Friedrichstadt und Mildstedt : Im Einsatz für die Bienen

In der Mildstedter Schulküche sind die Schüler dabei, Wachs von den Waben zu kratzen.
In der Mildstedter Schulküche sind die Schüler dabei, Wachs von den Waben zu kratzen.

Um Bienen und anderen Insekten wieder mehr Nahrung zu bieten, gibt es in Friedrichstadt ein neues Großprojekt. Unterdessen ernten die Schüler in Mildstedt ihren eigenen Honig.

shz.de von
04. Juli 2018, 09:00 Uhr

Bienen in Not: In Deutschland gilt nach Angaben des Naturschutzbundes jede Dritte der 560 Wildbienen-Arten als gefährdet oder vom Aussterben bedroht. 39 Arten sind bereits ausgestorben. Einer der Gründe dafür ist nach Ansicht von Wissenschaftlern und Umweltschützern die industrielle Landwirtschaft mit ihren großen Acker- und Weideflächen. So werden den Bienen Lebensraum und Nahrungsquellen geraubt. Um den Tieren diese Quellen wieder zurückzugeben, gehen im Bereich des Amtes Nordsee-Treene immer mehr Projekte an den Start.


Ein Paradies für Insekten

Dazu zählt auch das Bienen-Blüten-Projekt in Friedrichstadt, das Lehrerin Thekla von Oven zusammen mit Kollegin Nicola Roggow ins Leben gerufen hat. Es ist so angelegt, dass es mühelos – über ein paar Schritte vom Fußweg in der Schleswiger Straße aus – erreicht werden kann. Auf einer größeren Fläche, die in Form eines großen Herzens angelegt und mit Baumstämmen eingefasst ist, wachsen Kornblumen, Ringelblumen, Sauerampfer und viele andere Pflanzen, die die Bienen anlocken.

Mit Erfolg, denn mittlerweile haben nicht nur Haus-, sondern auch wilde Bienen den Weg hierher gefunden. Beobachter können auf den aufgestellten Bänken Platz nehmen und dem Insekten-Treiben zuschauen.

Auf Begeisterung stößt die neue Anlage übrigens bereits bei den Schülern der benachbarten Eider-Treene-Gemeinschaftsschule: Sie wechseln sich gerne bei den Arbeiten ab und nehmen den bereitliegenden Gartenschlauch in die Hand.

„Wir hatten Kontakt zu dem Verein Mellifera aufgenommen“, erzählt Thekla von Oven. „Das ist eine Initiative für Bienen, Mensch und Natur. Von dort haben wir sehr gute Unterstützung und auch die Saat bekommen. Wir möchten gerne noch ein Insektenhotel bauen.“ Die Schüler und die Leiterin der Schulaußenstelle, Steffi Schulz, ziehen mit: Die Klasse 8c trug Steine und Baumstämme heran, mit denen die Fläche eingegrenzt wurde. Beim täglichen Bewässern wechseln sich alle ab. „Die Stadt hat uns unterstützt. Es musste ja erstmal eine größere Fläche von Grassoden befreit und neue Erde aufgefüllt werden“, so von Oven.

Wer Lust hat, mitzuhelfen, kann sich im Sekretariat der Eider-Treene-Schule unter Telefon 04881/651 melden.


Zuwachs bei den Schulbienen

Mehrere Bienenvölker stehen im idyllisch gelegenen 1,7 Hektar großen Schulbiotop der Gemeinschaftsschule Mildstedt. Jetzt gingen 20 Schüler des Wahlpflichtkurses unter Leitung ihrer Lehrerin Dörte Pohns in weißen Imkeranzügen an die Honigernte. „Mit acht Völkern sind wir in den Winter gegangen“, erklärt Pohns, die zugleich Imkerin ist und dem Imkerverein Husum-Eiderstedt angehört. „Bis zu den Osterferien hatten wir noch sieben Völker; in den Ferien sind uns aber drei Bienenvölker weggestorben.“ Aus drei Völkern – ein Volk besteht aus rund 60 000 Tieren – wurden drei Ableger-Völker gebildet. Jetzt verfügt die Schule wieder über acht Völker. Ungebetenen Zuwachs verzeichnen die Schüler aber ebenfalls, wie die Lehrerin berichtet: „Unter einem der Bienenvölker hat sich ein Hornissenvolk angesiedelt und ein Nest gebaut.“ Zur Zeit wird noch beraten, wie man damit umgeht.

Die Ernte ist mit nicht einmal 40 Pfund in diesem Jahr etwas karg ausgefallen. „Wir sind spät dran“, sagt die Imkerin. „So haben sich die Bienen bereits zum Teil davon ernährt.“ Zum Vergleich: In 2017 wurden 60 Pfund Honig geerntet und 2016 sogar 140 Pfund. Verkauft wird der abgefüllte Honig aus der Schülerfirma „Summ und Söt“ im örtlichen Einkaufs-Markt. Die Etiketten werden von den Schülern selbst entworfen. An jedem Mittwoch sehen die Mädchen und Jungen im Biotop nach ihren Bienen. Oft gibt es dabei Unterstützung durch den Vorsitzenden des Imkervereins Husum-Eiderstedt, Günter Hoffmann.

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