Für mehr Verkehrssicherheit : Im toten Winkel lauert die Gefahr

Mit Absperrband markiert: Innerhalb des rot-weiß trassierten Bereichs sind die Kinder für den Fahrer unsichtbar.
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Mit Absperrband markiert: Innerhalb des rot-weiß trassierten Bereichs sind die Kinder für den Fahrer unsichtbar.

Polizei und Round Table zeigen Husumer Schulkindern, was ein Lastwagenfahrer im Rückspiegel sieht – und was nicht. Seit 2006 findet dieser praktische Unterricht statt.

shz.de von
20. Mai 2015, 09:00 Uhr

„Das hätte ich nicht gedacht!“ Die Kinder der dritten und vierten Klasse der Klaus-Groth-Schule zeigten sich ziemlich erschrocken über das, was ihnen der Polizeibeamte Martin Schmidt und Eric Schlechter vom Round Table Husum erklärten. Was für die beiden keine Überraschung war: „Dass es im Spiegel einen toten Winkel für Autofahrer gibt, wo sie nichts sehen können, wissen die wenigsten Schulkinder“, sagt Schmidt aus langjähriger Erfahrung. Seit Jahren veranstaltet der Round Table daher in Kooperation mit der Polizei an den Schulen einen praxisnahen Unterricht zum Thema „Raus aus dem toten Winkel“.

An den Grundschulen würden zwar entsprechende Videos gezeigt. „Doch mit praktischen Vorführungen können wir die Kinder besser an das Problem heranführen“, ist sich Schlechter sicher. Dazu wurde auf dem Schulhof ein Lastwagen aufgestellt und der Bereich des toten Winkels durch Absperrungen markiert. „Und dann haben wir die Kinder in diesen toten Winkel hineingestellt, um ihnen die Gefahr aus ihrem Sichtbereich zu verdeutlichen.“

Die kleinen Verkehrsteilnehmer wies das Round-Table-Mitglied dabei nachdrücklich darauf hin, dass sie immer den Blickkontakt zu den Fahrern von Autos oder Lastwagen suchen müssten: „Ihr müsst euch vergewissern, dass ihr wirklich gesehen werdet.“ Dazu sei es aber notwendig, dass sie selbst auch genau wissen, wo der beste Platz dafür ist. Und um auch die Probleme der anderen Seite zu erkennen, durften sich die Kinder sogar selbst einmal ins Fahrerhaus des Lasters setzen und sich vom toten Winkel im Spiegel überzeugen.

Immer wieder käme es durch rechts abbiegende Lastwagen zu tragischen Unfällen mit Todesfolge, weiß Martin Schmidt. „Diese zählen zu den schwersten im Straßenverkehr, da die Opfer kaum eine Chance haben“, so der Polizeibeamte. Und sehr oft liege es eben daran, dass sich Radfahrer oder Fußgänger im toten Winkel bewegten und einfach übersehen würden. Technische Neuerungen sorgen nur zum Teil für Abhilfe: Zwar müssen längst alle neuen Lastwagen generell mit einem erweiterten Spiegelsystem ausgestattet sein und ältere Fahrzeuge mit dem umfangreichen System nachgerüstet werden, zu dem sowohl ein Weitwinkelspiegel als auch ein Rampenspiegel gehört. „Damit wird der tote Winkel jedoch nur etwa um die Hälfte reduziert“, erklärt Schmidt. Erst eine Neuentwicklung aus Holland würde jetzt einen vollständigen Einblick gewähren, so Schlechter. Leider sei dieses Spiegelsystem jedoch gesetzlich noch nicht vorgeschrieben, obwohl es problemlos an jedem Lastwagen-Typ angebracht werden kann.

Bis es so weit ist, wird das 2006 erstmals veranstaltete Schulprojekt vom Round Table wohl weiterhin regelmäßig stattfinden müssen.

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