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24 Stunden Husum: 13 bis 14 Uhr : Im Reich der Schrotthaufen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wenn woanders die obligatorische Mittagsruhe ausgerufen wird, herrscht im Husumer Gewerbegebiet reger Betrieb: Auf dem Recycling-Hof der Firma F. Ehrich wird tonnenweise Abfall angeliefert und sortiert.

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erstellt am 10.Sep.2013 | 17:00 Uhr

In der Serie „24 Stunden Husum“ begeben wir uns an die unterschiedlichsten Orte der Stadt – jeweils für eine Stunde. Heute Teil 8: Hinter den Kulissen eines Abfallbetriebs.

 

Zwölf Uhr mittags – vielerorts bedeutet das: Ruhezeit. Fünf Meter von Achim Jens entfernt ist es jedoch alles andere als ruhig. Mit einem lauten Knirschen greift der Fuchs-Bagger einen Haufen Schrott, der unter dem Manöver ächzt. Jens sitzt in der Kabine des Kraftpakets und steuert den Greifer samt Ladung zu einem anderen Stapel. Der 25-Jährige sortiert die verschiedenen Metallarten auf dem Gelände der Firma F. Ehrich – ein brachialer Akt, der jedoch im Sinne einer nachhaltigen Wiederverwertung von entsorgten Materialien ist. Und gleichzeitig ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für das Recycling-Unternehmen.

„Einen Bagger steuern ist Übungssache“, sagt der gelernte Kaufmann in der Fahrerkabine hinter den Panoramascheiben. Mit nur leichten Fingerbewegungen schwenkt er den tonnenschweren Greifer unter den Augen von Kerstin Scheil zwischen den diversen Metallsorten hin und her. Noch bis vor kurzem leitete sie den 2007 im Husumer Gewerbegebiet eröffneten Standort der Rendsburger Firma Ehrich. Mittlerweile hat sie Carsten Wölk als Prokurist abgelöst. Eine komplexe Aufgabe, denn auf 10.000 Quadratmetern lagern die verschiedensten Stoffe von Bauschutt über Papier und alten Autokarossen bis hin zu Gartenabfällen. „Das Geschäft mit Schrott ist stabil“, sagt Scheil. „Abfälle fallen immer an.“ Und es ist international: Was in der Johannes-Mejer-Straße angeliefert wird, kommt in die Wiederaufbereitungsanlage nach Rendsburg und wird von dort aus auf Schiffe beispielsweise in die Türkei, nach Spanien oder Irland verschifft. Metalle werden von den hiesigen Mitarbeitern gereinigt, auch vermarktet und an Hütten in ganz Deutschland verkauft. Einmal gereinigt, habe das Metall die gleiche Qualität wie neues Material. Auch ein Umschlagplatz für Kompost ist Husum. „Altes Holz geht von hier aus zum Beispiel an Heizkraftwerke“, erklärt Scheil.

Sie geht vorbei an Holzhaufen, Schwermetallen, Fahrrädern und verbeulten, alten Autos. Kürzlich wurde eine Automobil-Aufbereitungsstelle eröffnet. Das Areal wächst. Auf bereits 1000 Tonnen schätzt Scheil das Gewicht des Schrottes, der hier lagert. Bei so viel Müll ist eine möglichst naturschonende Verarbeitung besonders wichtig. „Abfallbetriebe werden jedes Jahr komplett überprüft. Die Zeiten, in denen gedankenlos Müll entsorgt wurde, sind vorbei“, sagt Scheil, während sie in die große Halle geht.

Hier lagert alles, was nicht nass werden darf. Papier zum Beispiel, das ebenfalls ins Ausland verkauft wird. Im hinteren Bereich stehen Ali Osman und Franz Pfanenstil vor einem großen Knäuel aus schwarzen Kabeln. „Wir trennen das Kupfer von der Ummantelung“, erklärt Osmann.

Klar, dass der Rohstoff Müll auch für Diebe attraktiv ist. „Es kommt immer wieder vor, dass die Polizei bei uns nach eventuell abgegebener Hehlerware nachfragt. Aber wir sind skeptisch und fragen konsequent nach, wenn uns etwas verdächtig vorkommt“, sagt Scheil. Zweimal kam es auch schon zu Einbrüchen bei Ehrich – das zeigt: Schrott ist ein attraktiver Rohstoff. Auch für Achim Jens in seinem Bagger. Denn er hat nach seiner kaufmännischen Lehre in der Firma einen neuen Beruf gefunden.

 

Teil 9 morgen: Was passiert eigentlich zwischen Toilettenspülung und Nordsee? Eine Stippvisite im Klärwerk klärt auf.

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