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Spontane Namensfindung : Im Jubiläumsjahr spielen sie zu Hause

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Es begann mit einer Aufführung zum Ernteball in der Gemeinde: De junge Lüüd ut Löwenstedt bestehen seit 30 Jahren. Im Jubiläumsjahr führen sie „An de Arche Klock acht“ in ihrem Heimatort auf.

Genau 30 Jahre ist es jetzt her, seit einige junge Leute aus Löwenstedt zum Ernteball 1985 mit „De vergnöögte Bimmelbahn“ ein plattdeutsches Theaterstück auf die Bühne brachten – ohne zu ahnen, dass dieser Zug schon bald gewaltig an Fahrt aufnehmen und jahrzehntelang nicht zum Stehen kommen würde. Das war vor allem Tilla Lorenzen zu verdanken, die mit den spielfreudigen Jungs und Deerns in den folgenden Jahren viele umjubelte Stücke einstudierte. Sie gab der Truppe auch den Namen: Auf einem niederdeutschen Spielgruppentreffen danach gefragt, sagte sie spontan „Wi sind de Junge Lüüd ut Löwenstedt“. Dabei blieb es.

Gerne erinnern sich die Akteure von damals an die ersten Stücke wie „Fru Ilsebill“, „De Singschooster“ oder „König Drosselbart“. Ein besonderer Höhepunkt waren Mitte der 1990er Jahre die gemeinsam mit dem Musik-Club Viöl gefeierten 40 Aufführungen von „Een lütte verzauberte Fleut“, die allen viel Lob einbrachten. Motor dieser Erfolge war und blieb Tilla Lorenzen, die im Laufe der Jahre mehrfach für ihre Arbeit ausgezeichnet wurde: 1995 mit dem Niederdeutschen Literaturpreis der Stadt Kappeln und 1999 mit dem Hans Momsen-Ehrenpreis des Kreises Nordfriesland für kulturelle Verdienste. Die Verleihung von „Dat grote P“, dem Ehrenpreis des Fördervereins Plattdüütsch-Zentrum in Leck im Jahr 2005, hat die kurz zuvor verstorbene Gründerin zwar nicht mehr miterleben können, „aber sie wusste, dass wir diesen Preis bekommen würden und hat sich sehr darüber gefreut“, erinnert sich Gesa Retzlaff, die von Anfang an mit dabei war und seit 2003 bei den Jungen Lüüd den Vorsitz innehat.

Die Chronik zum 25-jährigen Bestehen im Jahr 2010 war bereits gespickt mit bemerkenswerten Erfolgen, nun erfährt diese Geschichte eine vielversprechende Fortsetzung mit dem mehrfach gespielten Dinner-Krimi „Familienbande“ in der Gaststätte Friedensburg und der Verleihung des „Plattdüütsch Emmi“, der den Löwenstedtern in diesem Jahr für das generationsübergreifende Stück „Momo“ zuerkannt wurde. Auch über die jüngste Nominierung für den Deutschen Bürgerpreis in Schleswig-Holstein haben sich die Akteure sehr gefreut, selbst wenn es am Ende nicht ganz für den Sieg gereicht hat. Dafür ist das Interesse der Dorfjugend am Theater spätestens seit „Momo“ umso größer: In der neuen Nachwuchsgruppe von Steffen Ketelsen und Sandra Kemper-Petersen sind Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 16 Jahren gerade dabei, die Bühne für sich zu entdecken.

Bereits seit 1987 dürfen die Jungen Lüüd ut Löwenstedt in der zum Mehrzweckraum umgebauten Kapelle proben, nun sollen in dieser besonderen Atmosphäre auch Aufführungen stattfinden. „Mit unserem neuen Theaterstück laden wir erstmals ganz bewusst nach Löwenstedt ein und werden nicht, wie sonst, mit unserem ganzen Gepäck zu den Zuschauern reisen“, so Gesa Retzlaff. In „An de Arche Klock acht“ sinnieren drei Pinguine darüber, ob es den lieben Gott überhaupt gibt, ob er wirklich alles sieht und es dabei immer gut mit den Erdenbewohnern meint. Die Glaubensfrage wird umso aktueller, als die Sintflut kommt und für Noahs Arche nur zwei Tickets für die Pinguine zur Verfügung stehen. Einen von ihnen im Stich zu lassen, das kommt für die drei niedlichen Gesellen überhaupt nicht in Frage. Damit alle an Bord gehen können, fassen sie einen waghalsigen Plan… Wer wissen möchte, wie die Geschichte ausgeht, sollte eine der Aufführungen in der Kapelle besuchen: am 4. und 5. Dezember ab 19.30 Uhr sowie am 12. und 19. Dezember ab 16.30 und 19.30 Uhr.

Wie sehr die Löwenstedter ihre Jungen Lüüd schätzen, beweist nicht nur die große Zahl an treuen Mitgliedern, von denen viele von Anfang an mit an Bord sind. Manche der einst aktiven Spieler begleiten nun schon ihre eigenen Kinder zu den Proben, andere sind nach wie vor stets ganz vorne aktiv mit dabei, wie etwa Bühnenbauer Heino Sachwitz, Spielleiterin Gesa Retzlaff und die Vize-Vorsitzende Dörte Schilling, die im neuen Stück die Taube spielt.

Und auch sonst machen die Jungen Lüüd alles selbst: Für die Kostüme zeichnet Martina Siewertsen verantwortlich, um die Maske kümmern sich die Kemper-Schwestern. Die Lichttechnik liegt in der Hand von Mirko Sachwitz und Thies Jensen, für den guten Ton sorgen Torge Petersen und Simon Hansen. Die Plakate gestaltete Helge Petersen und der Bühnenprospekt mit der immerhin zweieinhalb Meter hohen Arche im Hintergrund stammt von Christiane Clausen . Pastorin Inke Thomsen-Krüger studierte den Gesangspart mit den Akteuren ein, als Souffleuse fungiert Leila Jensen. Karten für die Aufführungen gibt es bei der Husumer Volksbank in Viöl und Husum.

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