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Ein Jahr in Guatemala : Ihr Lachen vermissen die Kinder

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Barbara Klimek aus Wobbenbüll hat ein Jahr lang lernschwache und behinderte Mädchen und Jungen in Guatemala betreut.

Aus dem Gebäude erklingt helles Lachen. Doch dieses Mal stammt es nicht von den Kindern des Montessori-Kindergartens, sondern von Mädchen und Jungen mit Behinderungen, die sich offenbar köstlich amüsieren. Für viele ausgelassene Momente sorgte im vergangenen Jahr Barbara Klimek. Die Wobbenbüllerin war als Freiwillige im Kinderdorf von „nuestros pequeños hermanos“ in Guatemala tätig. Die Einrichtung befindet sich in San Andrés Itzapa, einer Gemeinde im Bezirk Chimaltenango. Sie liegt rund 60 Kilometer westlich von Guatemala-Stadt.

Im Kinderdorf kümmerte sich Barbara Klimek als Therapeutin intensiv um lernschwache und auch um behinderte Mädchen und Jungen. „Ich hatte insgesamt 14 Kinder mit körperlichen und/oder geistigen Behinderungen oder Lernschwäche in meiner Gruppe. Zweimal in der Woche habe ich mit jedem Kind sehr intensiv gearbeitet. Oft stand die individuelle Förderung im Vordergrund, doch auch die Gruppenarbeit war wichtig und brachte viele Erfolge.“

Barbara Klimek ist Grundschullehrerin und Erzieherin mit einer Zusatzausbildung in der sozialpsychiatrischen Arbeit. Schon als junge Frau hatte sie den Wunsch, einmal einen Freiwilligendienst zu leisten, um Not leidende Kinder in den Ländern des Südens zu unterstützen. Aus privaten und beruflichen Gründen musste sie jedoch die Realisierung dieses Wunsches hintenanstellen. Doch 2014 war es soweit: Durch eigene Recherchen und dank eines Tipps aus ihrer Kirchengemeinde stieß Klimek auf „nuestros pequeños hermanos“, ein Kinderhilfswerk, das sich in neun Ländern in Lateinamerika für schutzbedürftige Kinder engagiert. Schnell fiel die Wahl auf das Kinderdorf in Guatemala.

Vor ihrer Abreise nach Lateinamerika hatte Barbara Klimek die widersprüchlichsten Gefühle: „Ich war traurig, weil ich mich von meiner Familie und den Freunden für mehr als ein Jahr verabschieden musste. Zugleich stellte sich die Vorfreude auf die guatemaltekische Kultur und Lebensweise ein.“

In Guatemala angekommen, galt es die Sprachbarrieren einzureißen. „Trotz einer intensiven Vorbereitungsphase konnte ich mich am Anfang nur mit Mühe verständigen, denn Guatemaltekisch weicht doch etwas vom Spanischen ab.“ Doch diese Hürde war schnell überwunden, sodass Barbara Klimek als Therapeutin einsteigen konnte. Nach ihrer Arbeit war sie Ansprechpartnerin für Mädchen zwischen zwölf und vierzehn Jahren. „Viele waren in der Pubertät. Am Anfang war es deshalb eine große Herausforderung, einen Zugang zu den Mädchen zu finden. Letztendlich erlebten wir viele intensive Momente.“

Als besondere Erfahrung beschreibt Barbara Klimek ein von ihr für die jüngeren Kinder initiiertes Musikprojekt. „Ich hatte beobachtet, dass die Kinder richtig große Lust zum Musizieren haben, es aber leider an Instrumenten und Lehrern fehlte.“ Von Spendengeldern konnte die 55-Jährige vier Geigen reparieren lassen. Mit einigen Mädchen und Jungen übte die passionierte Geigerin dann in ihrer Freizeit. „Ich war beeindruckt von den schnellen Erfolgen der Kinder. Ich hoffe sehr, dass deren Talent auch künftig gefördert wird.“

Jetzt ist Barbara Klimek zurück in ihrer Heimat. Doch die Eindrücke, die sie in Guatemala hat sammeln dürfen, wirken noch nach. „Für mich war das Freiwilligenjahr etwas ganz Besonderes, weil es in Lateinamerika nicht so viele gut ausgebildete therapeutische Angebote gibt. Dort wirkt die Hilfe ganz direkt.“ Sie möchte keine ihrer Erfahrungen missen. Barbara Klimek arbeitet wieder in einer sozialpsychiatrischen Einrichtung.

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erstellt am 27.Apr.2016 | 17:54 Uhr

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