Wechsel in Gardings Kultkneipe : „Ich war mit Leib und Seele Kröger“

Rainer Martens und eines seiner vielen Projekte: der Blücherflohmarkt.
Rainer Martens und eines seiner vielen Projekte: der Blücherflohmarkt.

Nach 21 Jahren gibt Gardings Kult-Wirt Rainer Martens seinen Lütt Matten ab, er will mit 61 Jahren noch etwas Neues anfangen

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29. Juni 2018, 14:00 Uhr

Wenn am kommenden Sonntag (1. Juli) die über die Grenzen Schleswig-Holsteins bekannte Musikantenkneipe Lütt Matten in Garding ihre Tore öffnet, dann wird der Chef des Hauses, der Eiderstedter Liedermacher Rainer Martens, sein Domizil nach 21 Jahren an einen Nachfolger abgeben. Wer Rainer Martens und seinen Humor kennt, den wundert es nicht, dass er noch nicht verraten will, wer in seine Fußstapfen tritt. „Olli heißt er, und den Stammgästen des Hauses hat er sich schon vorgestellt“, sagt der beliebte Entertainer und bald Ex-Kneipenwirt augenzwinkernd. Nach eineinhalb Jahren intensiver Bemühungen sei es ihm endlich gelungen, einen Käufer zu finden, der in seinem Sinne weitermacht.

Die Botschaft lautet: „Es geht mit dem neuen Mann weiter wie bisher mit Live-Musik jeden Sonnabend und allen anderen Events, die ich im Laufe der Zeit ins Leben gerufen habe, wie den MoRathon oder den Ei-Rennman. Auch das Weihnachtsliedersingen mache ich im Lütt Matten weiter“, informiert Martens. Der seit zehn Jahren laufende Bücherflohmarkt bleibe ebenso weiter bestehen, denn eine Erfolgsgeschichte gebe man nicht einfach auf. Insgesamt konnten aus den Erlösen 18.000 Euro an soziale Einrichtungen gespendet werden. Olli jedenfalls sei genau der richtige Mann für den Laden.

„Jetzt habe ich endlich Zeit, mich nur noch um Musik zu kümmern. Ich kann mich frei entfalten, möchte wieder Lieder schreiben, vielleicht eine Deutschland-Tour machen oder meinen Traum verwirklichen, einmal in Amerika auf Plattdeutsch zu singen“, erzählt der scheidende Wirt. Der Stadt Garding und dem Verein Musik für Garding und dem damit verbundenen Vorsitz und der Organisation der Musikantenbörse wird er weiterhin treu bleiben.

Ihm sei wichtig gewesen, das Lütt Matten beizeiten in die richtigen Hände zu geben, nicht erst dann, wenn er es unter Umständen nicht mehr in seiner Hand hat oder herbe Verluste bei einem späteren Verkauf schlucken müsste. Und mit 61 Jahren könne man schon mal an den Unruhestand denken. „Ich möchte mich halt noch mal kreativ verwirklichen und mein Leben frei gestalten, obwohl ich mit Leib und Seele Kröger war. Ich habe meinen Arbeitsplatz noch nie mit Frust verlassen. Das war mein Ding“, so der singende Wirt.

1993 hatte der gelernte Versicherungskaufmann, der zehn Jahre als Bezirkskommissar gearbeitet hat, die Restauration in der Dreilandenhalle übernommen. Damit sei er seiner Berufung als Gastwirt gefolgt. Als dann die damals in die Jahre gekommene kleine Kneipe in der Engen Straße geschlossen worden sei, habe er sie erworben und komplett umgebaut. „Ich wollte von Anfang an, dass da Musik stattfindet“, so Martens. Ein Name sei schnell gefunden worden, nämlich aus dem plattdeutschen Lied „Lütt Matten de Has“ von Klaus Groth, das er bis heute immer wieder gern singe.

Ein bisschen Wehmut schwingt doch am Ende mit, als Martens von tollen Abenden im Lütt Matten, von denen jeder besonders gewesen sei, schwärmt. Viele tolle Menschen und Musiker habe er kennen- und schätzengelernt und von lustigen oder traurigen Geschichten erfahren. „Besondere Anekdoten habe ich mir in mein Tagebuch geschrieben. Mal sehen, vielleicht wird da später ein Buch draus“, verrät Martens.

Auch Prominente sind eingekehrt, wie beispielsweise der Schauspieler Hansjörg Felmy oder die Sängerin Olivia Molina. Sogar der Jazz-Musiker Bill Ramsey sei mal im Lütt Matten aufgetreten. Eine besondere Ehre sei es ihm gewesen, als die Gruppe Godewind ihr erstes Unplugged-Konzert bei ihm gab – und das ausnahmsweise für Hutgage. Er selbst sei zur Musik erst 1996/97 gekommen. „Mir fiel eine Gitarre in die Hand, und ich dachte mir: Kannst ja mal üben“, erzählt Martens. Es habe Spaß gemacht, und 1998 habe er sein erstes Lied „Torüch“ geschrieben, seine Liebeserklärung an Eiderstedt. Schon bald folgten erste Auftritte. Keinen Tag wolle er in seinem Leben missen, und er freue sich auf neue Herausforderungen.

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