Ein Jahrhundert auf der Welt : „Ich wollte immer ich selbst bleiben“

Herta Repp schwelgt in ihrem Haus in Bredstedt in Erinnerungen.
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Herta Repp schwelgt in ihrem Haus in Bredstedt in Erinnerungen.

Die Bredstedterin Herta Repp hat ein langes Leben hinter sich. Am Freitag, 24. Juli, feiert sie ihren 100. Geburtstag mit Freunden, Nachbarn und der Familie. Und die Gäste kommen von überall her.

shz.de von
24. Juli 2015, 09:00 Uhr

Der Name Herta Repp taucht am Freitag, 24. Juli, nicht zum ersten Mal in den Husumer Nachrichten auf. Doch nicht nur die lokale Tagespresse hat sich in der Vergangenheit für das bewegte Leben der Bredstedterin interessiert – das polnische Fernsehen war vor einigen Jahren ebenso in ihrem Haus, wie auch Journalisten der BBC aus London. Am Freitag, 24. Juli, feiert Herta Repp ihren 100. Geburtstag.

Als sie am 24. Juli 1915 in der Berliner Charité auf die Welt kam, lebte ihr Vater bereits nicht mehr. Er war im Ersten Weltkrieg gefallen. Fünf Jahre später heiratete ihre Mutter deswegen den ebenfalls verwitweten Schwager und nach der Ausweisung aus Posen zogen sie gemeinsam nach Schönlanke – dem heutigen Trzcianka in Polen. So konnte Herta Repp doch in einer Familie aufwachsen. „Dafür bin ich bis heute sehr dankbar, wir hatten immer ein offenes Haus“, sagt sie. Mit ihrer Cousine und ihrem Cousin, den Zwillingen Lieselotte und Herbert, wurde sie dann 1921 auch gemeinsam eingeschult.

Nach dem Besuch der Mädchenschule wusste sie schon früh, was sie aus ihrem Leben machen wollte. „Ich habe von klein an gewusst, dass ich in einem sozialen Beruf arbeiten und kreativ mit Menschen umgehen möchte.“ Und so ging sie nach dem Ende der Oberschule und einem anschließenden Haushaltsjahr in Berlin in das brandenburgische Luckenwalde, wo sie als damals 19-Jährige eine Ausbildung zur Krankenschwester begann. Ihre erste Anstellung fand sie anschließend auf Rügen – allerdings ging sie bald wieder, da sie nichts mit der „Braunen Schwesternschaft“, der Krankenpflege im Nationalsozialismus, zu tun haben wollte. „Da wäre ich sonst nie weggegangen, so schön war das da“, erinnert sie sich. Aber nicht für diesen Preis. „Ich wollte immer ich selbst bleiben.“

Eigentlich wollte Herta Repp daraufhin Lehrerin werden – den Studienplatz in Schlesien hatte sie in der Tasche. Doch mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs waren ausgebildete Krankenschwestern unabkömmlich, und so ging es über Brandenburg und eine weitere Ausbildung im Hamburger Tropeninstitut in ein Säuglingsheim nach Amsterdam. „Das war schon etwas Besonderes, diese Freundschaften, die da mitten im Krieg und vor allem in gegenseitiger Anerkennung zwischen Holländern und Deutschen entstanden sind“, sagt sie. Freundschaften, die über Generationen hinweg, bis heute geblieben sind.

1943 heiratete Herta Repp ihren Jugendfreund Adolf. Um auch weiter in seiner Nähe sein zu können, ließ sie sich von Amsterdam nach Bad Polzin, im Norden des heutigen Polens, versetzen. Um über ihre dortige Arbeit und ihre persönlichen Schwierigkeiten, in einem von der SS getragenen Entbindungsheim des Vereins Lebensborn zu berichten, kamen später das polnische und das britische Fernsehen auf sie zu.

Im Sommer 1946 gelangten Adolf und Herta Repp schließlich nach Bredstedt. Im Frühjahr 1947 holten sie ihren Neffen Peter zu sich, 1950 wurde Sohn Hans-Werner geboren.

Adolf Repp, Berufsoffizier und gelernter Holzbildhauer, arbeitete bis zu seinem Tod im Jahre 1955 als Steinmetz, Herta Repp setzte sich in ihrer Siedlung ein. „Das erste, was ich mir mit der neuen Währung kaufte, war eine alte Nähmaschine“, erinnert sie sich weiter. Zudem konnte sie sich dank ihrer Ausbildung um die Kinder in der Nachbarschaft kümmern.

Und diese Hilfsbereitschaft hat sie sich auch noch bis lange nach Kriegsende bewahrt. Herta Repp engagierte sich über viele Jahre ehrenamtlich beim Roten Kreuz in Bredstedt, ging zu Nachbarn, die das Haus nicht mehr verlassen konnten, besuchte Altenheime und „half, wo es nötig war“.

Sie lebt immer noch in ihrem Haus. Ihre Hobbys sind geblieben, haben sich nur verändert. Anstatt zu reisen liest sie Reise-berichte – „so komme ich heute auch noch in der Welt rum“, sagt sie. Kaum ein Buch in der Bredstedter Bücherei hat sie noch nicht gelesen, dazu liegt jeden Morgen die Zeitung auf dem Tisch. „Und dann frühstücke ich und stoße mit mir selbst an“, lacht sie.

Gefeiert wird am Freitag, 24. Juli, mit Freunden, Nachbarn und der Familie bei einem kleinen Empfang. Und die Gäste kommen von überall her. Auch die Nachfahren der Freunde aus Amsterdam sind eingeladen und kommen zum 100. vorbei.

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