Im Stil des Heimatschutzgedankens

Zurzeit wird an dem Gebäude die Fassade renoviert. Foto: vb
Zurzeit wird an dem Gebäude die Fassade renoviert. Foto: vb

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12. August 2009, 03:59 Uhr

Husum/Kiel | Das Landesamt für Denkmalpflege in Kiel hat ein weiteres Bauwerk in Husum zum schützenswerten Kulturdenkmal erklärt: das ehemalige Wohnhaus Gramm, Danckwerthstraße 2. Dieses Gebäude aus dem Jahre 1936 weist für den Eintrag in das Denkmalbuch zwei Besonderheiten auf: Es ist ein im Stil des Heimatschutzgedankens erbautes Bürgerhaus mit expressionistischen Elementen. Und: geplant hat es der für Schleswig-Holstein bedeutende Flensburger Architekt Georg Rieve (1888 - 1966). Nach dessen Plänen entstand ebenfalls in den Jahren 1934 bis 1937 in Husum das Ludwig-Nissen-Haus, heute Nordsee-Museum.

Das Kieler Landesamt für Denkmalpflege sieht daher in dem ehemaligen Wohnhaus Gramm "ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung, an dessen Erhalt aus künstlerischen und städtebaulichen Gründen ein öffentliches Interesse besteht". Es gehört nach Ansicht des Amtes "zu den ortsbildprägenden Bauten aus der Zeit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts". Die Unterschutzstellung wurde schon im Dezember 2006 verfügt. Aber erst jetzt hat sie Rechtskraft erlangt. Geschützte Kulturdenkmale dürfen ohne Genehmigung der Unteren Denkmalschutzbehörde beim Kreis weder verändert noch abgerissen werden. Ausgenommen davon sind kleinere Instandsetzungen, wenn sie das äußere Erscheinungsbild und die Bausubstanz nicht verändern.

Nach den Plänen von Georg Rieve ließ Bauherr Greis Marius Gramm - er betrieb am Markt 16 eine Textilwarenhandlung - einen Backsteinbau mit Walmdach errichten, eingedeckt mit einer dunkelgrauen Pfanne. Ein Standerker betont die Straßenfassade des Hauses. Die Eingangsseite (nach Norden) wird durch einen schmückenden Schornstein geprägt und durch einen repräsentativen Eingang betont. Das Landesdenkmalsamt weist besonders auf die "hölzerne, im Original erhaltene Eingangstür" hin, die noch expressionistische Anklänge zeigt. Direkt an das Haus angeschlossen ist eine bauzeitliche Garage. Die Vegetation um das Haus herum allerdings ist sehr hoch, so dass der Baukörper von der Straße her nicht im wünschenswerten Maße zur Geltung kommen kann. Zudem ist das Haus zurzeit eingerüstet. Eine Baufirma ist mit der Sanierung der Fassade beauftragt.

Die Heimatschutzbewegung in der Architektur des Landes entwickelte sich besonders in den 20er Jahren. Sie war eine Gegenströmung gegen die vorherrschende architektonische Überfremdung, vor allem des übernationalen Historismus. Die neue, sich breit entwickelnde Bewegung wollte dagegen die heimatliche Bauweise pflegen und fördern und bevorzugte als Material den hartgebrannten Backstein. Weitere Beispiele für Bauten dieses architektonischen Zeitgeistes sind in Husum das Finanzamt, das Zollamt, das Bahnhofsgebäude an der Herzog-Adolf-Straße sowie das "Landhaus Gehlen" in der Adolf-Menge-Straße.

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