zur Navigation springen

Husums Experimenttheater : Im Fundus die Zeit vergessen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Darsteller des Experimenttheaters proben ihr neues Stück „Bernada Albas Haus“, das am 7. Mai Premiere feiert.

von
erstellt am 05.Apr.2017 | 06:55 Uhr

Die Haltung der dunkel gekleideten Frauen auf der Bühne spiegelt das strenge Regiment wider, das sie ertragen müssen, seit die Mutter nach dem Tode des Vaters acht Jahre Trauer ausgerufen hat. Mit gesenkten Köpfen huschen ihre fünf Töchter durch das Haus, die Stimmung leidet unter den wachsenden Konflikten… Das ist der Stoff, aus dem Tragödien sind. Ein Genre, das der spanische Autor Federico García Lorca perfekt bedient hat, als er 1936 diese bewegende Geschichte über die unterdrückten jungen Frauen in den Dörfern Andalusien schrieb: „La Casa de Bernada Alba“, zu Deutsch: „Bernada Albas Haus“. An diesen hochdramatischen Dreiakter wagt sich gerade das Husumer Experimenttheater. Die Proben im Speicher laufen bereits auf Hochtouren; die Aufführungen sind für den 7. Mai, 17 Uhr, im NordseeCongressCenter, und den 9. Juni, 20 Uhr, im TSBW geplant.

Über die Kostüme zu diesem Stück mussten sich die drei Regisseurinnen Andrea Marcussen, Gaby Jäger und Susanne Liedtke vorab keine großen Gedanken machen: Alle Darstellerinnen tragen schwarz, einziger Lichtblick ist die weiße Schürze der Magd. Da die Frauen zudem kaum geschminkt sein müssen und vor karger Kulisse spielen, gibt es diesmal weder für die Maske noch für die Requisite viel zu tun. „Wir machen aber sowieso fast immer alles selbst: schminken, frisieren, einkleiden“, sagt Gaby Jäger. Und das klappt, weil jeder mit anpackt, wenn es vor, auf oder hinter der Bühne etwas zu tun gibt. Dass es diesmal keine aufwendigen Kostüme gibt, ist für alle vollkommen okay.

Keiner vermisst etwas – bis zu dem Moment, als Andrea Marcussen und Gaby Jäger im Fundus nach dem Rechten schauen wollen und dieses Ziel sehr schnell aus den Augen verlieren: Als sie das Rolltor zu dem kleinen Lager unweit des Binnenhafens öffnen, entfährt ihnen ein verzücktes „Ach, ist das schön!“ Und schon tauchen sie ein in die Welt der Kostüme, die in bunter Vielfalt auf diversen Ständern hängen. Es dauert nicht lange, dann reicht es den beiden nicht mehr, die Sachen nur anzufassen. Sie müssen etwas anprobieren: Die eine schlüpft in die viel zu große Uniform eines Flugkapitäns, der sich mit einer Feuerwehrmütze als Accessoire zufrieden geben muss. Die andere wühlt in den prachtvollen Ballkleidern und braucht unbedingt noch das güldene Krönchen dazu: „Einmal Prinzessin sein“, sagt sie lachend und entscheidet sich dann doch für das frivole Outfit einer Tänzerin.

Bei der Suche nach den passenden High Heels stößt Gaby Jäger auf achtlos ins Regal geworfene Perücken. Aufsetzen möchte sie die wuscheligen Dinger aber nicht: „Die jucken immer so schrecklich!“ Derweil kämpft ihre Kollegin mit der staubigen Feder-Boa um den Hals, dann mit einer Hitzewelle und schließlich mit einem Niesreiz. Schnell weg mit dem Ding! Riesige alte Koffer kommen zutage, echt aussehende Pistolen und Schwerter, chinesische Fächer und knallgelbe Sonnenschirmchen, die sich nur noch mit Mühe öffnen lassen. „Oooh, schau mal“, ruft Andrea plötzlich und setzt sich einen Zylinder auf. Prompt greift Gaby zur Melone gleich dahinter.

Bei dem Spaß, den die beiden Frauen beim Stöbern haben, dauert es eine Weile, bis die Ernüchterung durchdringt: Stimmt ja: Für „Bernada Albas Haus“ benötigen die Akteure lediglich schlichte Klamotten in allen erdenklichen Schwarztönen – und nichts von dem ganzen Schnickschnack hier. Der Fundus hätte für das Stück gar nicht geöffnet werden müssen, denn das „kleine Schwarze“ hat jeder selbst zu Hause im Schrank. Schade eigentlich. Karten gibt es in Husum bei der Buchhandlung Liesegang und in Bredstedt im Café Frieda.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen