Niebüll : „Ich hab’s weit gebracht: Von Leck nach Niebüll“

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Ferdinand Hahn ist ein „Kind der Heimat“ – heute erforscht er lokale Zeitgeschichte.

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22. Mai 2020, 13:06 Uhr

Seit Jahren verbringt Ferdinand Hahn einen Nachmittag pro Woche beim Niebüller Geschichtsverein. Dort arbeitet der langjährige Berufsschullehrer mit am Personenregister, sammelt Informationen zu Fotos und Quellentexte zu Niebüll aus Büchern.

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Vor dem Geschichtsverein hat er sich schon auf anderen (Spiel-) Feldern getummelt.

Wie kommt’s, dass ein gebürtiger Lecker in Niebüll wohnt?

Als ich nach meinem Studium am 1. April 1972 in Niebüll an der Berufsschule anfing, wollten meine Frau und ich vor Ort wohnen. Die Wohnungssuche war damals aber schon genauso schwierig wie heute. Wir fanden nach langer Suche eine Wohnung oberhalb vom damaligen Kaufhaus Schmidt, heute ist da der Sozialladen.

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Dort gab es eine tolle Wohngemeinschaft, mit einigen Bewohnern sind wir noch heute befreundet. Ich habe es also weit gebracht, von Leck nach Niebüll sind es immerhin elf Kilometer.

Gab es Probleme mit der Rivalität zwischen beiden Orten?

Für mich als Lecker Jung war es nicht so einfach, nach Niebüll zu wechseln, insbesondere, was den Fußball betraf. Die Probleme legten sich aber schnell, Niebüller konnten zum Beispiel genauso gut feiern wie die Lecker.

Die große, weite Welt hat nie gelockt?

Nach erfolgreichem Studium der Volkswirtschaft in Kiel hatte ich Vorstellungsgespräche auch in Berlin und Niedersachsen. Jedes Mal spürte ich, dass ich mich dabei todunglücklich fühlte. Ich bin eben ein „Kind der Heimat“.

Große Hobbyleidenschaft blieb zunächst der Fußball?

Die ersten Jahre habe ich noch in der 2. Manschaft gespielt, später war ich Schiedsrichter, habe eine Zeitlang den Niebüller Betriebsfußball geleitet. 20 Jahre lang habe ich das Schul-Team betreut, das in dieser Zeit drei Mal die Meisterschaft auf Landesebene gewann. Heute beschränkt sich das Fußballfieber auf Public Viewing. Als HSV-Fan hat man es aber nicht immer leicht. Ich setze auf den Aufstieg in die erste Liga.

Was bewegt abseits des Balles einen Ehrenamtler?

Seit mehr als 40 Jahre kämpfe ich für den Umweltschutz, beginnend mit Demos gegen Atomkraft. Damals gab es viele, die nicht verstanden, wenn ich sagte, dass ich mich nie freiwillig in ein Flugzeug setzen würde. Als überzeugter Radfahrer versuche ich, etwas zur Klimaverbesserung beizutragen. Ich habe mich auch als Kommunalpolitiker für den Umweltschutz vor Ort eingesetzt.

Was befeuert den Hobby-Historiker?

Fundstücke zum Beispiel! Kürzlich habe ich ein Zitat von Theodor Fontane anlässlich seines Aufenthalts auf Föhr gefunden: „In Niebüll war es wieder sehr hübsch.“ Zeitgeschichte unmittelbar zu erfahren im Kreis der Enthusiasten des Geschichtsvereins ist schon etwas ganz Besonderes.

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