wie sich Peter Cohrs ausdrückt. „Mein Vater wollte Husum aus dem Mittagsschlaf wecken“, erzählt der Chef des Modehauses C. J. Schmidt, „denn bis Mitte der 60er-Jahre wurden um 12 Uhr sozusagen die Bürgersteige hochgeklappt und bis 14 Uhr schlossen die Geschäfte.“ Das änderte sich schlagartig am 3. März 1965, als das Café und Restaurant im Dachgeschoss eröffnet wurde – und das Modehaus selbst durchgehend offen blieb. „So etwas gab es damals sonst nur in Großstädten – und nicht alle Kaufleute in der Innenstadt waren darüber sehr glücklich.“

Viele andere jedoch schon: „Ein herrlicher Ausblick über die Stadt“ titelten die Husumer Nachrichten in ihrem Bericht über die Neueröffnung, und dass das „Einkaufszentrum der Westküste um einen Anziehungspunkt reicher“ geworden sei. Der befand sich direkt unter dem erst fünf Jahre zuvor eingezogenen Flachdach des Hauses in der Krämerstraße – „und mein Opa war grantig, weil er nun sein Büro räumen musste, das er sich in dieser schönen exponierten Lage eingerichtet hatte“, so Peter Cohrs. Die Idee zu dem Café und Restaurant hatten seine Eltern, der damalige Juniorchef Peter Cohrs und seine Frau Karin, gehabt. Und realisiert werden konnte sie nur, weil das Café Wohlert schloss, das in den Räumlichkeiten der heutigen Deutschen Bank beheimatet war: „Der Inhaber sattelte auf reinen Hotelbetrieb um“, erzählt Karin Cohrs. „Das war die Gelegenheit, und wir griffen zu.“ Und zwar gründlich: Das gesamte Café-Personal und alle Gerätschaften wurden übernommen – und die Speisekarte gleich mit. „Rundstück warm stand darauf, Strammer Max und Sauerfleisch sowie Suppen, Würstchen und Kartoffelsalat – selbst gemacht, das war wichtig“, erinnert sie sich. Die Kartoffeln kommen übrigens seit mehr als drei Jahrzehnten vom selben Bauern aus der Gegend, ergänzt ihr Sohn. „Denn wir brauchen besonders für unsere Bratkartoffeln eine Sorte mit ganz spezieller Konsistenz.“

Regionalität sei ohnehin eine wichtige Vorgabe für die Küche, fährt Peter Cohrs fort: „Wir servieren traditionelle nordfriesische Gerichte mit hiesigen Zutaten.“ Und deswegen wurde das Jubiläum auch mit Sternekoch Erik Brack gefeiert, der die Gäste im mittlerweile von 150 auf 260 Plätze gewachsenen Café und Restaurant mit öffentlich zubereiteten Leckereien versorgte. „Man soll die Region auf dem Teller schmecken“, sagt der frühere Küchenchef des Traumschiffs MS „Deutschland“ und jetzige Inhaber des Halligkrogs auf der Hamburger Hallig. „Es gibt so viele tolle Produkte in der Nähe“, pflichtet ihm Peter Cohrs bei. Wie etwa die salzige Butter aus Dänemark, die die Grundlage des seit fünf Jahrzehnten angebotenen Hefegebäcks bildet, Fleisch von Galloway-Rindern, die im Umland der Storm-Stadt auf den Weiden stehen, oder Marmelade aus Enge-Sande, von der es zum 50-jährigen Bestehen des Restaurants auch eine Sonderedition zum Außer-Haus-Verkauf gibt. Die frische Schlagsahne – natürlich seit Jahr und Tag von der Osterhusumer Meierei bezogen – verfeinert einen Kaffee, der direkt auf das Husumer Wasser abgestimmt ist. „Wir haben lange probiert, bis wir den am besten passenden Kaffee gefunden haben“, erzählt Karin Cohrs und fügt hinzu: „Obwohl wir schon mittags fertig waren, konnte ich nachts nach dem vielen Koffein nicht schlafen.“ Die damals auserkorene Marke wird ebenfalls noch heute im Café und Restaurant angeboten.

Und in dem fühlen sich nicht nur die Gäste gut aufgehoben, sondern auch das Personal. „Wir haben immer so gearbeitet als wäre es unser eigener Betrieb gewesen – und so lange, wie es nötig war“, sagt Hildegard Petersen, die im Oktober 1966 zum Team stieß und von 1980 bis 1993 das Café und Restaurant leitete. Jetzt ist sie im Ruhestand, kommt aber trotzdem gerne an ihre alte Wirkungsstätte zurück. „Wir haben sogar einen Stammtisch von ehemaligen Mitarbeitern, die sich hier regelmäßig treffen.“

Auch Hildegard Petersen erinnert sich an zahlreiche Anekdoten. „Am Markttag zum Beispiel kamen die Beschicker, die ja schon seit den Morgenstunden auf den Beinen waren, immer am späten Vormittag hierher – und man wusste bereits im Voraus, wer wo sitzt und was er bestellt.“ Das waren nicht selten harte Alkoholika. „Früher wurde ohnehin viel mehr Schnaps getrunken von den Leuten“, weiß auch Karin Cohrs. Oder fast gar nichts, wenn in den 70er-Jahren scharenweise Schüler kamen und vier Stunden lang rauchend ihre Hausaufgaben machten – bei einem einzigen Glas Cola und mit über die Stuhllehne gehängten Parkas, was verständlicherweise nicht ganz so gern gesehen wurde. Aber so hat wohl jeder Husumer ganz speziellen Erinnerungen an das Café und Restaurant mit einzigartigem Blick über den Binnenhafen, das nun selbst ein fünf Jahrzehnte währendes Stück Stadtgeschichte ist.

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