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Husumer Nachrichten

25. November 2017 | 12:32 Uhr

Bredstedt : Im Biotop für das Leben lernen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ehrt Schüler und Lehrer der Gemeinschaftsschule Bredstedt mit dem Landesschulwaldpreis.

von
erstellt am 23.Sep.2017 | 21:00 Uhr

Staunende Blicke bei einem Rundgang durch die Anlage: Dort, wo noch vor fünf Jahren ein Gelände langsam aber sicher verwilderte, ist jetzt etwas Großes entstanden: Schön angelegte Wege, eine komplett ausgestattete Werkstatt, ein Bienenhaus, ein Biotop, selbstgemauerte Bögen und eigenhändig hergestellte Sitzmöbel. Für ihren besonderen Einsatz in ihrem Schulwald und Schulbiotop haben die Schüler der Gemeinschaftsschule Bredstedt von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) den Landesschulwaldpreis erhalten. Dotiert ist er mit 500 Euro.

Initiiert hat das Projekt Lehrer Ulf Westphal (59). 2012 war er von Mildstedt nach 17 Jahren an der damaligen Grund- und Hauptschule, später Regionalschule, nach Bredstedt gewechselt. Zuvor hatte er an seiner alten Wirkungsstätte gemeinsam mit seinem Kollegen Christen Hingst ein Konzept für einen Schulwald entwickelt, ausprobiert und weiterentwickelt. Hier in Bredstedt übernahm er „ein verwachsenes Weidengrundstück an der grünen Realschule“, das brach lag. Im März 1985 hatte der damalige Biologielehrer und durch das Naturzentrum bekannt gewordene, spätere Hans-Momsen-Preis-Träger Walter Fiedler eine Projektwoche Schulwald initiiert. Eine Biotop-Arche war geplant, wurde aber aus Kostengründen nie realisiert. Nach Fiedlers Pensionierung 1987 sei, so Ulf Westphal in seinen Erinnerungen, das Biotop sich selbst überlassen worden.

30 Jahre später ist das Areal an der Schule – ein völlig anderes. Vier Stunden pro Woche, teilweise auch in ihrer Freizeit, sind die Schüler hier im Schulbiotop. Ulf Westphal unterrichtet im Rahmen des Wahlpflichtkurses die Klassen sieben bis neun, sein Kollege Sönke Petersen die zehnten. Westphal: „Jeder kann sich hier nach seinen eigenen Fähigkeiten einbringen.“ Das sei ein wichtiger Schritt für die Berufsfindung. „Und die Schüler können beobachten, dass sich aus ihrer Arbeit hier etwas entwickelt.“

Anke Erdmann, Staatssekretärin im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND) hält nicht nur die Laudatio zur Preisverleihung, sie setzt sich beim Rundgang immer wieder von der Menge ab und lässt sich – alleine und in aller Ruhe – von den Schülern der 7f die verschiedenen Stationen erklären. Und was sie sieht, beeindruckt die Kielerin. Sie beobachtet Jonas Wartzak und Jonas Schwanz, wie sie für den selbst restaurierten Einachsträger einen Anhänger bauen, bestaunt die von Janne Rahn und Tjark Schmidt selbst gefertigten Klappbänke. Selbst gebaut ist auch der Räucherofen, entstanden in acht Doppelstunden. Tade Nielsen und Mattes Hansen führen ihr Werk vor. Erdmann setzt sich zu Janna Petersen, Nele Friedrichsen und den anderen Mädchen, die mit Sägen Stämme bearbeiten und die Umzäumung für das gesamte Biotop bauen. „Was ist ein Highlight für euch?“, will die Staatssekretärin schließlich wissen. „Einfach draußen zu sein, bei den Pflanzen und den Tieren“, antwortet die 13-jährige Janna. Das sei besser, als in den Klassenräumen.

Die Honigernte im eigenen Imkerhaus sei dieses Mal schlechter ausgefallen, sagt Lehrer Ulf Westphal. „Wir haben 28 bis 29 Kilogramm erhalten. Im vergangenen Jahr waren es noch 60 bis 70 Kilogramm.“

„Es ist beachtlich, was ich hier gesehen habe“, bekennt Anke Erdmann in ihrer Laudatio und lobt ein lebendig bewirtschaftetes Biotop. „Toll, dass das alles hier Teil des Unterrichts ist.“ Und: „In eurem grünen Klassenzimmer lernt man jede Menge fürs Leben.“ Jeder habe hier die Chance, bei sich völlig neue Talente zu entdecken.

„Der Preis ist berechtigt“, sagt auch Stephan Mense von den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten anerkennend. Er hat die Leitung der Waldpädagogik im ErlebnisWald Trappenkamp. „Es ist ein Vorzeigeprojekt, eine eigene Welt. Und es ist Bildung im besten Sinne. Wir würden uns freuen, wenn noch mehr Schulen diesem Beispiel folgen.“ (Kontakt: info@erlebniswald.forst-sh.de, 04328/17048-0).

Gute Beziehungen unterhält Ulf Westphal zum Jugendwaldheim Süderlügum mit Förster Torsten Bensemann an der Spitze. Entstanden ist eine Kooperation. In einem 14-tägigen Austausch gehen die Schüler nach Südtondern und machen bei voller Verpflegung und Unterkunft ein Betriebspraktikum Forstwirt. Dabei lernen sie deren Aufgaben kennen. Westphal: „Sie sind begeistert, wollen häufig gar nicht mehr weg. Wenn sie zurückkommen, kriege ich jedesmal eine andere Klasse wieder“.

Ein Projekt mit Nachhaltigkeit – in jeglicher Hinsicht. Knut Jessen, Bredstedts Bürgermeister und 26 Jahre lang hier Schulleiter, zollt den Jugendlichen Anerkennung. „Ich bin mir sicher, dass das alles hier niemals fertig werden wird. Denn ihr baut mit Naturmaterialien, und die werden verrotten. Die nächste Generation wird kommen und alles wieder aufbauen. Und das ist beruhigend.“

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