zur Navigation springen

Bredstedt : Ideenschmiede und Ehrenamtsmesse geplant

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vereine, Verbände und Behörden wollen in einer Arbeitsgruppe Naturschutz künftig ihre Ziele abstimmen.

Wie kann man den aktiven Naturschutz im Einklang mit allen Interessenverbänden, Bürgern, Tourismusvereinen und zuständigen Behörden voranzubringen? Um das zu klären, hatten Heinrich Becker, Vorsitzender des Vereins Natur und Kultur um den Stollberg, Thies Thiessen, Chef des Vereins Naturzentrum Mittleres Nordfriesland, sowie Amtsvorsteher Hans-Jakob Paulsen für das Amt Mittleres Nordfriesland in das Bredstedter Naturzentrum eingeladen. Dem Aufruf gefolgt waren neben Vertretern aus den genannten Vereinen auch haupt- und ehrenamtliche Akteure der umliegenden Deich- und Hauptsielverbände, der Schutzstation Wattenmeer, des Vereins Jordsand, des Kreisanglerverbandes, von NABU und LKN, der Landwirtschaft, Jägerschaft sowie der Politik vertreten. Unter den 32 Zuhörern war auch Franz Brambrink, Leiter des Fachdienstes Umwelt beim Kreis Nordfriesland.

Den Auftakt bildete ein Referat des Experten über Naturschutzprojekte im Kreis, deren Finanzierung sowie grundsätzliche Fördermöglichkeiten. Anschließend entwickelten sich – zur Freude der Veranstalter – nach einer Vorstellungsrunde offene, konstruktive Diskussionen. Deutlich wurde, dass alle, zwar mit unterschiedlichen Schwerpunkten, aber doch letztendlich ein gemeinsames Ziel verfolgen.

Jürgen Töllner, Vorsitzender des Kreisanglerverbandes Nordfriesland, fand: „Wir wissen zu wenig voneinander und was die einzelnen Gruppen eigentlich machen sowie bereits auf die Beine gestellt haben.“ Eine Ehrenamtsmesse würde helfen, das Defizit abzubauen, aber auch, in der Öffentlichkeit zu präsentieren, was es schon gibt. Hier könnten auch Jugendliche speziell angesprochen werden. Heinrich Becker ergänzte: „Wir wissen auch nicht detailliert, welche Schwierigkeiten jeder einzelne bei der Umsetzung seiner Projekte hat. Wir können uns ergänzen und voneinander lernen.“ Jeder sei auf den anderen angewiesen. So ginge beispielsweise nichts ohne die Land- und Wasserwirtschaft. Wie ein Uhrwerk sollte alles ineinander greifen.

Das, was an Projekt-Ansinnen nicht laufen konnte, fand Franz Brambrink als Vertreter des Kreises, müsse nicht wiederholt werden, und das, was gut gelaufen war, könnten andere übernehmen. „Das Rad muss nicht mehr neu erfunden werden.“ Weitere Wortbeiträge bekräftigten den Wunsch nach engerer Zusammenarbeit. „Gemeinsam kann viel bewegt werden“, so der Geschäftsführer Thies Horn vom Deich- und Hauptsielverband Südwesthörn-Bongsiel. Als Beispiel nannte er ein Projekt am Bottschlotter See. Dort gebe es, im Einklang aller, Zonen für die Angler, Windsurfer, aber auch die Vogelwelt. Das gehe, wenn alle an einem Strang zögen. Thies Thiessen vom Naturzentrum plädierte dafür, dass Landwirte, die Flächen zugunsten des Naturschutzes abgeben, auch angemessene Ausgleichszahlungen erhalten müssten.

Annemarie Matthießen, Öffentlichkeitsbeauftragte im Naturzentrum, erinnerte daran, dass Naturschutz vor der eigenen Haustür anfange. Früher hätte es in allen Orten blühende Vorgärten gegeben, heute seien tote Schottergärten – besonders in Neubaugebieten – an der Tagesordnung. Das sei wider die Natur. Hier sei die Politik gefragt, um Einhalt zu gebieten, sei es durch die Ortsgestaltungssatzungen oder die Erhebung einer Steuer für nicht naturgerechte Gärten. Denn jeder andere, ob Kommune oder Landwirt, müsse entsprechende Flächen finanziell ausgleichen. Fakt sei nun einmal, dass die Lebensräume der Tiere und Pflanzen erschreckend schnell schrumpften. Da sei jede Maßnahme pro Natur wichtig, mahnte Matthießen.

Selbst die früher obligatorischen Misthaufen in Dörfern und auf Höfen gehörten wieder ins Bild, fand Melf Melfsen, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Husum-Eiderstedt. Ansonsten gelte auch für ihn eine bessere Öffentlichkeitsarbeit. Vieles müsse auch den Bürgern wieder ins Bewusstsein gerückt werden, was auf einer Messe hervorragend dargestellt werden könnte. Wer beispielsweise sein Fleisch in Supermarktketten erwerbe, der brauche über Massentierhaltungen nicht zu klagen. Bestimmte Werte müssten neu überdacht werden.

„Ich finde es großartig, dass wir uns in dieser Runde austauschen. Daraus sollte eine Ideenschmiede entstehen“, so Franz Brambrink. Das Stichwort nahm Heinrich Becker auf. Sein Vorschlag, sich im Frühjahr 2018 erneut zu treffen, fand Zustimmung. Allerdings, so die mehrheitliche Meinung, sollte eine kleinere Arbeitsgruppe mit je einer Person aus jeder Interessengruppe gebildet werden. Es könnten dann aktuelle Themen für die große Runde aufgearbeitet werden. Dazu sollten dann auch, so Becker, Experten eingeladen werden. Die Koordination unter Mithilfe des Amtes soll beim Trägerverein des Naturzentrums liegen. Eine Ehrenamtsmesse soll zudem vorbereitet werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen