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Umfrage zum Kleingeld : „Ich liebe meine Cent-Münzen“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Könnten Husumer Einzelhändler und Händler auf die Ein- und Zwei-Cent-Münzen verzichten? Die Husumer Nachrichten haben nachgefragt.

Sein Portemonnaie platzt aus allen Nähten: Der Kunde kramt an der Kasse minutenlang nach seinen Münzen, während die Schlange immer länger wird. Ob’s schneller ginge, wenn es keine Ein- oder Zwei-Cent-Münzen mehr geben würde?

Die Diskussion über die Abschaffung dieses Kleingeldes bewegt in Deutschland immer mal wieder die Gemüter. Nach einer Umfrage von My Marktforschung stimmen 53 Prozent der Deutschen einer Abschaffung der kleinen Kupfermünzen zu, nur 28 Prozent lehnen diese ab. Die Stadt Kleve am Niederrhein hat Fakten geschaffen und zum Februar die beiden Cent-Münzen als erste Stadt in Deutschland abgeschafft. Wäre dies auch eine Option für Husum? Der Husumer Einzelhandel ist da gespalten.

Während Astrid Seemann aus der Schlossbuchhandlung ein leidenschaftliches Plädoyer für den Cent hält, stellt Jörg Gaidys vom Schuhlädchen klar: „Kleine Kupfermünzen sind total überflüssig.“ So halte sich das Schuhgeschäft in der Regel an die Preisempfehlung der Hersteller, die ausschließlich Fünf-Cent-Preise vorschlagen.

„Die Kupfermünzen stören eher, als dass sie nützlich sind“, sagt auch Mogens Klatt, Inhaber der Einhorn-Apotheke. Durch die Abschaffung der kleinen Münzen werde der Umsatz kaum sinken, der Aufwand sei aber deutlich geringer, da für die Händler das viele Zählen wegfalle. Das Problem sei allerdings, dass die Preise der rezeptpflichtigen Arzneimittel bundesweit festgelegt sind. Auch die Mehrwertsteuer beeinflusse den Preis und mache die Beträge „krumm“. „Deshalb sind die Münzen für uns unerlässlich“, sagt Klatt. Es sei denn, der Gesetzgeber lege vor.

Auch Ole Singelmann, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Gewerbegebiet Ost, hält eine Abschaffung der kleinen Kupfermünzen für sinnvoll. „Die Produktionskosten der Münze sind wesentlich höher als der Gegenwert“, weiß Singelmann. So koste die Herstellung einer Ein-Cent-Münze 1,6 Cent. Zudem zeige sich, dass Kunden und Händler in Ländern, in denen es dieses Kleingeld nicht mehr gibt, recht zufrieden seien. Ob die Deutschen allerdings von ihren Cents lassen können – da ist sich auch Singelmann nicht sicher: „Nach meinem Bauchgefühl wäre die jüngere Generation eher dazu bereit, die Älteren hängen sehr stark an den Münzen – ganz nach dem Motto: wer den Cent nicht ehrt.“

Buchhändlerin Astrid Seemann stellt sich aus anderen Gründen gegen die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen. „Ich liebe meine Ein-Cent-Münzen – die bringen Glück“, stellt sie klar. Zudem sei das Zahlen mit Münzen noch eine Art Ritual, das zum sozialen Umgang gehöre: So kosten viele Bücher heute 9,99 Euro – und Seemann sagt beim Überreichen des Rück-Cents gern: „Ich gebe Ihnen heute ein Stück Glück mit.“

Cornelia Nagel, Inhaberin der Boutique chicSaal hingegen sagt: „Bei mir zahlen fast alle Kunden mit Karte.“ Ganz bargeldlos funktioniere das Bezahlen allerdings auch nicht: „Wenn ein Kind beispielsweise schnell zum Bäcker laufen soll, kann man ihm ja schlecht die Karte mitgeben.“

Auch wenn für ihn die Cent-Münzen überflüssig sind, hält Ole Singelmann trotzdem grundsätzlich am Bargeld fest: „Wir werden es immer benötigen. Es ist das älteste, gängigste und bewährteste Zahlungsmittel.“ Außerdem habe nicht jeder ein Konto und eine Karte. Und nicht jeder wolle sein Einkaufsverhalten erfassen lassen.

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erstellt am 01.Jun.2016 | 13:00 Uhr

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