Boule für Einheimische und Urlauber : Im Schlosspark gibt man sich die Kugel

Bärbel Friedrich misst nach: Welche Kugel liegt am nächsten dran am „Schweinchen“?
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Bärbel Friedrich misst nach: Welche Kugel liegt am nächsten dran am „Schweinchen“?

Die kleine Gemeinschaft der Husumer Boule-Spieler freut sich über einen gepflegten Platz, der auch gern von Feriengästen genutzt wird. Jetzt hoffen sie auf eine offizielle Bahn, um Turniere ausrichten zu können.

shz.de von
19. Juli 2015, 12:30 Uhr

Schon seit mehr als 20 Jahren kann man sie im Schlosspark sehen, die Boule-Spieler. Jeden Mittwoch und Sonntag ab 14 Uhr treffen sie sich auf dem Platz vor dem Krankenhaus und gehen ihrer Sportart nach. Und bei gutem Sommerwetter wie derzeit sind sie auch schon mal drei Stunden lang dabei.

Seinen Ursprung hat Boule in der Antike. Schon der griechische Arzt Hippokrates soll den spielerischen Sport um 460 v. Chr. empfohlen haben. Auch im Mittelalter ist er nachweisbar, denn König Philipp V. von Frankreich hat das Spielen im Jahr 1319 verboten. Das Boule, wie es heute bekannt ist, wurde aus Frankreich importiert. Man kennt die Stereotype aus dem Urlaub oder aus französischen Filmen: Ältere Männer, die bei einem Glas Rotwein und netten Gesprächen eine ruhige Kugel schieben. Ziel ist es, mit den Metallkugeln möglichst nah an das „Schweinchen“, eine kleine Holzkugel, heranzukommen.

Genauso entspannt – wenn auch ohne Wein – geht es im Schlosspark zu. Derzeit besteht die Gruppe aus zwölf Männern und Frauen. „Es ist eine nette Mannschaft“, sagt Bärbel Friedrich, Sprecherin der Spielgemeinschaft Schlosspark-Boule-Husum. Sie macht aber auch deutlich, dass Boule ein Sport ist, bei dem es um Taktik und Können geht. „Wir spielen in zwei Teams gegen einander. Die Leger können ihre Kugel gezielt nah ans Schweinchen werfen. Andere sind gut darin, Kugeln des Gegners wegzuschießen.“ Boule fördere Koordination, Konzentration, Ausdauer und Präzision. „Und es ist ein Spiel, das Spaß macht“, sagt Otto Werth.

Ronald Zander genießt besonders die Geselligkeit in der Gruppe: „Wenn es die Arbeit hergibt, komme ich auch schon mal in der Mittagspause dazu.“ Gefunden hat er die Gruppe eher zufällig, als er im Schlosspark war, und hat sich dann schnell angeschlossen. Denn Mitmachen kann hier jeder: „Wir haben Übungskugeln, die wir verleihen“, sagt Bärbel Friedrich. „Wer dabei bleiben möchte, sollte sich aber eigene Kugeln kaufen. Ab 60 Euro bekommt man schon vernünftige.“

Lange Zeit spielte die Gruppe auf den Wegen im Schlosspark, hauptsächlich beim Wasserturm. Dann zogen sie sich auf den kleinen Platz vor dem Krankenhaus zurück, weil er als plane Fläche besser für Boule geeignet ist als die unebenen Wege. Nachdem der Platz in letzter Zeit mit Unkraut zugewachsen war, reagierte die Stadt nun auf ein Schreiben der Spielgemeinschaft und pflegt den Platz wieder. „Außerdem möchten wir hier eine Infotafel aufstellen und würden uns freuen, wenn die Stadt irgendwann einmal eine offizielle Boule-Bahnen schaffen würde“, sagt Bärbel Friedrich. Denn nicht nur Husumer treffen sich hier, es ist auch eine echte kleine Touristen-Attraktion: „Viele Urlaubsgäste bringen ihre Kugeln mit, spielen hier und genießen das Park-Ambiente. Auf der Homepage www.boule-in-schleswig-holstein.de haben sich alle Boule-Gruppen im Land zusammengetan und ihre Plätze und Zeiten ausgewiesen. So weiß jeder Tourist, wo und wann er hier im Schlosspark spielen kann. Und wenn wir eine offiziellen Bahn hätten, könnten wir sogar kleine Turniere ausrichten.“

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