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Start des Modellprojekts : Ideen für ein lebendiges Eiderstedt

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Bürgermeister von Garding und den Dörfern der Umgebung wollen ein Zukunftskonzept für ihre Region erarbeiten und dabei auch Vereine und Verbände einbinden. Ende Oktober sollen die Ergebnisse vorgestellt werden. Danach geht es an die Umsetzung.

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erstellt am 25.Mai.2014 | 08:00 Uhr

Wie könnte eine lebenswerte Zukunft in den Dörfern rund um Garding aussehen? Was wird angesichts des demographischen Wandels in 20 oder 30 Jahren benötigt? Wie kann Garding mit seinem Angebot an Einkaufsmöglichkeiten, Ärzten, Apotheken, Schule und Kindergarten erhalten werden? Welche Weichen müssen gestellt werden, damit aus der Stadt kein Schlafdorf und aus den Dörfern drumherum keine Feriensiedlungen werden? Darüber wollen sich die Bürgermeister von Stadt und Kirchspiel Garding, Vollerwiek, Welt, Grothusenkoog, Poppenbüll, Oster- und Westerhever sowie Katharinenheerd und Tetenbüll Gedanken machen und ein Konzept erstellen. In Welt fiel jetzt der Startschuss für das Modellprojekt Kooperationsraum Mittleres Eiderstedt/Garding, der erste von drei in Nordfriesland. Es ist ein Vorhaben von Kreis und Bundesverkehrsministerium. Die Begleitung übernimmt das Büro pakora.net aus Karlsruhe, das bereits das Integrierte Mobilitätskonzept Nordfriesland betreut. Es sei jetzt eine gute Zeit das Projekt zu starten, erklärte Amtsdirektor Herbert Lorenzen, da 2015 die nächste Förderperiode für die Aktiv-Regionen beginne. Bis 2020 stünden für das südliche Nordfriesland drei Millionen Euro zur Verfügung. Aber es gebe auch noch andere Töpfe.

Eines der Themen ist die Mobilität. Wie kommen die Menschen künftig von ihren Dörfern nach Garding zum Einkaufen, zum Arzt, zu Veranstaltungen? Der öffentliche Personennahverkehr rechne sich nicht mehr, es müssten neue Wege gefunden werden, so Dr. Susanne Dahm in der Auftaktveranstaltung. Ihr Kollege Torsten Beck ergänzte, dass man langfristig denken müsse, für den Zeitraum 2025 bis 2030. „Wie sind alte Menschen dann mobil? Wenn die Kinder woanders leben, wenn die alten Menschen nicht mehr Auto fahren können.“ Jetzt sei die Situation noch komfortabel, aber jetzt müssten die Weichen gestellt werden. Beide betonten, dass Garding und die umliegenden Dörfer voneinander abhängig seien. Außerdem sei wichtig, dass ein Landstrich seine Anliegen geschlossen vortrage. „Eine Region mit 5000 Einwohnern hat bei Landesregierung und Investoren mehr Gewicht als ein Dorf mit 300.“ Weitere Themenfelder, die beackert werden, sind Grund- und Gesundheitsversorgung, Einzelhandel, passende Wohnformen, Kindergärten, Schulen, wirtschaftliche Entwicklung, Feuerwehr, Vereine und Kultur.

In der Diskussion kristallisierte sich heraus, dass der große Nachbar St. Peter-Ording nicht nur im Tourismus Chancen bietet. „Die anderen Orte können ersetzen, was St. Peter-Ording nicht mehr so bieten kann. Wir könnten günstigen Wohnraum für die Arbeitnehmer dort bieten“, sagte Kay Dircks aus Westerhever. Und Bernd Petersen (Garding) merkte an, dass einige St. Peteraner im Sommer lieber nach Garding zum Einkaufen fahren, weil es ihnen in ihrem Ort zu voll sei. Einig war sich die Runde, dass es ein Fehler gewesen war, dass sich Garding vor Jahren nicht stärker für einen Discounter eingesetzt habe. Es gebe neue Bemühungen, sagte Bürgermeister Ranjet Biermann.

Jörg Rathmann (Osterhever) war eher skeptisch, was die Rolle Gardings für die Zukunft betrifft. Man kaufe doch dort ein, wo man arbeite oder die Kinder zur Schule gehen, also in St. Peter-Ording oder Tönning, da Garding keine weiterführende Schule mehr hat. Und Peter Theodor Hansen (Osterhever) sah die wirtschaftliche Kraft Eiderstedts als Hauptknackpunkt. „Wenn hier mehr Geld verdient würde, bräuchten wir über die anderen Dinge gar nicht mehr so zu reden.“

Als nächster Schritt soll ein Fragebogen an die Bürgermeister, Stellvertreter und die Gemeindevertretungen sowie an 20 Vereine und Verbände verschickt werden. Rückgabetermin ist der 23. Juni. In die Auswertung werden auch die Erkenntnisse der Einzelhandelsbefragung auf der Eiderstedt-Messe fließen. Am 5. und 6. September wird es einen Workshop mit den Bürgermeistern, dem Amt, Vereinen und Verbänden geben. Dazu sind auch Vertreter von Kreis und Land eingeladen. Die öffentliche Abschlussveranstaltung, auf der die Ergebnisse vorgestellt werden, findet am 29. Oktober statt. Danach beginnt die Umsetzung der Vorhaben.

 

 

 

 

 

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