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Mehr Bettler in Husum : Ihre Hunde sollen Mitleid erregen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In Husum sind vermehrt Bettler aus Osteuropa mit Vierbeinern anzutreffen. Die Polizei warnt vor „Betteln mit Ausbaldowern“ an der Haustür.

Er sitzt schon seit Wochen jeden Tag  am selben Ort in der Innenstadt auf dem Gehweg. Vor ihm liegen in eine Decke gewickelt zwei kleine Hunde. Der Mann stammt  aus Osteuropa – das verrät sein Akzent. Er hält eine Mütze ausgestreckt in der Hand und bettelt um Geld. Manchmal ist sein Platz verwaist, dann scheint er die Tiere zu versorgen und auszuführen – hoffentlich.

Eine ältere ausländische Bettlerin  hat auch einen kleinen Hund  dabei,  sie sitzt oft auf der anderen Straßenseite. Doch sobald die Frau nur die Hand hebt,  wirft sich  das Tier auf den Rücken und zittert –  deutlicher kann ein Hund nicht kommunizieren, dass er Schläge kennt. Diese Beobachtung schilderte uns eine empörte Friedrichstädterin.

Um den Faktor Mitleid zu erhöhen, wird  mit  Hunden gebettelt. Und da vor Weihnachten  besonders  bereitwillig  ins Portemonnaie gegriffen wird, gehören in Husum alle Jahre wieder  Bettler –  vermutlich vor allem aus der Slowakei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn – zum Straßenbild. Oft sprechen sie nicht viel mehr als  das Wort „Danke“, doch es kann Angst sein, dass sie so einsilbig reagieren, wie ein Erlebnis mit einem jungen Mann – ohne Hund – aus der Slowakei zeigt. Er  kniet auf dem Boden mit der Mütze in der Hand, nennt auf  Nachfrage sein Heimatland,  aber mehr möchte er nicht von sich preisgeben, denn er wird nervös.

Bürger haben beobachtet, dass  diese Menschen in Gruppen in die Stadt gefahren und wieder abgeholt werden. Die Vermutung, dass es sich um organisierte Bettelei handelt, liegt nahe. Eine Husumerin, die einem ausländischen Bettler etwas  zu essen angeboten hat, bekommt in gebrochenem Deutsch die Antwort: „Nein, nur Bargeld.“ Wird Hundefutter gespendet, gibt es ein „Danke“.  Aufmerksamen Beobachtern ist zudem aufgefallen, dass manchmal auch derselbe Hund bei unterschiedlichen Bettlern zu finden ist.

Menschenleid  und Tierleid treffen aufeinander. Wobei die Hunde im schlimmsten Fall noch den Frust ihrer zugeteilten Zweibeiner aushalten müssen.

In Sachen Tierschutzrecht ist das Ordnungsamt zuständig.  Dort sind Tierfreunde auch an der richtigen Adresse, wenn ihnen etwas auffällt an dem Hund eines Bettlers – sei es, dass er krank zu sein scheint oder sogar so wirkt, als seien ihm Beruhigungsmittel verabreicht worden, damit er über Stunden ruhig ausharrt. „Wir überprüfen  die Hinweise und  schalten das  Veterinäramt ein.  In diesem Jahr hatten wir aber noch keine Meldungen“, sagt Amtsleiter Malte Hansen.

„Ein generelles Bettelverbot gibt es in Deutschland nicht“, erläutert Hansen. Städten stehe es allerdings frei, in bestimmten Gebieten ein solches Verbot zu verhängen  – dies sei in Berlin und Hamburg geschehen. „Aber die haben auch  größere Probleme als wir. In Husum gibt es keine Verbotsbereiche.“ Hansen weist auf die städtische Sondernutzungssatzung hin, nach der „stilles Betteln“ geduldet wird. In der Praxis bedeute dies, dass Passanten nicht  Aufdringlichkeiten ausgesetzt sein dürfen – ob mit Worten oder Gesten. Das wäre Nötigung oder Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Für die Husumer Polizei waren die ausländischen Bettler bisher kein Thema, so der stellvertretende Leiter des Reviers, Thomas Jacobsen. Mehr Sorgen bereiten den Beamten diejenigen Bettler, die direkt vor der Haustür stehen und  mit erfundenen, rührseligen Geschichten versuchen, an Geld zu kommen –  es  heißt dann beispielsweise: „Ich bin ein Flutopfer“ oder „Ich suche Arbeit“. Doch dabei  geht es oft um etwas ganz anderes, weiß Jacobsen und spricht von „Betteln mit Ausbaldowern“: Dann werde geschaut, wer in dem Haus lebt –  ob es etwa  ältere Menschen sind, die leichter zur Zielscheibe werden –,  und auf die Anzahl der Schuhe geachtet, die im Flur stehen, um etwas über die  Zahl der Bewohner zu erfahren.  „Manchmal wird vorne gebettelt und hinten  guckt sich ein anderer alles genau an.“  Es gebe einen deutlichen Zusammenhang zwischen dieser Form der Bettelei und Diebstählen. Ermittelt wurde, dass auch die Haustür-Bettler in Gruppen auftreten und in einem Transporter hin und her gefahren werden.

Einige zeigen auch einlaminierte Zettel mit falschen  Spendenhinweisen vor, berichtet Jacobsen. Das erfüllt allerdings den Straftatbestand des Betruges – ebenso wie das Vortäuschen eines Handicaps oder das Erzählen einer falschen Lebensgeschichte, um Mitleid zu erregen.

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erstellt am 17.Dez.2015 | 17:10 Uhr

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