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Überraschende Entdeckung : „Im Gras lagen 30 Lämmerschwänze“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auf einem Deich bei Westerhever macht eine Spaziergängerin eine etwas gruselige Entdeckung. Die Erklärung: Aus hygienischen Gründen werden Lämmern die Schwänze kupiert.

von
erstellt am 13.Mai.2017 | 16:00 Uhr

Brigitte Arndt aus Lübeck traute ihren Augen nicht, als sie am Deich von Westerhever spazierenging: Auf Höhe des Leuchtturms lagen rund 30 kleine Lämmerschwänze im Gras verstreut, wie sie berichtet. Sie konnte sich zunächst keinen Reim darauf machen. Beim näheren Betrachten stellte sie dann fest, dass ein Gummiring daran steckte. Nun war ihr klar, was passiert war: Den Lämmer war auf diese Art ein Stück Schwanz entfernt worden. Durch den starken Druck des Ringes stirbt das Gewebe, und das Schwanzende fällt irgendwann ab.

„Das wird bei Zuchttieren so gehandhabt und ist laut Tierschutzgesetz erlaubt“, erklärt Janine Bruser, Geschäftsführerin des Landesverbandes Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter, auf Anfrage. Das Prozedere habe hygienische Gründe. In der Wolle am Schwanz und an den Hinterbeinen der Schafe bleibe häufig Kot kleben. Darin legen Fliegen gerne ihre Eier ab, aus denen dann Maden schlüpfen, die sich auch in die Haut bohren können. „Das geht unheimlich fix“, sagt Janine Bruser. „Abends kann das Tier noch völlig in Ordnung und am nächsten Morgen schon von Maden befallen sein.“ Wer so etwas einmal gesehen habe, werde Verständnis für das Schwänze kupieren aufbringen. „Der Ring macht dem Tier verhältnismäßig weniger Stress als nachher die Maden“, so Janine Bruser. Zumal diese für die Schafe auch lebensgefährlich werden können, wie in der Fachliteratur nachzulesen ist. Stoffwechselprodukte der Maden und die von ihnen verursachten Schädigungen der Haut können rasch zum Tod des Tieres führen. Diese Methode wird bei den ganz kleinen Lämmer angewandt, die nicht älter als acht Tage sein dürfen, später müssen die Tiere betäubt werden, so Janine Bruser. Eine Alternative zum Kupieren sei das regelmäßige Scheren von Schwanz und Hinterhand. „In kleineren Betrieben wird das gemacht. Halter von großen Herden können das jedoch nicht leisten.“

Brigitte Arndt bringt dafür ein gewisses Verständnis auf. Was sie kritisiert, ist, dass die Gummiringe samt Schwänzen auf dem Deich liegenbleiben. „Was ist, wenn ein Vogel einen solchen Ring verschluckt oder sich versehentlich über den Schnabel zieht?“ Zudem werde schon genug Plastikmüll aus der Nordsee an die Küste geschwemmt.

„Laut Vertrag müssen die Pächter unserer Deichflächen für eine ordnungsgemäße Bewirtschaftung sorgen“, sagt Hendrik Brunckhorst, Pressesprecher des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN). Es sei nicht explizit aufgeführt, die Ringe und die Schwänze wieder einzusammeln. Doch sollte es gemacht werden. Der Schäfer war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

 

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