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Silke Clausen : „Ich wüsste mir Gehör zu verschaffen“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Arlewatts Bürgermeisterin ist die erste von fünf Frauen, die sich den Interviewfragen unserer neuen Serie „Frauen in der Kommunalpolitik“ gestellt hat.

Landesweit machen Frauen in der Politik nur rund ein Viertel aller Mandatsträger aus, und da macht das Amt Nordsee-Treene keine Ausnahme: Nach den Berechnungen der Gleichstellungsbeauftragten Kirsten Schöttler-Martin liegt die Frauen-Quote hier bei 25 Prozent. Das Amt verwaltet insgesamt 27 Gemeinden und die Stadt Friedrichstadt. Zwei Gemeindevertretungen sind derzeit rein männlich besetzt, und auch sonst sind Frauen in den kommunalen Gremien deutlich in der Minderheit. Mindestens ebenso bemerkenswert ist aber auch, dass etwas mehr als ein Viertel der zum Amt gehörenden Kommunen von einer Bürgermeisterin angeführt werden.

 Silke Clausen ist eine von ihnen. Seit 2008 steht sie als Vertreterin der Wählergemeinschaft Arlewatt (WGA) an der Spitze der 335 Seelen-Gemeinde und übernahm 2013 zusätzlich im Schulverband Horstedt das Amt der Vorsteherin. Aufgewachsen als Tochter eines kommunalpolitisch engagierten Vaters, weiß sie bereits seit ihrer Jugend, dass Frauen grundsätzlich nichts besser oder schlechter machen als ihre männlichen Kollegen. „Allerdings bringen wir nicht selten eine andere Sicht auf gewisse Dinge ein, was sich in Entscheidungsprozessen als äußerst wertvoll erweisen kann“, so die Erfahrung der Steuerfachangestellten, die sich gemeinsam mit vier anderen Frauen aus dem Amt Nordsee-Treene den Interviewfragen unserer kleinen Serie „Frauen in der Kommunalpolitik“ gestellt hat. Diese engagierten Damen wollen wir unseren Lesern in lockerer Folge vorstellen.

Frau Clausen, seit wann sind Sie politisch aktiv und wie kam es dazu?
Ich bin seit 1998, also in der vierten Legislaturperiode, in der Gemeindevertretung aktiv. Fünf Jahre lang war ich normales Gemeinderatsmitglied, fünf Jahre stellvertretende Bürgermeisterin. Mein jetziges Amt habe ich seit zirka neun Jahren inne. Wie ich dazu kam? Ich bin sozusagen familiär vorbelastet: Mein Vater war viele Jahre lang in Löwenstedt stellvertretender Bürgermeister. Die Kommunalpolitik fand ich immer schon spannend, da man direkt mitentscheiden kann, was vor Ort passiert – natürlich nur, soweit der finanzielle Rahmen es zulässt.


Wie klappt denn die Zusammenarbeit mit den Männern in den Gremien?
Da ich seit 1998 immer die einzige Frau im Gemeinderat war, ist es für mich ganz selbstverständlich, in und mit einer reinen Männerrunde zu arbeiten. Unsere Zusammenarbeit funktioniert bestens. Wir sind alle Teamplayer und ich habe nicht das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Bei Bedarf wüsste ich mir durchaus Gehör zu verschaffen.

In der Kommunalpolitik sind Frauen vornehmlich in den „weichen“ Ressorts wie Soziales, Jugend oder Kultur zu finden, während die Bau- und Wegeangelegenheiten meist „Männersache“ bleiben. Wie finden Sie das?
Ich denke, jeder soll die Aufgaben bewältigen, die ihm oder ihr liegen. Für mich selbst kann ich sagen, dass man mit seinen Aufgaben wächst. Vom Wegebau und von der Abwasserbeseitigung hatte ich anfangs überhaupt keinen Schimmer, aber man lernt halt nie aus. Mein Beruf als Steuerfachangestellte kommt mir im „Paragraphen-Dschungel“ oft sehr zugute, ebenso bei den Finanzen oder bei der Antragstellung von Fördergeldern.

Was muss Ihrer Meinung nach geschehen, damit sich noch mehr Frauen in der Kommunalpolitik engagieren?
Das Interesse an Mitarbeit in der Politik beziehungsweise Kommunalpolitik ist meiner Meinung nach insgesamt recht gering – nicht nur bei den Frauen. Das Wissen, nicht nur zur Bundespolitik, sondern auch zur „kleinen Politik vor Ort“, sollte bereits in jungen Jahren vermittelt werden, zum Beispiel an den weiterführenden Schulen. Vielleicht weckt man dadurch mehr Interesse – auch bei den Frauen.

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