Klärwerk Husum : Im Abfluss ist noch lange nicht Schluss

Fachkraft Dieter Petersen im Husumer Klärwerk. Was hier investiert wird, muss auf Gebühren umgelegt werden.
Fachkraft Dieter Petersen im Husumer Klärwerk. Was hier investiert wird, muss auf Gebühren umgelegt werden.

Husums Kläranlage ist alt, aber noch immer auf dem neuesten Stand

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11. Januar 2019, 15:44 Uhr

Sie ist eine alte Dame, aber noch immer gut in Schuss. Ohne sie geht gar nichts, und doch kennen die meisten sie nur aus der Ferne. Nicht etwa, weil sie unangenehm röche. Da gibt es Schlimmeres. Aber wer besucht schon freiwillig eine Kläranlage? „Viele“, sagt Ekkehard Lenius, Werkleiter der Stadtwerke Husum Abwasserentsorgung, „von der Kindergarten-Gruppe bis zum Landfrauenverein“. Kein Wunder, denn so wenig Strom aus der Steckdose kommt, so wenig verschwinden Schmutzwasser und Fäkalien dauerhaft in Abflüssen und Kanalrohren.

"Wir dürfen nur keine Gewinne machen.“ Ekkehard Lenius
 

Husums Kläranlage stammt in ihrer ersten Ausbaustufe aus dem Jahr 1986 und war damals eine kleine Sensation: die erste Nitrifikations- und Denitrifikationsanlage Europas. Doch in der Südermarsch wird nicht nur Stickstoff herausgefiltert, sondern auch Klärschlamm entwässert, und Mikroorganismen sorgen für den biologischen Abbau von Phosphaten. Übrigens: Mehr als 30 Jahre nach dem Bau unterschreitet Husums Kläranlage noch immer souverän die vorgeschriebenen Reinigungswerte. „Und das schlägt sich natürlich in der Abwasserabgabe nieder“, sagt Lenius. „Wir sind ein kostendeckender Betrieb. Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht wirtschaftlich arbeiten. Wir dürfen nur keine Gewinne machen“, so der Werkleiter. Mit anderen Worten: Was die Abwasserentsorgung erwirtschaftet, dient vorwiegend dem Erhalt der Substanz sowie notwendigen Investitionen.

Das gesamte Klär- und Reinigungsverfahren vorzustellen, sprengte den Rahmen und wohl auch die Vorstellungskraft derer, die technisch nicht so versiert sind wie Lenius und sein Team. Aber Zahlen sagen – wie Bilder – bekanntlich mehr als 1000 Worte. So filtert Husums Kläranlage aus den etwa 2,5 Millionen Kubikmetern Abwasser, die dort jährlich ankommen, im Mittel 98 Prozent aller Stoffe heraus – und zwar ohne den Einsatz von Chemikalien. Lenius macht eine Rechnung auf, die auf den ersten, aber auch nur auf den ersten Blick irritiert: „Wenn sie für 0,3-Liter Bier 3,60 Euro hinlegen sollen, sagen viele: Gott ist das teuer.“ Die Reinigung von einem Kubikmeter Abwasser (also 1000 Litern) kostet seit 1. Januar 2,15 Euro.“ „Eigentlich müssten wir in Litern abrechnen“, sagt Lenius Stirn runzelnd. Wir haben es gemacht: Umgerechnet auf das Bier ergibt das einen Literpreis von 0,000645 Euro.

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