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Krankenhaus Tönning : Im Konflikt der Verantwortungen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Unter Eiderstedter Kreistagsabgeordneten löst die mögliche Klinik-Schließung in Tönning gemischte Gefühle aus. Auf der einen Seite steht die Kostenfrage, auf der anderen die Versorgungsaufgabe.

Dass sie für den Erhalt des Krankenhauses in Tönning kämpfen werden, haben Tönninger und Eiderstedter Kommunalpolitiker bereits angekündigt (wir berichteten). Doch was ist mit den Eiderstedtern, die am 11. Dezember in der Sitzung des nordfriesischen Kreistags über die Zukunft des Hauses in der Selckstraße zu entscheiden haben? Wie stehen die sieben Kreistagsabgeordneten der Halbinsel zu einer Abschaffung des stationären Angebots in der Klinik Tönning und zu seiner Umwandlung in ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ)? Auf der einen Seite sind sie als Abgeordnete de facto Gesellschafter des Klinikums, auf der anderen in der gleichen Rolle der Halbinsel gegenüber verantwortlich.

Der Gutachter Karl-Heinz Vorwig hat empfohlen, im Rahmen einer grundlegenden Umstrukturierung des Klinikums Nordfriesland aus wirtschaftlichen Gründen, das stationäre Angebot in Tönning aufzugeben. Damit wäre Eiderstedt von allen Standorten am gravierendsten von den Maßnahmen betroffen.

Einen sehr tiefen Einblick in die Materie hat Uwe Schwalm aus Tating. Der Grünen-Abgeordnete ist Mitglied des Klinikum-Aufsichtsrates. „In der Fraktion haben wir noch keine abschließende Meinung. Aber ohne schmerzhafte Einschnitte wird es nicht gehen. Es wird sehr schwer, die stationäre Behandlung aufrechtzuerhalten.“ Auch zwei weitere Gutachten aus den vergangenen zwölf Jahren seien zu diesem Ergebnis gekommen. Allerdings: „Als Eiderstedter wünsche ich mir persönlich den Erhalt.“ Aber wenn nichts passiere, werde der Geldgeber, die Nospa, das Klinikum in der ersten Jahreshälfte in die Insolvenz laufen lassen. „Dann müssten wir verkaufen. Und was ist dann mit den Arbeitsplätzen?“ Er gehe davon aus, dass dort ein MVZ eingerichtet wird.

Mery Ebsen (WG-NF), die in Tönning auch Stadtvertreterin ist, sieht noch viel Klärungsbedarf, insbesondere, welche Möglichkeiten des Erhalts es gibt. Eine Schließung sei nicht hinnehmbar. Ein Krankenhaus soll wirtschaftlich betrieben werden, aber dabei gehe es doch um unser wichtigstes Gut, die Gesundheit, stellt sie diesen Ansatz in Frage. Sie könne sich ein MVZ in Tönning nicht vorstellen. Wer soll Träger sein? Wie wird es finanziert? Sind die Ärzte angestellt oder selbstständig? Was ist, wenn sich keine Ärzte finden lassen? „Ich denke nicht, dass wir das im Dezember entscheiden werden, dafür ist die Sache zu wichtig. Ich werde sicherlich nicht die Hand dafür heben, dass hier die Lichter ausgehen.“ Insbesondere mit Blick auf die alten Menschen. „Wir Tönninger und ganz Eiderstedt werden reagieren.“ Schon länger habe sie befürchtet, dass eine Schließung erfolgen könnte, aber bislang sei immer nur von einer Umstrukturierung die Rede gewesen.

Friedrich Busch (CDU), ihr Kollege aus der Stadtvertretung, der wie sie auch im Kreistag sitzt, gibt offen zu, dass zwei Herzen in dieser Angelegenheit in seiner Brust schlagen. Als Tönninger stehe natürlich der Erhalt des stationären Angebots im Vordergrund. „Aber als Kreistagsabgeordneter muss man auch die Kosten im Auge haben, angesichts eines Haushaltsdefizits des Kreises von sechs bis sieben Millionen Euro.“ Auf der anderen Seite sei natürlich auch daran zu denken, dass Angebot in der Fläche zu halten. „Aber wenn die stationäre Einrichtung bleibt, dann müssen die Kosten sehr genau betrachtet werden.“ Seine Fraktion werde das Thema in der kommenden Woche beraten.

Deutlich verhaltener äußerte sich Jörg-Friedrich von Sobbe (CDU) aus St. Peter-Ording. „Ich werde mich umfangreich mit dem Gutachten befassen, um dann als Klinikum-Gesellschaftsvertreter für die Landschaft zu sehen, welche Wege noch offen sind.“

Die beiden SPD-Kreistagsabgeordneten für Eiderstedt, Nico Hamkens und Dirk Althof, sowie Martje Seemann (Bündnis90/Die Grünen) waren gestern bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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erstellt am 06.Nov.2015 | 07:00 Uhr

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